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Nachrichten.fr · March 3, 2025

Eine Fahrt durch die Dörfer im Hinterland von Menton – Berge, Olivenhaine und mittelalterlicher Charme

Menton, die „Perle Frankreichs“, verzaubert mit ihrer pastellfarbenen Altstadt und den sanft abfallenden Stränden an der Côte d’Azur. Doch kaum verlässt man die Küste und fährt ins Hinterland, öffnet sich eine völlig andere Welt. Hier, in den Ausläufern der Alpen, verstecken sich kleine Dörfer zwischen grünen Hügeln, duftenden Zitronenhainen und jahrhundertealten Olivenbäumen. Eine Reise dorthin? Lohnt sich unbedingt!


Startpunkt Menton – Vom Meer in die Berge

Unsere Tour beginnt in Menton, direkt an der italienischen Grenze. Mit dem Auto schlängeln wir uns durch enge Straßen nach Norden, vorbei an bunten Häusern und Terrassen voller Zitronenbäume. Nach wenigen Minuten steigt die Straße an – die Côte d’Azur verschwindet im Rückspiegel, stattdessen tauchen bewaldete Hänge und schroffe Felsen auf.

Das Besondere an dieser Region? Kaum hat man ein Dorf hinter sich gelassen, wartet das nächste schon mit neuen Überraschungen.


Sainte-Agnès – Das höchste Küstendorf Europas

Nur etwa 10 Kilometer von Menton entfernt liegt Sainte-Agnès, doch die Fahrt dorthin ist ein echtes Abenteuer. Die schmale Straße windet sich Serpentine für Serpentine in die Höhe, während der Blick auf das tiefblaue Mittelmeer immer spektakulärer wird.

Sainte-Agnès thront auf 780 Metern – es gilt als das höchstgelegene Küstendorf Europas. Einmal angekommen, fühlt man sich wie in einer anderen Zeit: verwinkelte Gassen, steinerne Häuser und eine Burgruine, die über allem wacht.

Die Ruine stammt aus dem Mittelalter und bietet eine Wahnsinnsaussicht – besonders bei Sonnenuntergang, wenn die Bergspitzen in goldenes Licht getaucht sind. Unten im Dorf gibt es gemütliche Cafés, in denen man einen Café au Lait genießt, während sich das Leben hier im entspannten Tempo abspielt.


Castellar – Ein Hauch Italien in Frankreich

Von Sainte-Agnès geht es weiter nach Castellar, einem charmanten Dorf, das seine italienischen Wurzeln nicht leugnen kann. Die kleinen Plätze, die Bögen über den Gassen, die bunten Fensterläden – hier spürt man den Einfluss der nahen Grenze.

Castellar ist perfekt für einen Spaziergang: Man schlendert durch enge Gassen, vorbei an alten Brunnen und steinernen Treppen, bis man plötzlich vor der kleinen Kirche Saint-Pierre steht. Ein weiteres Highlight ist das „Maison des Artistes“, in dem regionale Künstler ihre Werke ausstellen.

Und das Beste? In Castellar gibt es kaum Touristen. Wer das authentische Hinterland erleben will, ist hier genau richtig.


Sospel – Mittelalterflair am Fluss

Jetzt führt die Route etwas tiefer ins Landesinnere, durch Wälder und über sanfte Hügel, bis man nach etwa 30 Minuten in Sospel ankommt. Schon von Weitem sieht man die alte Steinbrücke über den Fluss Bévéra – ein echter Blickfang!

Sospel war einst ein wichtiger Haltepunkt auf der alten Salzstraße, die von Nizza nach Piemont führte. Und genau diesen mittelalterlichen Charme hat sich der Ort bewahrt. Die bunten Häuser entlang des Flusses, die kleinen Läden mit regionalen Produkten und die beeindruckende Kathedrale Saint-Michel – alles schreit hier nach Geschichte.

