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Nachrichten.fr · June 17, 2025

Grüne Träume am Rande der Welt: Der Jardin Botanique de Vauville

Wer hätte gedacht, dass sich am windumtosten Rand der französischen Normandie ein Garten versteckt, der aussieht, als hätte jemand ein Stück Südhalbkugel einfach aus der Erde gerissen und hier wieder eingepflanzt? Willkommen im Jardin Botanique de Vauville – einem Ort, der sich anfühlt wie ein botanisches Märchenbuch, Seite für Seite.

Tropen treffen Nordatlantik: Ein Überblick

Ganz im Nordwesten der Halbinsel Cotentin, unweit der zerklüfteten Küste von La Hague, liegt Vauville. Ein kleiner Ort, den man leicht übersehen könnte – wenn da nicht dieser unglaubliche Garten wäre.

Auf 4,5 Hektar erstreckt sich ein grünes Paradies, das seit 1948 gewachsen ist. Angelegt von Éric Pellerin, einem passionierten Parfümeur und Weltenbummler, beherbergt es heute über 1.000 Pflanzenarten aus dem südlichen Teil unseres Planeten. Und das in einem Klima, das eigentlich eher an Gummistiefel als an Palmen denken lässt.

Aber: Der Golfstrom macht’s möglich. Seine warme Meeresströmung schafft ein Mikroklima, das tropische und subtropische Pflanzen gedeihen lässt – mitten in der Normandie.

Schon beim Betreten wird klar: Das hier ist kein gewöhnlicher Garten.

Zwischen Palmen, Farnen und exotischen Wundern

Der Jardin Botanique de Vauville ist in sogenannte „grüne Zimmer“ unterteilt. Klingt erstmal ungewöhnlich – doch was dahinter steckt, ist genial: kleine Gartenbereiche mit ganz eigener Atmosphäre.

Ein paar Schritte führen in einen Dschungel aus chinesischen Hanfpalmen. Das Rascheln der Blätter im Wind wirkt fast wie Meeresrauschen – nur grüner. Um die Ecke plätschert ein Wasserlauf, flankiert von riesigen Farnen aus Tasmanien. Ein paar Meter weiter dann: ein Teich, überragt von den riesigen Blättern der Gunnera manicata – einer Pflanze aus Brasilien, die aussieht, als wäre sie direkt aus „Jurassic Park“ importiert worden.

Und dann der Eukalyptus-Hain – auch „Becken der Weisheit“ genannt. Wer hier steht, zwischen den silbrigen Stämmen, spürt diesen Zauber, den nur echte Gärten verströmen.

Klingt ein bisschen übertrieben? Glaub mir – das ist es nicht.

Eine Familiengeschichte, verwurzelt in Leidenschaft

Hinter dem Garten steckt nicht nur Pflanzenliebe, sondern auch eine Familiengeschichte, wie sie berührender kaum sein könnte.

Éric und Nicole Pellerin begannen ihr grünes Abenteuer 1948. In den 1980ern übernahmen Sohn Guillaume und seine Frau Cléophée – und trieben die Vielfalt weiter voran. Heute führt ihr Enkel, ebenfalls Éric, das Erbe mit Herz und Hingabe fort.

Er begrüßt Besucher oft persönlich – mit einem Lächeln, das man nicht vergisst. Und man spürt: Hier pflegt jemand nicht nur Pflanzen, sondern auch eine Vision.

Anerkennung, die Wurzeln schlägt

1992 erhielt der Garten die Auszeichnung als „Monument historique“. Ein Ritterschlag in Frankreich. 2004 folgte das Prädikat „Jardin remarquable“, verliehen vom Kulturministerium für Gärten mit außergewöhnlichem Charakter.

Seit 2018 zählt er zudem zur Botanic Gardens Conservation International (BGCI) – einer weltweiten Organisation, die sich dem Schutz seltener Pflanzen verschrieben hat.

Wer hätte gedacht, dass sich aus einer privaten Leidenschaft ein botanisches Schwergewicht entwickelt?

Kulinarik & Kultur – Was man rundherum entdecken kann

Rund um Vauville lohnt es sich, die Augen offen zu halten. Im nahen Beaumont-Hague kann man in kleinen Bistros fangfrische Meeresfrüchte genießen – Austern mit Blick aufs Meer sind hier kein Luxus, sondern Alltag.

Und wer tiefer in die Kultur der Region eintauchen will, sollte das Manoir du Tourp besuchen. Ein alter Gutshof, heute Museum und Kulturzentrum – mit spannenden Ausstellungen über die Geschichte der Region La Hague.

Kleiner Tipp: Unbedingt auch das Salzkaramell aus der Gegend probieren. Hat Suchtpotenzial.

So gelangt man hin – und das sollte man wissen

Der Jardin Botanique de Vauville liegt an der Route des Fontaines, mitten im Grünen. Am besten erreicht man ihn mit dem Auto. Die nächste größere Stadt ist Cherbourg – von dort fährt man etwa 30 Minuten entlang schmaler, kurviger Straßen, gesäumt von Hecken und Weiden.

Öffnungszeiten 2025: Vom 29. März bis 31. Oktober, täglich von 14 bis 18:30 Uhr. In den Sommermonaten Juli und August sogar bis 19:30 Uhr.

Eintritt: 9,50 Euro für Erwachsene. Kinder und Jugendliche unter 18 dürfen kostenlos mitkommen. Hunde sind erlaubt – solange sie an der Leine bleiben.

80 % des Gartens sind auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkung zugänglich – eine Begleitperson sollte dabei sein.

Und wer unterwegs eine Pause braucht, findet am Garteneingang auch eine kleine Erfrischungsecke – mit Getränken und oft auch hausgemachten Leckereien.

Warum sich ein Besuch lohnt

Was bleibt nach einem Tag im Jardin Botanique de Vauville?

Eine neue Perspektive auf Pflanzen, auf die Kraft des Golfstroms – und auf das, was möglich ist, wenn Menschen sich mit Leidenschaft einem Traum widmen.

Denn dieser Garten ist mehr als ein Ort – er ist ein Gefühl. Ein lebendiges Beispiel dafür, dass selbst im rauen Norden Frankreichs ein Stück Tropenheimat gedeihen kann. Und mal ehrlich: Wer kann schon behaupten, zwischen Palmen und Eukalyptus auf einem alten normannischen Landstrich spaziert zu sein?

Ein kleiner Geheimtipp also – aber was für einer!

Ein Reisebericht von V.O.Yager