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Nachrichten.fr · October 19, 2025

Herbstsonne in Menton: Warum der Oktober hier wie ein zweiter Sommer wirkt

Während anderswo der Herbst schon mit grauen Wolken und ersten Regenschauern um die Ecke kommt, badet Menton – dieses charmante Küstenstädtchen an der französisch-italienischen Grenze – noch in goldenem Licht. Im Oktober wirkt die Stadt wie ein ruhiger Rückzugsort, der mit warmem Wetter, leeren Stränden und entspannten Preisen lockt. Die Menschen flanieren durch die Altstadt, Eisgeschäfte haben Hochsaison, und auf den Caféterrassen hört man Sprachen aus ganz Europa.

Ob man hierher kommt, um die letzten Sonnenstrahlen des Jahres einzufangen oder einfach dem hektischen Alltag zu entfliehen – Menton zeigt im Herbst seine schönste Seite. Und wer denkt, ab Mitte Oktober sei in Südfrankreich nichts mehr los, wird hier schnell eines Besseren belehrt.

Altstadt-Flair und mediterraner Charme

Schon beim ersten Spaziergang durch die Altstadt merkt man: Hier spielt das Leben noch draußen. Die Gassen sind schmal, die Hauswände in Orange, Gelb und Rosa getaucht – fast so, als hätte ein Maler seine Palette über der Stadt ausgeleert. Auf dem Weg zur Basilika Saint-Michel-Archange führt ein steiler Aufstieg über Kopfsteinpflaster, begleitet von atemberaubenden Blicken aufs Meer.

Oben angekommen, wartet ein barocker Kirchenbau aus dem 17. Jahrhundert, der wie ein stiller Wächter über Menton thront. Der Blick schweift von den Dächern der Stadt hinüber bis zur italienischen Riviera. Und obwohl das Bauwerk von außen prunkvoll wirkt, herrscht innen eine beruhigende Schlichtheit – perfekt, um ein paar Minuten innezuhalten.

Die Riviera der ruhigen Töne

Von der Altstadt geht’s gemütlich weiter hinunter zum Strand – keine zehn Minuten zu Fuß. Die Plage des Sablettes liegt direkt vor der Altstadtkulisse und ist im Oktober angenehm leer. Ein paar Menschen liegen auf Handtüchern, andere lesen oder lassen einfach die Gedanken treiben. Das Wasser? Erstaunlich klar und oft noch angenehm warm.

Während im Sommer hier kaum ein Platz auf dem Sand zu finden ist, hast du im Herbst die freie Wahl. Der Wind ist mild, Möwen kreisen am Himmel – und ein Sprung ins Mittelmeer fühlt sich fast wie ein kleines Geschenk an.

Zwischen Zitrusbäumen und Belle Époque

Menton war schon immer ein Ort für Genießer – und für Menschen, die das Besondere suchen. Abseits der Strände zeigt die Stadt ihr historisches Gesicht: prachtvolle Belle-Époque-Villen, elegante Promenaden, Gärten mit subtropischen Pflanzen. Im 19. Jahrhundert zog es die europäische Aristokratie im Winter hierher – nicht nur wegen des Klimas, sondern auch wegen der Luft, der Ruhe, der Landschaft.

Die Gärten von Menton, besonders der Jardin du Val Rahmeh, sind im Oktober in Hochform. Bougainvilleen, Palmen, Zitronenbäume – ein Duftcocktail aus Süden und Exotik. Man spaziert vorbei an verwunschenen Wegen, kleinen Brunnen und Aussichtspunkten – und vergisst dabei fast die Zeit.

Und was wäre Menton ohne seine berühmten Zitronen? Die gelbe Frucht ist hier mehr als nur eine kulinarische Zutat – sie ist Teil der Identität. Auch wenn das große Zitronenfest erst im Februar stattfindet, spürt man ihr Erbe überall: in Limoncello-Flaschen, Marmeladen und in der feinen Küche.

Mentons Küchengeheimnisse

Apropos: Wer im Oktober nach Menton kommt, isst besser – und oft auch günstiger – als im Hochsommer. Viele Restaurants bleiben geöffnet und setzen auf saisonale, frische Produkte. Auf den Tellern landen fangfrischer Fisch, Gemüse aus dem Hinterland, Kräuter, Olivenöl – alles mit einem Hauch Italien. Kein Wunder, die Grenze ist ja nur ein Steinwurf entfernt.

Ein Abendessen auf einer Terrasse mit Blick aufs Meer, begleitet von einem Glas Rosé oder einem leichten Weißwein – das ist kein Luxus, sondern in Menton fast Alltag. Die Portionen sind großzügig, die Bedienungen entspannt, die Preise angenehm zurückhaltend.

Und für zwischendurch? Eine Kugel Eis vom örtlichen Artisan-Glacier, der auch im Oktober Hochkonjunktur hat. Oder ein Zitronenkuchen, der dich in Nullkommanichts in den Urlaub zurückkatapultiert – selbst wenn du schon wieder zu Hause bist.

Menton in der Nebensaison: Warum gerade jetzt?

Die meisten Touristen reisen im Sommer – klar. Doch die kluge Wahl trifft, wer den Oktober nutzt. Warum? Ganz einfach:

  • Weniger Trubel: Keine Warteschlangen, keine überfüllten Strände, keine Restaurant-Reservierungen Wochen im Voraus.
  • Milde Temperaturen: Tagsüber um die 20 Grad, abends ein leichter Pullover – perfekt für Stadtspaziergänge und Cafébesuche.
  • Günstigere Unterkünfte: Viele Hotels bieten bis zu 50 % günstigere Preise im Vergleich zur Hochsaison. Auch Flüge sind oft deutlich preiswerter.
  • Mehr Authentizität: Die Stadt gehört wieder mehr den Einheimischen. Man erlebt Menton so, wie es wirklich ist – freundlich, entspannt, offen.

Und ganz ehrlich: Wer braucht 35 Grad im Schatten, wenn 22 Grad mit Sonne im Gesicht einfach viel angenehmer sind?

Kleine Tipps für den perfekten Aufenthalt

  • Früh aufstehen lohnt sich. Morgens wirkt die Stadt besonders friedlich – und das Licht ist magisch.
  • Gutes Schuhwerk einpacken. Die Altstadt ist hügelig, Kopfsteinpflaster gibt’s reichlich.
  • Eine Kamera mitnehmen. Menton ist fotogen wie kaum ein anderer Ort an der Côte d’Azur.
  • Ein wenig Italienisch schadet nicht. Viele Begriffe und Speisekarten sind stark italienisch geprägt.
  • Nicht zu viel planen. Die Stadt entfaltet ihren Charme beim Schlendern und Verweilen.

Ein Herbst wie gemalt

Menton im Oktober ist wie eine Verlängerung des Sommers – aber ohne Hektik, ohne Hitze, ohne Lärm. Es ist eine Stadt, die einlädt zum Durchatmen, zum Genießen, zum Entdecken. Die Mischung aus mediterraner Leichtigkeit, historischer Tiefe und kulinarischer Vielfalt macht sie zu einem der schönsten Reiseziele in Frankreich – gerade dann, wenn viele schon wieder an den Winter denken.

Worauf wartest du also noch? Der Herbst ruft – und Menton antwortet mit Sonne, Farben und einem charmanten Lächeln.

Ein Reisebericht von V.O.Yager