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Nachrichten.fr · November 3, 2025

Herbstgeflüster in den Vogesen

Wenn der Wald zu flüstern beginnt und die Blätter in Flammen stehen – dann ist die Zeit gekommen, die Vogesen im Herbst zu entdecken.

Manchmal reicht ein einziger Spaziergang, um sich in eine ganze Region zu verlieben. Die Vogesen, dieses sanft geschwungene Mittelgebirge im Nordosten Frankreichs, haben im Herbst etwas Magisches – und das nicht nur wegen der Farben. Es ist, als würde die Natur ein letztes großes Feuerwerk abbrennen, bevor die winterliche Ruhe einkehrt.

Die Temperaturen sind mild, die Wege weniger überlaufen, und in der Luft liegt dieser typische Duft aus feuchtem Laub, Pilzen und Tannenharz. Perfekt für alle, die dem Trubel entfliehen und einfach mal durchatmen wollen.

Herbst in den Vogesen? Ganz klar – das ist kein Kompromiss zwischen Sommer und Winter, sondern eine eigene Jahreszeit mit Charakter und Charme.

Sehenswerte Orte und Routen

Ob zu Fuß, mit dem Rad oder im Auto – die Vogesen lassen sich auf vielfältige Weise entdecken. Wer’s ruhig angehen will, beginnt mit einer kleinen Rundtour zu den schönsten Orten.

Startpunkt: Le Hohneck
Der dritthöchste Gipfel der Vogesen liegt auf knapp 1.364 Metern und bietet einen grandiosen Panoramablick. Von hier oben zeigt sich das herbstliche Farbspektakel in seiner ganzen Pracht – gelbe Lärchen, rötlich gefärbte Buchen und dunkle Tannen bilden eine Landschaft wie gemalt.

Ein gut ausgebauter Weg führt hinunter zum Col de la Schlucht. Hier wird’s etwas lebhafter, denn der Pass ist ein beliebter Aussichtspunkt – und bei klarer Sicht reicht der Blick bis in die Rheinebene.

Weiter geht’s zum Lac de Lispach, ein Moorsee, eingebettet in ein kleines Tal bei La Bresse. Der Rundweg um den See ist angenehm flach und auch mit Kindern wunderbar zu bewältigen. Und was sammelt sich da unter den Füßen? Richtig – bunte Blätter, Kastanien und manchmal ein paar wilde Maronen.

Von hier führt ein kleiner Abstecher zum Ballon d’Alsace – der „Elsässer Ballon“ wirkt im Herbst wie aus einem alten Märchenbuch. Stille, klare Luft, manchmal nebelverhangen – genau der richtige Ort für ein bisschen innere Einkehr.

Den Abschluss der Route bildet der Grand Ballon, der höchste Punkt der Vogesen. Hier oben wird’s gern mal frisch, aber das Schauspiel der untergehenden Sonne über dem Laubmeer entschädigt für kalte Finger.

Kulturelle Highlights

Doch wer denkt, dass die Vogesen im Herbst nur aus Wanderschuhen und Aussicht bestehen, irrt gewaltig. In den kleinen Tälern, auf einsamen Höfen und in den stillen Dörfern lebt eine tiefe, fast archaische Kultur.

Ein besonderes Erlebnis: Herbstliche Klangwanderungen. In einigen Regionen nehmen Künstler die Geräusche der Natur auf – das Plätschern einer Quelle, das Rascheln der Blätter, das entfernte Klopfen eines Spechtes. Daraus entstehen Tonlandschaften, die später in kleinen Konzerten oder Ausstellungen zu hören sind.

Und dann sind da noch die Feste – nicht laut und überbordend, sondern bodenständig, warmherzig. Zum Beispiel die Erntefeste, bei denen lokale Produkte gefeiert werden: Kürbisse, Nüsse, Äpfel, frisch gepresster Apfelsaft und natürlich – der neue Wein.

Wer durch ein Dorf wie Munster oder Gérardmer schlendert, entdeckt in kleinen Ateliers Holzschnitzer, Glasbläser oder Seifenmacher, die ihr Handwerk oft seit Generationen pflegen. Und auch hier spiegelt sich der Herbst – in Form, Farbe, Duft.

Kulinarische Highlights

Jetzt wird’s lecker! Die herbstliche Küche der Vogesen ist deftig, saisonal und voller Seele.

Ein echter Klassiker: Wildschweinragout mit Preiselbeeren. Dazu ein Glas Pinot Noir aus dem benachbarten Elsass – und der Abend ist gerettet.

Oder wie wär’s mit einer Maronensuppe? Einfach, ehrlich, nahrhaft. Wer es deftiger mag, greift zur „Tourte Vosgienne“, einem herzhaften Fleischkuchen, der in fast jedem Gasthaus auf der Karte steht.

Natürlich darf auch der Käse nicht fehlen – Munster ist dabei nur die bekannteste Sorte. Viele kleine Käsereien bieten regionale Spezialitäten an, oft direkt vom Hof. Dazu frisches Landbrot, ein paar Trauben – und schon ist das Picknick perfekt.

Ein echter Geheimtipp: In den Hochlagen gibt’s im Herbst oft improvisierte Apfel- oder Birnenernten, bei denen Besucher mithelfen dürfen. Der Lohn? Frischer Most – manchmal mit einem kleinen Schuss.

Empfehlungen für eine herbstliche Auszeit

Die Vogesen im Herbst sind kein Ziel für Hektiker. Wer kommt, sollte Zeit mitbringen – und Lust auf Langsamkeit.

Unterkünfte reichen vom einfachen Berghotel über gemütliche Chambres d’hôtes bis zu einsamen Hütten mitten im Wald. Ideal für ein Wochenende voller Ruhe, Bücher, Spaziergänge und gutem Essen.

Am besten erkundet man die Region mit dem Auto oder Rad, je nach Kondition. Wer wandert, sollte gutes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung einpacken – denn das Wetter kann schnell umschlagen.

Und was, wenn’s doch mal regnet? Dann rein in die Stube, raus mit dem Spiel, ein Glas Wein dazu – oder einfach aufs Sofa und dem Wind lauschen.

Wer jetzt denkt: „Das klingt nach genau dem, was ich brauche“ – liegt goldrichtig. Die Vogesen sind im Herbst wie ein gutes Buch: man schlägt es auf, und sofort ist man mittendrin.

Ein Reisebericht von V.O.Yager