Zurück

Nachrichten.fr · January 26, 2025

Das Geheimnis hinter der Jakobsmuschel: Besuch in der Bucht der Seine

Die Bucht der Seine, eingebettet an der normannischen Küste Frankreichs, ist ein Paradies für Meeresliebhaber und Gourmets gleichermaßen. Doch hinter dem Genuss der zarten Jakobsmuschel verbirgt sich eine Erfolgsgeschichte nachhaltiger Fischerei, die ihresgleichen sucht. Acht Jahre harter Arbeit und strenger Regelungen haben die Region zu einem Musterbeispiel gemacht – eine Geschichte, die zeigt, wie verantwortungsvolle Praxis und kulinarischer Genuss Hand in Hand gehen können.


Ein Morgen in Port-en-Bessin

Es ist früh am Morgen, und der Hafen von Port-en-Bessin erwacht zum Leben. Fischer bereiten ihre Boote vor, Netze werden überprüft, und die salzige Luft erzählt von Abenteuern auf hoher See. Hier startet der Tanaëlis II, ein 14 Meter langer Kutter, in die Gewässer der Bucht der Seine – ein Gebiet, das einst unter Überfischung litt. Heute jedoch schreiben die Fischer ein neues Kapitel.

Der Kapitän, Henry, wirkt gelassen, doch die Routine täuscht nicht über die Spannung hinweg. “Um 15:30 Uhr beginnt die Jagd,” erklärt er. Diese Uhrzeit wird täglich an die Gezeiten angepasst. Sobald es soweit ist, lässt die Crew die schweren Schleppnetze, sogenannte Draggen, ins Wasser gleiten. Diese Netze sind speziell für die Jakobsmuschel zugelassen – ein weiteres Beispiel für die strengen Vorschriften, die hier gelten.


Nachhaltigkeit in Aktion: Strenge Regeln, große Erfolge

Die Draggen gleiten über den Meeresboden, ihre Metallzähne suchen nach den begehrten Schätzen. Doch Zeit ist knapp – nur zweieinhalb Stunden täglich darf gefischt werden. Nach 25 Minuten wird das Netz eingeholt, und die Spannung steigt: Welche Ausbeute wird es diesmal sein? Es ist ein Moment voller Erwartungen – wie ein Überraschungsei für Erwachsene.

Einmal an Bord, übernehmen Benoît und Fabien das Kommando. Ihre Aufgabe? Das Sortieren der Jakobsmuscheln. Kleine Exemplare, unter 11 Zentimeter, werden zurück ins Meer geworfen, um wachsen und sich vermehren zu können. “Das ist nicht nur Pflicht,” erklärt Henry, “sondern auch unser Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg.”

Die Ergebnisse sind beeindruckend: In nur zweieinhalb Stunden erreicht die Crew 1,8 Tonnen Muscheln. Henry, der seit 30 Jahren auf See ist, erinnert sich an schwierige Zeiten: “Früher mussten wir zwölf Stunden arbeiten, um 500 Kilo zu ernten. Heute zeigt uns die gute Verwaltung, wie es besser geht.”


Das Geheimnis der Rekordzahlen

Mit 137.000 Tonnen Jakobsmuscheln in diesem Jahr hat die Bucht der Seine neue Rekorde aufgestellt – ein Anstieg von 56 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Was steckt hinter diesem Erfolg? Ein ausgeklügeltes System, das wie eine landwirtschaftliche Fruchtfolge funktioniert.

Dimitri Rogoff, Vorsitzender des normannischen Fischereiverbandes, erklärt: “Die Bucht ist in vier Zonen aufgeteilt, und jedes Jahr wird eine davon geschlossen. Das ermöglicht den Muscheln, ungestört zu wachsen und sich zu vermehren.” Diese sogenannte “muschelfreie Zeit” hat der Population zu einem erstaunlichen Comeback verholfen.

Allerdings gibt es auch Herausforderungen. Der Klimawandel macht den Fischern Sorgen. Rogoff verweist auf den Zusammenbruch der Wellhornschnecken-Population in der nahegelegenen Bucht von Granville: “Innerhalb von drei bis vier Jahren ist die Produktion von 7.000 auf unter 3.000 Tonnen gefallen. Das zeigt, wie schnell sich die Natur verändern kann.”


Kulinarik und Identität: Jakobsmuscheln mit Tradition

Neben der nachhaltigen Ernte arbeitet die Region daran, den Wert der Jakobsmuscheln zu steigern. Der Kilopreis liegt seit 30 Jahren bei etwa drei Euro. Eine geschützte geografische Angabe (IGP) soll den Muscheln aus der Bucht der Seine künftig eine höhere Anerkennung verschaffen.

Aber mal ehrlich: Sind diese Muscheln nicht mehr wert? Ob pur, mit etwas Zitrone und Butter oder in einer cremigen Sauce – die Jakobsmuscheln der Bucht von Seine sind ein Geschmackserlebnis, das man nicht vergisst.


Ein Ausflug für alle Sinne

Ein Besuch in der Bucht der Seine ist mehr als nur eine Reise ans Meer. Es ist eine Entdeckungstour, die Geschichte, Nachhaltigkeit und Genuss vereint. Vom malerischen Hafen in Port-en-Bessin über die Erzählungen der Fischer bis hin zur kulinarischen Magie auf dem Teller – hier spürt man, wie eng Mensch und Natur verbunden sind.

Also, warum nicht selbst auf Entdeckungstour gehen? Die Bucht der Seine hat weit mehr zu bieten als nur Jakobsmuscheln – sie erzählt eine Geschichte, die man schmecken, riechen und fühlen kann. Und wer weiß, vielleicht wird auch der ein oder andere Schatz aufgedeckt – nicht nur im Netz, sondern auch im Herzen.