Ein Tipp: Auf dem Wochenmarkt gibt es fantastischen Käse aus der Region, hausgemachten Honig und Olivenöl von kleinen Bauernhöfen.


Peille – Versteckt zwischen Felsen

Die letzte Station unserer Tour ist Peille, ein kleines Dorf, das fast wie an den Fels geklebt wirkt. Die Straße dorthin? Abenteuerlich! Kurvig, eng, aber wunderschön – mit Blick auf tiefe Schluchten und steile Berghänge.

Peille selbst ist eine echte Entdeckung. Während viele Touristen nur nach Èze oder Saint-Paul-de-Vence fahren, bleibt Peille ein Geheimtipp. Enge Gassen, jahrhundertealte Steinbögen und eine kleine, aber beeindruckende Kirche machen den Reiz aus.

Wer Lust auf Natur hat, kann von hier aus eine Wanderung starten. Mehrere Wege führen durch die Berge, vorbei an alten Ruinen und wilden Kräutern, die die Luft mit ihrem Duft erfüllen.


Gorbio – Ein Dorf wie aus dem Bilderbuch

Nur wenige Kilometer von Menton entfernt, aber gefühlt eine Weltreise zurück in die Vergangenheit: Gorbio. Dieses kleine, mittelalterliche Dorf klammert sich an einen Hügel und ist von dichten Wäldern und Olivenhainen umgeben. Die enge Straße dorthin führt durch eine Landschaft, die nach Lavendel und Pinien duftet – ein Vorgeschmack auf die Ruhe, die einen erwartet.

Der zentrale Dorfplatz mit seiner riesigen, jahrhundertealten Ulme ist das Herzstück von Gorbio. Hier trifft sich das halbe Dorf, um im Schatten des mächtigen Baums zu plaudern oder einen Pastis zu trinken. Direkt daneben erhebt sich die Kirche Saint-Barthélemy, deren Glockenturm sich stolz gegen den Himmel reckt.

Besonders charmant: Die kleinen Steinhäuser mit ihren blumengeschmückten Fenstern, die verwinkelten Gassen, die Treppen, die ins Nirgendwo zu führen scheinen. Gorbio wirkt wie ein Ort, an dem die Zeit langsamer vergeht – perfekt, um einfach mal durchzuatmen.

Ein absolutes Highlight ist das alljährliche Fête des Limaces im Juni: Ein magisches Fest, bei dem das gesamte Dorf nur von Schneckenlichtern – kleinen Kerzen in leeren Schneckenhäusern – beleuchtet wird. Eine Tradition, die Gorbio noch ein bisschen märchenhafter macht.

Kulinarische Highlights – Ein Fest für den Gaumen

Was wäre eine Reise ohne gutes Essen? Das Hinterland von Menton bietet einige echte Leckerbissen:

  • Barbajuan – Kleine frittierte Teigtaschen mit Spinat und Ricotta, eine Spezialität aus Menton und der Umgebung.
  • Pissaladière – Eine Art provenzalische Pizza mit karamellisierten Zwiebeln, Oliven und Sardellen.
  • Tourte de Blette – Eine süß-herzhafte Tarte mit Mangold, Rosinen und Pinienkernen – klingt ungewöhnlich, schmeckt aber fantastisch!

Dazu ein Glas lokalen Roséweins und das Leben fühlt sich gleich noch besser an.


Fazit – Ein unvergesslicher Tagesausflug

Von den Küstenblicken in Sainte-Agnès über das italienisch angehauchte Castellar bis hin zum mittelalterlichen Charme von Sospel – die Dörfer im Hinterland von Menton haben so viel zu bieten. Jede Ecke überrascht mit Geschichte, Natur und kulinarischen Köstlichkeiten.

Wer das ursprüngliche Südfrankreich erleben will, sollte sich Zeit nehmen, das Auto parken und einfach durch die Gassen schlendern. Denn genau dort – zwischen alten Steinhäusern und duftenden Gärten – zeigt sich die wahre Seele der Region.

Ein Reisebericht von V.O.Yager