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Nachrichten.fr · September 3, 2025

GR® 76 – Die Seele Burgunds auf Schusters Rappen entdecken

Stell dir vor, du stehst in Chagny, umgeben von Weingärten und uralten Steinhäuschen – und ein Pfad flüstert: „Komm, ich zeig dir das echte Burgund.“ Genau das verspricht der GR® 76. Ein Fernwanderweg, der quer durch das Herz Frankreichs führt – über 179 Kilometer lang, vorbei an Rebstöcken, verträumten Dörfern und durch Wälder, die kühler riechen als jede Klimaanlage es je könnte.

Von Chagny nach Affoux – das klingt erstmal nüchtern. Doch was dazwischen liegt, ist ein Rausch für die Sinne. Und das Beste: Der Weg will nicht beeindrucken, sondern verzaubern.


Landschaften, Weinberge und Dörfer mit Charakter

Gleich zu Beginn schlägt das Wanderherz höher: Bouzeron, Mercurey, Santenay – klingende Namen für Weinliebhaber, gemütliche Stopps für Entdecker. Hier ziehen sich Reben wie grüne Wellen über die Hügel, dazwischen ragen kleine Steinhäuschen auf – sogenannte „Cabottes“, früher Unterschlupf für Winzer, heute pittoreske Fotomotive.

Der Weg schraubt sich weiter – durch sanfte Täler, über schattige Höhen. Dörfer wie Saint-Martin-sous-Montaigu oder Moroges begrüßen dich mit Fachwerk und Kopfsteinpflaster. Kein Touristenrummel, keine Souvenirhölle – nur Ruhe, ehrliche Gastfreundschaft und eine Kirche, die noch wie eine Kirche klingt.

Und dann Cluny – die Abtei, die einst ganz Europa beeinflusste, thront heute als Ruine mit Seele. Hier hallt Geschichte zwischen den Mauern, während du draußen auf einer Bank dein Picknick auspackst.

Im letzten Drittel der Strecke wird’s wildromantisch. Die Monts du Beaujolais rollen sich unter deinen Füßen aus wie ein grüner Teppich. Der Wein wechselt von Pinot zu Gamay, die Höhenmeter werden knackiger – aber genau das gibt dem Weg seinen Biss.


Etappen, die wie Kapitel eines guten Buchs wirken

Viele Wanderer teilen den GR® 76 in vier größere Abschnitte – ideal, wenn man sich auf das Erleben und nicht auf das Kilometerzählen konzentrieren will.

Die erste Etappe führt durch liebliche Hügel, bei denen man nicht weiß: Will man lieber wandern oder einfach sitzen bleiben und gucken? Die zweite rollt ins Herz des Beaujolais – eine Einladung, unterwegs ein Glas Gamay zu probieren. In der dritten spürst du, wie aus Weingärten dichte Wälder werden, und auf der vierten geht’s dann hinab nach Tarare, wo Kopfsteinpflaster auf Industriegeschichte trifft.

Hört sich nach einem Abenteuer an? Ist es auch – nur mit weniger Drama und mehr Genuss.


Tipps, damit’s richtig rund läuft

Schwierigkeitsgrad: Moderat. Wer regelmäßig wandert, wird die Höhenmeter als sportliche Würze empfinden. Kein Spaziergang, aber auch kein Muskelkatermonster.

Markierung: Klassisch weiß-rot – übersichtlich und zuverlässig, auch wenn der Nebel mal vorbeischaut.

Ausrüstung: Gute Wanderschuhe, wetterfeste Kleidung, Sonnenschutz – und am besten ein kleiner Tagesrucksack mit viel Wasser und einem Stück Käse vom letzten Marktbesuch.

Jahreszeit: Frühling bringt Blüten und frische Luft, der Herbst taucht die Landschaft in warme Farben – und ja, da riecht es auch ein bisschen nach Weinlese und Lagerfeuer. Sommer kann heiß werden, also früh losziehen!

Übernachten: Kleine Pensionen, einfache Gîtes und charmante Gästezimmer – überall entlang des Weges bieten sich Gelegenheiten zum Runterkommen und Krafttanken. Vorbuchen schadet nicht, besonders in der Hochsaison.


Was der Weg wirklich schenkt

Dieser Fernwanderweg ist kein klassischer Touri-Magnet. Kein „Instagram-Spot“, den man mal eben mitnimmt. Er ist eine Einladung, sich treiben zu lassen. Zu Fuß. Im eigenen Tempo. Mit Blick für’s Kleine: ein Eidechsen huscht über den Weg, eine Katze streckt sich auf einer warmen Mauer, ein alter Mann grüßt vom Fenster.

Hier geht’s nicht nur ums Gehen – hier geht’s ums Ankommen. Nicht am Ziel, sondern bei sich selbst.


Empfehlungen für dein Wanderabenteuer

  1. Mach’s langsam. Du verpasst nichts, wenn du innehältst. Im Gegenteil – genau da fängt’s an.
  2. Sprich mit den Menschen. Ob Winzer, Wirt oder Wanderer – wer fragt, bekommt Geschichten geschenkt.
  3. Nimm dir Zeit für Genuss. Ein Glas Wein am Abend, ein frisches Baguette im Rucksack, ein stiller Moment mit Blick auf die Hügel – das ist der wahre Luxus.

Ein Reisebericht von V.O.Yager