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C. Hatty · 02.07.2026

Isabelle Huppert zur Präsidentin der Cinémathèque française gewählt

Paris – 02.07.2026: Isabelle Huppert ist am 2. Juli 2026 zur Präsidentin der Cinémathèque française gewählt worden. Die 73‑jährige Schauspielerin folgt auf den Regisseur Costa‑Gavras, der das Haus seit 2007 geprägt hatte. Erstmals seit der Gründung 1936 übernimmt damit eine Frau den Vorsitz der renommierten Filmkultur‑Institution in Paris.

Gewählt wurde Huppert von der neu konstituierten Generalversammlung für eine Amtszeit von drei Jahren. Zuvor war ein neuer Verwaltungsrat bestätigt worden, dem laut offizieller Mitteilung unter anderem die Regisseurinnen und Regisseure Olivier Assayas, Claire Denis und Nicolas Philibert angehören. Die Wahl fand in Anwesenheit von Vertreterinnen und Vertretern der Leitung statt; Costa‑Gavras’ Abschied wurde institutionell gewürdigt.

Die Personalie fällt in eine Phase intensiver Debatten über die Ausrichtung und Governance der Cinémathèque. In den Jahren 2024 und 2025 hatten Berichte, parlamentarische Anhörungen und interne Prüfungen Vorwürfe gegen Management und Programmgestaltung behandelt. Im Raum standen Fragen nach Arbeitskultur, kuratorischer Verantwortung und der Balance zwischen Kanonpflege und zeitgenössischen Perspektiven. Daraus erwuchs der Druck, Gremienstrukturen zu überprüfen und Entscheidungswege transparenter zu machen.

Huppert bringt eine außergewöhnliche künstlerische Autorität mit. Ihre internationale Festivalpräsenz, Arbeiten mit prägenden Autorinnen und Autoren des Kinos sowie zahlreiche Auszeichnungen verleihen ihrer Präsidentschaft Sichtbarkeit und kulturpolitisches Gewicht. Beobachterinnen und Beobachter erwarten, dass sie das Profil der Cinémathèque als Archiv, Studienort und Programmgeberin gleichermaßen schärfen und die Brücke zwischen historischem Erbe und gegenwärtigen Filmsprachen stärker betonen wird.

Operativ stehen nun Konsolidierung und Vertrauensaufbau an. Auf der Agenda dürften Fragen nach öffentlicher Förderung, der Zusammenarbeit mit dem Kulturministerium, der Pflege internationaler Kooperationen sowie der Zugänglichkeit der Sammlungen – etwa durch Digitalisierung und kuratierte Reihen – stehen. Maßgeblich wird zudem, wie der neu besetzte Vorstand zusammenarbeitet und welche Exekutivfunktionen nachgezogen werden, um Beschlüsse schlagkräftig umzusetzen.

Für das französische Kulturfeld markiert Hupperts Wahl einen sichtbaren Generations‑ und Perspektivwechsel an der Spitze einer Schlüsselinstitution. Sie sendet ein Signal für mehr Diversität in Leitungspositionen und setzt zugleich die Messlatte für transparente Governance hoch. Entscheidend für die Glaubwürdigkeit nach den Kontroversen der vergangenen Jahre werden die ersten inhaltlichen Akzente und strukturellen Weichenstellungen der kommenden Wochen sein – von der Programmpolitik bis zu Prozessen, die Beteiligung und Kritik systematisch einbinden.

Quellen

  • Franceinfo
  • TF1 Info
  • La Cinémathèque française (offizielle Mitteilung)
  • Le Dauphiné
  • Le Monde