Jerusalem – 20.07.2026: Israels Umweltministerin Idit Silman hat Nilkrokodile in eine neue rechtliche Kategorie eingeordnet und damit den Weg für einen möglichen Einsatz der Tiere an Sicherheitsgefängnissen freigemacht. Die Änderung erlaubt staatlichen Stellen, darunter dem israelischen Strafvollzugsdienst, die Haltung von Krokodilen im Rahmen eines Pilotprojekts zu beantragen. Eine konkrete Stationierung ist damit noch nicht beschlossen.
Ausgangspunkt ist ein Vorstoß des Ministers für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir. Er wirbt seit Monaten dafür, Krokodile als zusätzliches Hindernis gegen Ausbrüche einzusetzen. Nach übereinstimmenden israelischen Medienberichten soll die Maßnahme vor allem das Gefängnis Ketziot in der Negev-Wüste betreffen. Dort werden zahlreiche als Sicherheitsgefangene eingestufte palästinensische Häftlinge festgehalten, darunter Personen aus dem Umfeld der Hamas.
Die neue Einstufung ersetzt den bisherigen Status der Tiere als wildlebende Art durch eine Kategorie für in Gefangenschaft gehaltene Wildtiere. Damit können Sicherheitsbehörden unter bestimmten Auflagen Genehmigungen für Haltung und Nutzung beantragen. Nach Angaben israelischer Medien sollen dabei Anforderungen an Unterbringung, Betreuung und Tierschutz gelten. Die Änderung bedeutet weder eine allgemeine Freigabe noch den unmittelbaren Bau von Wassergräben oder Gehegen.
Der Strafvollzugsdienst hatte nach Berichten bereits im Januar 2026 eine Krokodilfarm in Hamat Gader im Norden Israels besichtigt. Interne Prüfungen hätten den möglichen Abschreckungseffekt und eine Verringerung laufender Sicherungskosten zum Gegenstand gehabt. Unabhängig bestätigte Angaben über technische Pläne, die Zahl der Tiere, den Zeitpunkt eines Versuchs oder eine erteilte Betriebsgenehmigung liegen bislang nicht vor.
Die Idee verbindet eine administrative Entscheidung des Umweltressorts mit der Gefängnispolitik des Ministeriums für nationale Sicherheit. Ben-Gvir, Vorsitzender der Partei Otzma Yehudit, hat seit seinem Amtsantritt wiederholt eine Verschärfung der Haftbedingungen für palästinensische Sicherheitsgefangene gefordert. Seine Initiative erhält dadurch politische Bedeutung, obwohl sie zunächst auf einen begrenzten Testbetrieb zielt und mehrere praktische sowie rechtliche Hürden verbleiben.
Ketziot gilt als besonders abgeschirmte Haftanstalt im Süden Israels. Die Diskussion über zusätzliche Sicherungssysteme steht auch im Schatten früherer Ausbrüche palästinensischer Gefangener aus israelischen Haftanstalten. Die zuständigen Behörden begründen das Projekt mit Prävention. Kritiker aus dem Natur- und Tierschutz hatten nach israelischen Medien jedoch Einwände gegen die Nutzung von Raubtieren für Zwecke der Gefängnissicherung erhoben.
Entscheidend wird nun sein, ob der Strafvollzugsdienst einen formellen Antrag stellt und ob die zuständigen Fachbehörden einem Pilotversuch zustimmen. Bis dahin handelt es sich um eine rechtliche Vorbereitung, nicht um ein umgesetztes Sicherheitskonzept. Die Regierung hat damit allerdings ein ungewöhnliches Instrument in die Debatte über Haftbedingungen, Abschreckung und den Umgang mit palästinensischen Sicherheitsgefangenen eingeführt.
Quellen
- Israel National News
- The Times of Israel
- The Jerusalem Post
- TF1 Info
- ANSA