Teheran – 16.07.2026: Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran hat sich erneut auf jene Meerenge konzentriert, deren Name in Energiezentralen und Handelsministerien rund um die Welt seit Monaten mit wachsender Nervositaet ausgesprochen wird: die Strasse von Hormus. Nach neuen amerikanischen Angriffen auf iranische Kuestenverteidigung und Raketenstellungen hat Washington die Blockade iranischer Haefen wieder verschaerft. Teheran antwortete mit der Drohung, den Zugang zur Meerenge geschlossen zu halten, solange die amerikanischen Angriffe andauern.
Die militaerische Logik ist deutlich, ihre wirtschaftliche Bedeutung noch mehr. Vor Beginn des Krieges, der am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf Iran begann, lief etwa ein Fuenftel der weltweiten Oel- und Gaslieferungen durch Hormus. Die Route verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist fuer die Ausfuhr der Golfstaaten schwer zu ersetzen. Washington versucht inzwischen, Handelsschiffe durch die Gefahrenzone zu begleiten. Doch Reedereien nehmen selbst dieses Angebot nur zoegernd an. Sieben Vertreter aus Schifffahrt und maritimer Sicherheit berichteten, die Risiken nach Angriffen auf Schiffe seien fuer viele Unternehmen weiterhin zu hoch.
Damit entsteht ein bemerkenswerter Abstand zwischen politischer Ansage und praktischer Wirkung. Praesident Donald Trump erklaerte, die Meerenge sei fuer den Schiffsverkehr offen. Auf dem Wasser entscheidet jedoch nicht die Erklaerung eines Staatschefs, sondern die Kalkulation von Kapitaenen, Versicherern und Charterern. Seit iranische Kraefte die etablierten internationalen Fahrspuren vermint haben sollen, muessen Schiffe auf provisorische Korridore nahe der iranischen oder omanischen Kueste ausweichen. Jede Fahrt ist damit auch ein sicherheitspolitisches Risiko.
Besonders beunruhigend ist die iranische Drohung, den Druck auf das Rote Meer auszudehnen. Dort liegt mit Bab al-Mandab der Zugang zum Suezkanal, also zu einer zweiten zentralen Verkehrsader zwischen Asien und Europa. Sollte auch diese Route ernsthaft beeintraechtigt werden, waeren zwei der wichtigsten Ausgaenge fuer Energie und Waren aus der Region zugleich bedroht. Der Konflikt waere dann nicht mehr nur ein Krieg um Abschreckung und Einfluss im Golf, sondern ein unmittelbarer Belastungstest fuer die globale Versorgung.
Europa verfolgt diese Entwicklung mit besonderem Interesse. Hoehere Energiepreise treffen eine Wirtschaft, die sich von mehreren Jahren geopolitischer Schocks noch nicht erholt hat. Die eigentliche Frage dieses Morgens lautet deshalb nicht, ob Hormus formal offen oder geschlossen ist. Sie lautet, ob Handel unter militaerischem Schutz noch als verlaesslicher Handel gelten kann.
Quellen
- Reuters via Investing.com: Schifffahrt meidet eskortierte Hormus-Passagen
- Reuters via StreetInsider: Neue US-Angriffe und Blockade iranischer Haefen
- Council on Foreign Relations: Einordnung der Strasse von Hormus
Weitere internationale Schlagzeilen
- USA verschaerfen Angriffe auf iranische Kuestenverteidigung und Raketenstellungen
- Reedereien meiden weiterhin selbst militaerisch begleitete Passagen durch Hormus
- Iran warnt vor einer Ausweitung des Drucks auf die Route durch das Rote Meer
- Russischer Angriff auf Odesa toetet drei Menschen und beschaedigt Hafeninfrastruktur
- Ukraine trifft russische Schifffahrt, Moskau schraenkt Verkehr im Asowschen Meer ein
- US-Senat ringt um Russland-Sanktionen mit moeglichen Folgen fuer Handelspartner
- EU-UK-Abkommen tritt in Gibraltar in Kraft, Grenzzaun wird entfernt
- IMF mahnt Regierungen zu glaubwuerdiger Geld- und Fiskalpolitik in einer krisenanfaelligen Welt
- Apple sucht in China nach Speicherchips und macht globale Engpaesse sichtbar