Auf 1.200 Metern Höhe liegt La Godivelle, ein verschlafenes Dorf im Département Puy-de-Dôme, das gerade einmal zwanzig Einwohner zählt. Klingt das nicht wie das perfekte Ziel, um dem Trubel der Großstadt zu entfliehen? Doch trotz der winzigen Bevölkerungszahl zieht dieses kleine Paradies jedes Jahr Zehntausende Besucher an – und das aus gutem Grund.
Zwischen zwei Seen und der Unendlichkeit der Natur
La Godivelle scheint wie aus der Zeit gefallen. Eingebettet zwischen zwei malerischen Seen, den Lac d’en Haut und den Lac d’en Bas, besticht der Ort mit rauen, unberührten Landschaften. Die Hochebene ist geprägt von kargen Weiden, auf denen die Aubrac-Rinder grasen – fast 600 Tiere zählt der junge Landwirt Fabien, der hier lebt und arbeitet. Stellt euch vor: Das Gebimmel der Kuhglocken ist oft das einzige Geräusch, das die Stille durchbricht.
Fabien teilt diese Ruhe mit seiner Partnerin Manon, die ursprünglich aus Saint-Flour, einer 6.000-Einwohner-Stadt im benachbarten Département Cantal, stammt. Für Manon war der Umzug nach La Godivelle 2020 ein Sprung ins kalte Wasser – und gleichzeitig ein Traum. „Ich habe keine Sekunde gezögert“, erzählt sie heute mit einem Lächeln. Wer könnte es ihr verdenken, bei einer Kulisse, die wie gemalt aussieht?
Wo selbst die Bürgermeisterin staunt
Ein weiteres Herzstück des Ortes ist seine engagierte Bürgermeisterin. Ursprünglich Lehrerin in der Region Paris, entschied sie sich 2013, La Godivelle zu ihrem Lebensmittelpunkt zu machen. Heute organisiert sie mit Leidenschaft geführte Touren durch das Dorf, die die Geschichte und Natur der Umgebung zum Leben erwecken. Mit einer kleinen Anekdote oder einem charmanten Lächeln hat sie schon so manchen Besucher für die Abgeschiedenheit begeistert.
Im Sommer scheint der Ort förmlich zu erwachen: Über 50.000 Touristen fanden allein in den warmen Monaten ihren Weg hierher. Viele kommen, um die Seen zu erkunden, die nicht nur von kristallklarem Wasser, sondern auch von einer einzigartigen Flora und Fauna geprägt sind.
Genuss und Tradition in einer Handvoll Häusern
Doch La Godivelle hat noch mehr zu bieten als Natur pur. Der kulinarische Höhepunkt des Besuchs ist zweifellos die Truffade, eine deftige Spezialität der Auvergne aus Kartoffeln, Speck und viel Käse. Das einzige Restaurant des Dorfes – gleichzeitig auch der letzte verbliebene Laden – serviert sie frisch und hausgemacht. Und ganz ehrlich: Gibt es etwas Besseres, als nach einer Wanderung durch die weiten Ebenen der Auvergne diese herzhafte Köstlichkeit zu genießen?
Tipps für euren Besuch
Wer La Godivelle besucht, sollte unbedingt eine Wanderung rund um die beiden Seen einplanen. Der Lac d’en Haut ist vulkanischen Ursprungs und beeindruckt mit einer fast mystischen Atmosphäre, während der Lac d’en Bas mit seiner üppigen Vegetation ein kleiner Kontrast ist. Packt also gutes Schuhwerk ein – die Wege sind leicht begehbar, aber die Höhenluft sorgt für ordentlich Appetit!
Ein weiteres Highlight: Im Sommer finden in der Umgebung regelmäßig Dorffeste statt, bei denen ihr nicht nur die lokale Kultur, sondern auch handgemachte Produkte der Region kennenlernen könnt. Und wer es etwas ruhiger mag, kann in einer der wenigen, aber gemütlichen Ferienunterkünfte die Abgeschiedenheit genießen.
Ein Ort, der bleibt
La Godivelle ist kein Ziel für jedermann. Doch gerade das macht seinen Reiz aus. Es ist ein Ort, an dem die Uhren langsamer ticken, an dem die Natur die Hauptrolle spielt und an dem die Menschen das Leben genießen, ohne es zu überstürzen. Seid ihr bereit, den Alltag hinter euch zu lassen und euch auf dieses kleine Abenteuer einzulassen?