Toulouse – 20.07.2026: Die Gewissheit ist für die Familie ein schwerer, aber entscheidender Schritt: Die im Tarn gefundenen menschlichen Knochen sind nach DNA-Analysen Delphine Aussaguel zugeordnet worden. Die 33-jährige Krankenpflegerin, die nach ihrer Heirat den Namen Jubillar trug, war in der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 2020 aus ihrem Haus in Cagnac-les-Mines verschwunden.
Der Generalstaatsanwalt am Berufungsgericht Toulouse, Nicolas Jacquet, bestätigte am Sonntag, 19. Juli, das Ergebnis der Untersuchungen des kriminaltechnischen Forschungsinstituts der Gendarmerie, IRCGN. Gefunden worden waren die Überreste am 16. Juli auf einem Gelände im Tarn, das Cédric Jubillar den Ermittlern nach Angaben der Justiz als Ablageort des Leichnams bezeichnet hatte.
Doch die Identifizierung beendet nicht die kriminalistische Arbeit. Sie eröffnet vielmehr eine neue, schwierige Phase. Nach fünfeinhalb Jahren im Freien können Knochen zwar Hinweise auf Verletzungen tragen, etwa Brüche oder Spuren massiver Gewalteinwirkung. Ob solche Befunde vorhanden sind und ob sie sicher auf einen Todesmechanismus schließen lassen, ist bislang nicht öffentlich mitgeteilt worden.
Die Gerichtsmedizinerin Karine Dabadie warnte bei Franceinfo davor, dass wesentliche Antworten möglicherweise ausbleiben werden. Weichteile, innere Organe und toxikologische Spuren, die bei einer zeitnahen Obduktion oft entscheidend sind, stehen nach einer so langen Zeit in der Regel nicht mehr zur Verfügung. Damit könnten weder eine mögliche Vergiftung noch Ersticken oder manche Verletzungsfolgen zweifelsfrei nachweisbar sein.
Für das Strafverfahren ist das von erheblicher Bedeutung, ohne die bisherige Verurteilung automatisch infrage zu stellen. Cédric Jubillar war im Oktober 2025 in Albi wegen Mordes an seiner Ehefrau zu 30 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; ein Berufungsverfahren vor dem Schwurgericht der Haute-Garonne in Toulouse war bislang ab dem 21. September 2026 vorgesehen.
Jubillar, der seit Juni 2021 in Untersuchungshaft beziehungsweise Haft sitzt, hatte nach Darstellung der Staatsanwaltschaft Mitte Juli seine Verantwortung für den Tod seiner Frau eingeräumt und den Ermittlern Hinweise gegeben. Welche Angaben er zu Ablauf, Motiv und genauer Todesursache gemacht haben soll, wurde nicht umfassend veröffentlicht. Seine Verteidigung kann die neuen forensischen Schritte im Berufungsverfahren bewerten und prüfen lassen.
Die Ermittler dürften nun weitere Untersuchungen der Fundstücke sowie des Fundorts veranlassen. Für Delphine Aussaguels Angehörige bedeutet die Identifizierung vor allem, dass die lange Ungewissheit über ihren Verbleib endet. Die Frage, wie sie starb, kann die Justiz dennoch womöglich nur anhand eines Zusammenspiels aus Spuren, Aussagen und bereits erhobenen Indizien beantworten – nicht durch eine eindeutige medizinische Feststellung.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- Cour d'appel de Toulouse
- IRCGN