Porquerolles. Schon der Name klingt wie ein Versprechen. Diese Insel vor der südfranzösischen Küste, eingebettet zwischen Himmel und Meer, gehört zur kleinen Inselgruppe der Îles d’Hyères. Gerade mal sieben Kilometer lang, zwei bis drei Kilometer breit – und doch ein ganzes Universum aus Licht, Farben und mediterranem Lebensgefühl.
Was viele nicht wissen: Die eigentliche Schönheit dieser Insel zeigt sich abseits der Hauptsaison. Wenn die Fähren weniger voll sind, die Zikaden leiser singen und der Duft der Pinien sich mit der frischen Brise vom Meer mischt, dann beginnt Porquerolles zu flüstern. Und wer ihr dann zuhört, erlebt etwas, das mit keinem Hochglanzkatalog zu beschreiben ist.
Die Wege zu den schönsten Ecken der Insel
Dorf und Hafen – der ruhige Auftakt
Sobald man mit dem Boot ankommt, spürt man es sofort: Hier ist der Rhythmus ein anderer. Kein Autoverkehr, keine Eile – nur das leise Klirren von Besteck in den Cafés, das Schlagen der Wellen und das Lachen aus kleinen Gruppen von Radfahrern.
Das Dorf von Porquerolles wirkt fast wie ein Filmset aus einer anderen Zeit. Weiße Häuser mit pastellfarbenen Fensterläden, ein paar schlichte Läden, eine charmante Kirche – und mittendrin eine Atmosphäre, als würde die Uhr hier langsamer ticken. Perfekt, um sich erstmal treiben zu lassen.
Plage d’Argent – silberweißes Versprechen
Vom Hafen aus geht’s nach Westen. Zu Fuß in etwa 20 Minuten, mit dem Rad schneller, aber hey – warum hetzen? Die Plage d’Argent empfängt Besucher mit feinem, hellem Sand und türkisfarbenem Wasser. Der Name ist kein Zufall: Bei tiefstehender Sonne scheint der Sand tatsächlich zu schimmern wie Silber.
Und im Herbst oder Frühling? Kaum jemand da. Der Wind spielt mit den Wellen, Möwen kreisen lautlos – und man kann stundenlang einfach nur dasitzen und schauen.
Fort Sainte-Agathe – Geschichte mit Aussicht
Zurück ins Zentrum der Insel, ein kurzer Anstieg bringt einen zum Fort Sainte-Agathe. Einst erbaut, um die Küste zu schützen, heute ein Ort für Geschichte und Panorama-Liebhaber. Der Blick reicht über die Dächer des Dorfes bis zur offenen See.
Gerade bei klarem Wetter fühlt man sich hier wie auf einem Aussichtspunkt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Und wenn die Sonne langsam untergeht, taucht sie alles in ein warmes, goldenes Licht – fast wie gemalt.
Plage Notre-Dame – Natur pur
Diese Bucht an der Nordostküste zählt zu den schönsten Stränden Frankreichs – kein Scherz. Und außerhalb der Saison gehört sie fast einem allein. Der Weg dorthin führt durch Pinienwälder, vorbei an Eukalyptusbäumen und Weinreben.
Kein Lärm, keine Souvenirshops. Nur das Rauschen des Meeres, das Knistern der Blätter unter den Füßen – und der Gedanke: Warum ist das hier nicht längst überlaufen?
Le Phare – das Ende der Welt?
Fast. Der Leuchtturm von Porquerolles im Süden ist zwar nicht zugänglich, aber der Weg dorthin lohnt sich trotzdem. Man wandert durch raue, fast wilde Natur, sieht Greifvögel kreisen und blickt von den Klippen tief hinunter auf die Brandung.
Und plötzlich steht man da – allein mit dem Wind, dem Licht und dem Gefühl, an einem ganz besonderen Ort angekommen zu sein.
Kultur zwischen Pinien und Oliven
Porquerolles ist kein Museum – aber die Geschichte ist allgegenwärtig. Die militärischen Bauten wie das Fort Sainte-Agathe oder das Fort de la Repentance erzählen von einer Zeit, als die Insel strategisch wichtig war. Heute erinnern sie eher an Festungen aus Märchen.
Spannend auch: Die Insel gehört heute zum Nationalpark Port-Cros, was ihren ursprünglichen Charakter bewahrt hat. Keine Neubauten, keine Hochhäuser, keine Hotelketten – dafür ein kluges Zusammenspiel aus Naturschutz und sanftem Tourismus.
Die Kunstszene ist klein, aber fein. Es gibt wechselnde Ausstellungen im Fort Sainte-Agathe oder in kleinen Galerien im Dorf – immer mit Bezug zur Natur oder zur mediterranen Kultur.
Kulinarische Highlights, die einfach gut tun
Was wäre Südfrankreich ohne gutes Essen? Auch wenn viele Restaurants in der Nebensaison verkürzte Öffnungszeiten haben, findet man immer ein offenes Plätzchen – mit Charme und Geschmack.
Im Hafenbereich kann man fangfrischen Fisch probieren – Dorade, Loup de Mer oder Bouillabaisse, je nach Tagesfang. Dazu ein Glas Wein von der Insel – ja, Porquerolles hat eigene Weingüter, und ihre Cuvées aus Rolle und Grenache sind überraschend fein.
Wer’s einfacher mag: Baguette, Käse und Oliven unter freiem Himmel, mit Blick auf das Meer. Reicht doch völlig, oder?
Tipps für die Nebensaison
Wetter: Im Frühjahr und Herbst mild – oft sonnig, aber mit frischem Wind. Eine leichte Jacke sollte im Rucksack nicht fehlen.
Anreise: Die Fähren ab La Tour Fondue verkehren ganzjährig, allerdings seltener. Wer spät zurück will, sollte den Fahrplan checken.
Übernachten: Einige Hotels und Pensionen haben auch in der Nebensaison geöffnet. Wer früh bucht, findet schöne Unterkünfte – oft günstiger als im Sommer.
Verleih: Fahrräder gibt’s im Dorf – selbst im November. Praktisch, um die Insel stressfrei zu erkunden.
Packliste: Sonnenbrille, Kamera, Wanderschuhe – und ein Notizbuch. Denn wer einmal auf Porquerolles war, will sich vieles merken.
Empfohlene Erlebnisse für ein langes Wochenende
Freitag: Ankunft am Nachmittag, erster Bummel durch das Dorf, Aperitif auf dem Dorfplatz.
Samstag: Rad- oder Wandertour zur Plage d’Argent, Picknick am Strand, nachmittags Fort Sainte-Agathe, abends ein Fischgericht im Restaurant.
Sonntag: Wanderung zur Plage Notre-Dame, Siesta unter Pinien, Café im Hafen, Rückfahrt mit der letzten Fähre.
Klingt verlockend? Ist es auch. Und zwar ohne Touristenrummel, ohne Parkplatzsuche, ohne Gedränge.
Wer Porquerolles außerhalb der Saison besucht…
…entdeckt nicht nur eine Insel, sondern eine Stimmung. Einen Zustand. Eine kleine Welt, in der Ruhe, Natur und Schönheit ganz selbstverständlich sind.
Will man da überhaupt wieder weg? Tja – gute Frage.
Ein Reisebericht von V.O.Yager