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Nachrichten.fr · June 24, 2025

La Suzanne – Zeitreisende Dampflok in der Meuse

Manchmal reichen wenige Sekunden, um aus einem Ausflug eine kleine Reise durch die Zeit zu machen. Zum Beispiel dann, wenn man am winzigen Bahnhof von Bar-le-Duc steht und plötzlich das typische Schnaufen einer alten Dampflok hört. Die Luft riecht nach Kohle, der Boden vibriert leicht – und dann rollt sie ein: La Suzanne.

Seit Mai ist sie zurück auf den Schienen der Meuse und nimmt ihre Gäste mit auf eine Fahrt, die mehr ist als nur eine Bahnfahrt. Sie ist ein Fenster in eine Zeit, in der Dampf noch die Welt bewegte und ein paar Gleise über Leben und Tod entscheiden konnten.

Sehenswerte Strecke & Zwischenstationen

Die Fahrt beginnt in Bar-le-Duc – genauer gesagt im Stadtteil Fédération. Von hier startet La Suzanne auf ihre 8,4 Kilometer lange Rundreise nach Saint-Christophe und wieder zurück. Die Strecke ist nicht spektakulär im klassischen Sinne, aber genau das ist ihr Zauber: Sie erzählt ihre Geschichten leise.

Kaum losgefahren, schmiegt sich die Bahnlinie in eine kleine Schlucht – hier rauscht der Wind durch die Baumwipfel, und der Blick schweift über sanfte Hügel. Man passiert grüne Täler, in denen Kühe dösen, und überquert feuchte Niederungen, die unter dem Schutz von Natura 2000 stehen. Ein Paradies für Ornithologen – und alle, die einfach mal durchatmen wollen.

Die dichten Wälder von Massonge bilden das Herzstück der Strecke. Hier wirken die Gleise wie ein verwunschenes Band durch den Forst. Am Ziel in Saint-Christophe wartet eine kleine, aber beeindruckende Überraschung: Eine originalgetreue Nachbildung einer Militärbaracke aus dem Ersten Weltkrieg, komplett mit Schauspielern in Uniform. Was für ein Kontrast – Naturidylle trifft Kriegserinnerung.

Kulturelle Highlights

La Suzanne ist nicht einfach nur ein hübscher Nostalgie-Zug. Sie ist ein rollendes Denkmal. Gebaut wurde sie 1890 in den Werkstätten von Corpet-Louvet – einem der damaligen Schwergewichte der französischen Lokomotivwelt. Während der Schlacht um Verdun spielte sie eine tragende Rolle in der Versorgung der Front. Sie fuhr auf dem sogenannten Varinot-Trakt, der fast parallel zur legendären „Voie Sacrée“ verlief.

Fast hundert Jahre später fand man sie bei einem Schrotthändler – verrostet, vergessen, kaputt. Doch ein paar Eisenbahnverrückte dachten nicht ans Aufgeben. Mit über 50.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden holte man sie zurück ins Leben. Heute dampft sie mit Herz – ein technisches Meisterwerk, das dank Vereinsarbeit, Schweiß und Idealismus wieder lebt.

Wer sich ein wenig für Geschichte interessiert – oder einfach Herz für engagierte Projekte hat – wird an Bord von La Suzanne mehr als einmal Gänsehaut kriegen. Die Guides in historischen Kostümen lassen nicht nur Fakten sprechen, sondern erzählen Anekdoten, kleine Dramen und manchmal auch Skurrilitäten aus einer Zeit, in der alles anders war.

Kulinarische Highlights

Hunger auf der Fahrt? Kein Problem. Direkt an der Station Bar-le-Duc gibt’s eine charmante kleine „Buvette“ – ein Kiosk, der fast schon nostalgisch wirkt. Hier bekommt man keine Gourmetküche, aber ehrliche, regionale Snacks: würzige Tourte Lorraine, Ziegenkäse aus der Umgebung und dazu ein Gläschen Crémant – klingt nicht übel, oder?

Für Genießer mit Picknicklaune empfiehlt sich ein eigener Proviantkorb. In den Wäldern entlang der Strecke gibt es immer wieder schattige Plätze, wo ein belegtes Baguette plötzlich nach Luxus schmeckt. Die beste Begleitung? Vogelgezwitscher und das gelegentliche Zischen der Lok im Hintergrund.

Praktische Empfehlungen

Die Fahrt mit La Suzanne ist einfach zu organisieren – und jeden Sonntag möglich: Von Anfang Mai bis Anfang September.

Fahrzeiten:
Im Mai und Juni fährt die Lok sonntags um 15 Uhr ab.
Von Juli bis September gibt’s zwei Abfahrten: um 11 Uhr und um 15 Uhr.

Preise:
Erwachsene zahlen 13 Euro, Kinder (4–14 Jahre) 8 Euro.
Kleine Kinder fahren gratis, und für Familien gibt’s ein günstiges Paket für 35 Euro.

Reservierungen:
Online buchen oder direkt beim Tourismusbüro in Bar-le-Duc vorbeischauen.

Tipp am Rande:
Wer’s richtig genießen will, sollte 20 Minuten vorher da sein. Bequeme Kleidung – idealerweise aus Baumwolle – macht die Fahrt angenehmer, besonders an warmen Tagen. Hunde dürfen übrigens mit – solange sie an der Leine sind. Und wer Erinnerungen mitnehmen will: Eine kleine Boutique mit Eisenbahn-Souvenirs gibt’s auch.

Ein Reisebericht von V.O.Yager