Pontoise – 18.07.2026: In den Laborräumen des Instituts für kriminaltechnische Forschung der französischen Gendarmerie liegt jetzt die Hoffnung auf Gewissheit. Knochenreste, die am 16. Juli bei erneuten Sucharbeiten im Département Tarn gefunden wurden, werden dort untersucht. Zunächst soll geklärt werden, ob es sich um menschliche Überreste handelt und ob eine DNA-Zuordnung zu der seit Dezember 2020 vermissten Delphine Aussaguel möglich ist.
Die Fundstücke waren nach Angaben der Ermittlungsbehörden per Hubschrauber nach Pontoise nördlich von Paris gebracht worden. Dort arbeiten Fachleute unter Bedingungen, die keine schnellen Gewissheiten zulassen: Material wird gesichert, gereinigt, dokumentiert und für genetische Untersuchungen vorbereitet. Gerade bei lange im Freien liegenden Knochen können Witterung, Boden und Zeit die Analyse erheblich erschweren.
Der Fundort liegt in einem Gebiet im Tarn, das Cédric Jubillar nach seinem jüngsten Einlassungen gegenüber der Justiz benannt haben soll. Die Ermittler setzten die Suche am Freitag fort und prüften, ob sich weitere Spuren oder Gegenstände finden lassen. Ob die entdeckten Reste tatsächlich Delphine Aussaguel zuzuordnen sind, war am Samstagmorgen weiterhin offen. Auch eine mögliche Todesursache wäre damit noch nicht geklärt.
Delphine Aussaguel, damals 33 Jahre alt und Krankenpflegerin, verschwand in der Nacht zum 16. Dezember 2020 aus dem gemeinsamen Haus in Cagnac-les-Mines. Ihr Ehemann Cédric Jubillar wurde im Oktober 2025 vom Schwurgericht des Tarn wegen Mordes zu 30 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Gegen das Urteil läuft ein Berufungsverfahren; der Beginn des neuen Prozesses vor dem Schwurgericht Haute-Garonne in Toulouse ist für den 21. September 2026 vorgesehen.
Anfang Juli hatte Cédric Jubillar nach jahrelangem Bestreiten seine Verantwortung für den Tod seiner Ehefrau in einem Schreiben an seine neuen Verteidiger eingeräumt. Bei einer Anhörung am 15. Juli erläuterte er seine Darstellung nach Medienberichten weiter. Diese Angaben sind nun ein Ausgangspunkt für die erneuten Untersuchungen, ersetzen aber weder die kriminaltechnische Prüfung noch die gerichtliche Bewertung des Falls.
Für die Familie der Vermissten kann der Laborbefund mehr bedeuten als eine Verfahrensakte. Seit mehr als fünfeinhalb Jahren fehlt jede gesicherte Antwort darauf, was mit Delphine Aussaguel geschah und wo ihr Leichnam geblieben ist. Die Spezialisten in Pontoise arbeiten deshalb nicht nur an einer DNA-Frage, sondern an einem Befund, der den Angehörigen zumindest einen Teil der Ungewissheit nehmen könnte.
Ein Ergebnis wurde bislang nicht angekündigt. Die Gendarmerie und die Justiz mahnen zur Zurückhaltung, weil selbst eine erfolgreiche Identifizierung weitere Untersuchungen nach sich ziehen würde. Im Tarn gehen die Suchmaßnahmen unterdessen weiter. Der Fall, der lange ohne Fundort und ohne sterbliche Überreste geführt wurde, hat damit eine neue, aber noch keineswegs abschließende Wendung genommen.
Quellen
- Le Monde
- TF1 Info
- La Depeche du Midi