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Nachrichten.fr · April 21, 2025

Flussabenteuer von Valence bis zum Mittelmeer – entlang der Rhône

Die Rhône – mächtig, geschichtsträchtig, charmant – zieht sich wie ein flüssiges Band durch Südfrankreich. Wer sich auf eine Reise von Valence bis zur Mündung wagt, erlebt ein Mosaik aus Städten, Geschichte, Kultur und Natur, das in seiner Vielfalt kaum zu toppen ist.


Startpunkt Valence – Renaissance trifft Rhône

Los geht’s in Valence, wo sich städtisches Flair mit südlicher Leichtigkeit mischt. Die Altstadt überrascht mit kleinen Gassen, gemütlichen Cafés und dem Maison des Têtes, einem prachtvoll verzierten Renaissancehaus. Am Ufer des Flusses lässt sich schon erahnen, was einen noch alles erwartet – weite Landschaften, historische Schätze und kulinarische Verführungen.

Im Park Jouvet lässt sich ein erster Blick über das Tal werfen. Zwischen uralten Bäumen und gepflegten Beeten plätschert die Vorfreude auf die kommenden Etappen.


Zwischen Reben und Geschichte: Tournon-sur-Rhône & Tain-l’Hermitage

Keine 20 Kilometer südlich kommen zwei Orte ins Spiel, die wie Yin und Yang über die Rhône wachen. Tournon-sur-Rhône mit seiner mittelalterlichen Burg auf der einen Seite – Tain-l’Hermitage mit sonnenverwöhnten Reben auf der anderen. Eine hübsche Fußgängerbrücke verbindet die beiden.

In Tournon thront das Château über dem Fluss. Drinnen: ein Museum, das spannende Geschichten aus der Region erzählt. Drüben in Tain wird’s süß: Die Schokoladenmanufaktur Valrhona lädt zum Probieren ein. Wer kann da schon widerstehen? Und dann sind da noch die Weine – kräftig, elegant, ein bisschen wie die Rhône selbst.


Viviers – Zeitreise im Kleinformat

Weiter geht’s flussabwärts nach Viviers. Ein Ort, der wirkt, als hätte jemand das Mittelalter konserviert. Kopfsteinpflaster, windschiefe Häuschen und mittendrin: die Kathedrale Saint-Vincent. Von dort oben hat man einen Blick über die ganze Region, der direkt in den Bauch geht. So schön, dass man kurz die Zeit vergisst.

Hier geht’s nicht um Schnelligkeit – sondern ums Entdecken.


Pont du Gard – Römisches Meisterstück

Ein kleiner Umweg führt zu einem Monument, das einen staunen lässt: der Pont du Gard. Wie, bitte schön, haben die Römer das vor über 2.000 Jahren gebaut – und das Ganze steht immer noch kerzengerade da? Das Aquädukt wirkt fast surreal in der Landschaft. Fast zu perfekt, um wahr zu sein.

Wer hier durch die Bögen spaziert oder im Sommer darunter badet, versteht sofort, warum dieses Bauwerk als eines der spektakulärsten Zeugnisse antiker Baukunst gilt.


Avignon – Zwischen Kirchenmauern und Brückenklängen

Und dann Avignon. Schon beim ersten Anblick des gewaltigen Papstpalasts spürt man: Hier wurde Geschichte geschrieben. Im 14. Jahrhundert residierten die Päpste hier, fern von Rom – warum eigentlich? Ein Stadtführer erzählte mir einmal augenzwinkernd: „Weil es hier besseres Essen gab.“

Neben dem Palast zieht natürlich die berühmte Brücke Pont Saint-Bénézet die Blicke auf sich. Wer summt da nicht das bekannte Kinderlied? Die Altstadt ist ein Gewirr aus kleinen Plätzen, versteckten Innenhöfen und Läden voller Lavendel, Wein und Kunst.


Arles – Gladiatoren, Gaukler und Van Gogh

Kurz darauf erreicht man Arles, wo römisches Erbe und kreative Moderne Hand in Hand gehen. Das Amphitheater – einst Bühne für Gladiatorenkämpfe, heute Schauplatz für Konzerte und Festivals. Die Gassen erinnern an Van Gogh, der hier einige seiner berühmtesten Werke schuf. Und es scheint, als würde sein Geist noch immer zwischen den Häusern spuken.

Die Stadt ist wie eine Leinwand, auf der sich Jahrhunderte überlagern. Echt faszinierend.


Die Camargue – Flamingos, Pferde und der Duft des Meeres

Dann, ganz langsam, verändert sich die Landschaft. Die Rhône verzweigt sich, das Land wird flach, salzig und irgendwie magisch. Willkommen in der Camargue – einem der ungewöhnlichsten Naturräume Europas. Hier staksen rosa Flamingos durch flache Lagunen, weiße Wildpferde galoppieren durch Sümpfe, und schwarze Stiere stehen stoisch in der Sonne.

Am besten erkundet man die Region auf dem Fahrrad oder zu Pferd. In Saintes-Maries-de-la-Mer endet die Reise – dort, wo der Fluss auf das Meer trifft, wo Gaukler und Pilger sich treffen und Geschichten an jeder Ecke zu hören sind.


Kulinarische Zwischenstopps – ein Fest für Genießer

Was wäre so eine Reise ohne ordentlich was auf den Teller? Die Côtes du Rhône schenken großartige Tropfen ein – ob samtig oder würzig, da findet jeder sein Gläschen Glück. In Tain-l’Hermitage fließt Schokolade förmlich durch die Straßen, während in Avignon die Märkte duften wie ein Kräutergarten.

In der Camargue landen frische Meeresfrüchte, Stierwurst und Reis auf dem Tisch. Klingt wild? Schmeckt fantastisch!


Reisetipps für Entdeckerseelen

Diese Tour lässt sich auf viele Arten erleben: Gemütlich im Auto, sportlich mit dem Fahrrad auf der ViaRhôna oder ganz entspannt auf dem Wasser mit dem Hausboot. Egal wie – wer sich Zeit nimmt, entdeckt hinter jeder Biegung neue Geschichten.

Wann ist der beste Moment für so ein Abenteuer? Frühling oder Herbst, wenn die Landschaft in satten Farben leuchtet und der Trubel des Hochsommers noch weit entfernt ist.

Warum also nicht einfach losziehen und schauen, wohin die Rhône einen trägt?

Ein Reisebericht von V.O.Yager