Zurück

NEWSDESK · 08.07.2026

Illegale Online-Casinos umgehen weiterhin französische Kontrollen

Paris – 08.07.2026: Medienrecherchen in Zusammenarbeit mit einem europäischen Journalistenkonsortium zeigen: Zahlreiche Online-Casinos ohne französische Lizenz werben weiterhin aktiv um Spielerinnen und Spieler in Frankreich. Die Betreiber sitzen meist im Ausland, passen ihre Seiten sprachlich an, setzen auf gezielte Werbung und binden Zahlungsdienstleister ein, die auch französische Kundschaft bedienen. Damit hebeln sie den in Frankreich strikten Rechtsrahmen für Glücksspiele aus.

Klassische Casinospiele wie Spielautomaten, Roulette oder Blackjack sind für private Anbieter im französischen Markt nicht zugelassen. Um die Reichweite dennoch zu sichern, nutzen die Betreiber ständig wechselnde Domains, Mirror-Seiten und Weiterleitungen. Affiliates fungieren als Vermittler und locken auf Social-Media-Plattformen mit Bonusversprechen, gesponserten Streams und vermeintlichen Gewinnstrategien. Diese Architektur erschwert eine schnelle Zuordnung der Verantwortlichkeiten und vernebelt, wohin Einzahlungen tatsächlich fließen.

Die nationale Aufsichtsbehörde hat wiederholt vor nicht genehmigten Angeboten gewarnt, Domains zur Sperrung gemeldet und Zahlungsströme adressiert. Fachleute verweisen jedoch auf technische Umgehungen und fragmentierte Zuständigkeiten über Landesgrenzen hinweg: Selbst bei zügigen Verfügungen tauchen identische Inhalte häufig unter neuer Adresse wieder auf. Parallel berichten Beratungsstellen von Betroffenen, die nach hohen Verlusten Probleme hatten, Auszahlungen durchzusetzen oder überhaupt Kontakt zu einem verantwortlichen Betreiber zu erhalten.

Die Folgen reichen über individuelle Schäden hinaus. Beratungsstellen sehen ein erhöhtes Risiko für Sucht und Verschuldung, besonders wenn aggressive Bonusmechaniken und schnelle Spielfrequenzen zusammentreffen. Zudem entziehen sich Umsätze illegaler Angebote der französischen Besteuerung, was fiskalische Bedenken verschärft. Bei Verdachtsfällen von Betrug oder Geldwäsche können strafrechtliche Verfahren eingeleitet werden; die Durchsetzung bleibt bei grenzüberschreitenden Strukturen jedoch aufwendig.

Politisch wird über den richtigen Kurs gestritten. Manche Stimmen plädieren für eine klar regulierte Öffnung mit strengen Auflagen und wirksamer Spieleridentifikation, um den grauen Markt einzudämmen. Andere warnen, dass eine Ausweitung des legalen Angebots die Gesamtteilnahme erhöhen und Risiken vergrößern könnte. Schriftliche Anfragen im Parlament und Sitzungsunterlagen zeigen, dass das Thema auf der Agenda der staatlichen Kontrolle bleibt, einschließlich engerer Kooperation mit Zahlungs- und Hosting-Dienstleistern sowie präziserem Domain-Blocking.

Für Nutzerinnen und Nutzer gilt: Nur Angebote verwenden, die in Frankreich ausdrücklich zugelassen sind; bei Problemen frühzeitig Hilfe annehmen und keine persönlichen oder finanziellen Daten an nicht verifizierte Anbieter weitergeben. Die Aufsicht kündigt an, Warnlisten zu aktualisieren, mit Dienstleistern enger zusammenzuarbeiten und die Erreichbarkeit illegaler Angebote weiter zu begrenzen.

Quellen

  • franceinfo
  • Investigate Europe
  • Autorité nationale des jeux (ANJ)
  • Joueurs Info Service
  • Senat.fr