Isfahan – 20.07.2026: Die iranische Justiz hat zwei Männer hingerichtet, die nach Angaben der Behörden an gewaltsamen Übergriffen auf Sicherheitskräfte während der regierungskritischen Proteste beteiligt gewesen sein sollen. Erfan Esfandiari und Gol-Mohammad Mohammadi wurden am Sonntag, dem 19. Juli, in der zentraliranischen Stadt Isfahan durch Erhängen getötet. Die Meldung wurde von der Justiz veröffentlicht und anschließend von internationalen Nachrichtenagenturen aufgegriffen.
Den staatlichen Angaben zufolge sollen die beiden Verurteilten Polizisten an einem Straßenschild festgebunden, mit Steinen verletzt, mit Benzin übergossen und angezündet haben. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Vorwürfe zunächst nicht. Angaben zu möglichen Opfern des behaupteten Angriffs, zum Zeitpunkt der Tat sowie zu Beweismitteln veröffentlichte die Justiz in den verfügbaren Berichten nicht umfassend.
Die Hinrichtungen stehen im Zusammenhang mit den großen Protesten, die Ende Dezember 2025 vor dem Hintergrund stark gestiegener Lebenshaltungskosten begonnen hatten. Die Demonstrationen entwickelten sich rasch zu einer landesweiten Bewegung gegen die politische Führung der Islamischen Republik. Ihren Höhepunkt erreichten sie nach übereinstimmenden Berichten am 8. und 9. Januar 2026. Sicherheitskräfte gingen anschließend in zahlreichen Städten gegen Demonstrierende vor.
Seit Beginn der Protestwelle haben iranische Behörden wiederholt Todesurteile und Hinrichtungen in Fällen mit mutmaßlichem Bezug zu den Demonstrationen bekanntgegeben. Bereits im März 2026 waren nach staatlichen Angaben drei Männer wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit den Januar-Protesten hingerichtet worden. Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Monaten die hohe Zahl von Todesurteilen sowie die Bedingungen, unter denen viele Verfahren stattfinden.
Amnesty International hatte im Februar vor beschleunigten Verfahren gegen mindestens 30 Personen gewarnt, denen im Zusammenhang mit den Protesten die Todesstrafe drohen könnte. Die Organisation erklärte damals, es gebe Berichte über erzwungene Geständnisse, Folter und eingeschränkten Zugang zu unabhängiger rechtlicher Vertretung. Die iranischen Behörden weisen Kritik am Justizsystem regelmäßig zurück und begründen harte Strafen mit der Bekämpfung schwerer Gewalttaten.
Der aktuelle Fall unterstreicht die anhaltende Repression nach den Demonstrationen vom Jahreswechsel. Während die Justiz die beiden Hingerichteten für schwere Angriffe auf Polizisten verantwortlich machte, fehlen öffentlich zugängliche unabhängige Informationen über den Ablauf der Ermittlungen und des Gerichtsverfahrens. Auch ob Verteidiger die Vorwürfe vollständig prüfen und anfechten konnten, wurde nicht bekannt.
Die Todesstrafe wird im Iran weiterhin auch bei Delikten verhängt, die von den Behörden als Angriff auf die öffentliche Sicherheit oder als Feindschaft gegen den Staat bewertet werden. Internationale Menschenrechtsgruppen fordern seit Langem ein Ende der Hinrichtungen und transparente Verfahren. Die am 19. Juli vollstreckten Urteile dürften den Druck auf Teheran wegen seines Umgangs mit Protestierenden erneut erhöhen.
Quellen
- Franceinfo
- AFP
- Amnesty International