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Nachrichten.fr · August 10, 2025

Leuchtturm der Könige – Der Phare de Cordouan und seine Magie

Es gibt Orte, die beeindrucken nicht nur mit ihrer Optik – sie erzählen Geschichten, die wie salzige Seeluft in die Nase steigen. Der Phare de Cordouan ist so einer. Wer ihn einmal sieht, vergisst ihn nicht mehr. Er steht wie ein Wächter am Eingang der Gironde, mitten zwischen Himmel und Meer, und trägt voller Stolz seinen Spitznamen: „Versailles der Meere“.

Und ehrlich gesagt: Der Name passt.


Überblick – ein Leuchtturm mit königlichem Glanz

Sein Bau begann 1584, mitten in einer Zeit politischer Spannungen und technischer Herausforderungen. Heinrich III. gab den Auftrag, Heinrich IV. vollendete ihn. Der Turm sollte nicht nur Seefahrern helfen, die gefährliche Mündung der Gironde zu meistern – er sollte auch den Ruhm Frankreichs verkünden.

1611 war das Werk vollbracht: ein Leuchtturm, der nicht nur funktional war, sondern auch königlich wirken sollte. Kein anderer Leuchtturm in Frankreich ist älter und gleichzeitig noch in Betrieb. Und kein anderer wird bis heute von Wärtern dauerhaft betreut – ein Beruf, der fast schon in die Raritätensammlung gehört.

2021 schließlich würdigte die UNESCO diese Meisterleistung mit dem Titel „Weltkulturerbe“. Damit ist Cordouan nicht nur ein technisches Bauwerk, sondern ein kulturelles Erbe von universeller Bedeutung.


Die Anreise – ein kleines Abenteuer auf dem Wasser

Mal ehrlich: Ein Monument, das man nur per Boot erreicht, hat schon von Haus aus etwas Geheimnisvolles. Die Fahrt beginnt meist in Le Verdon-sur-Mer oder Royan. Man steigt in ein kleines Passagierboot, das sich durch die oft kabbelige See arbeitet.

Der Motor schnurrt, Möwen ziehen neugierig ihre Kreise, und man spürt, wie sich das Land langsam entfernt. Nach einer Viertelstunde taucht am Horizont ein heller Strich auf – der Leuchtturm.

Je näher man kommt, desto mehr wird aus dem Punkt ein Turm. Erst sieht er klein und zerbrechlich aus, dann wächst er immer weiter, bis er wie ein stolzer Herrscher mitten im Meer steht.

Bei Ebbe kann man sogar ein Stück zu Fuß durch das Watt gehen, wenn man nah genug ans Riff kommt. Aber Vorsicht: Die Gezeiten hier sind tückisch. Wer den Rückweg verpasst, lernt das Meer von seiner ungemütlichen Seite kennen.


Die ersten Schritte hinein – eine Reise in die Vergangenheit

Die schweren Holztüren öffnen sich, und man tritt in eine große Eingangshalle mit kühlen Steinwänden. Der Boden glänzt vom Meerwasser, das Besucher in nassen Schuhen hereintragen.

Von hier führt eine breite Treppe in die ersten Stockwerke. Und jetzt mal ehrlich: Wer erwartet in einem Leuchtturm Marmor, kunstvolle Steinmetzarbeiten und eine Kapelle mit Glasfenstern?

Jede Etage erzählt ein anderes Kapitel:

  • Die Königshalle – hier spürt man den Pomp, den die Bauherren beabsichtigten.
  • Die Wärterquartiere – schlicht, funktional, aber mit Blick aufs endlose Wasser.
  • Die Kapelle – ein stiller Raum mit einem kleinen Altar, in dem Seeleute vielleicht um Schutz baten.

Architektur – eine Fusion von Kunst, Wissenschaft und Glauben

Der Phare de Cordouan ist 67,5 Meter hoch und wirkt wie ein Palast aus Stein. Seine runde Basis trotzt seit Jahrhunderten Wellen und Stürmen. Das Besondere: Er vereint drei Funktionen – nautisches Signal, königliche Repräsentation und religiöser Ort.

Der Architekt Louis de Foix, ein Schüler italienischer Baumeister, baute hier kein reines Technikprojekt. Er schuf ein Monument, das so viel über die Ambitionen Frankreichs im 16. und 17. Jahrhundert erzählt wie jedes Schloss an Land.

Wer oben ankommt, hat 301 Stufen hinter sich – und einen Blick, der alles wert ist. Bei klarem Wetter sieht man bis nach Royan, manchmal sogar weit über die Küstenlinie hinaus.


Kultur & Bedeutung – das Licht, das nie ausgeht

Ein Leuchtturm ist eigentlich ein pragmatisches Ding: Licht an, Schiff findet den Weg. Doch Cordouan ist mehr. Er war jahrhundertelang Symbol französischer Präsenz in dieser strategisch wichtigen Flussmündung.

Die Wärter – früher oft allein für Monate – entwickelten eine besondere Beziehung zum Turm. Einer von ihnen erzählte einmal, wie er in stürmischen Nächten das Geräusch der Wellen fast wie Musik empfand. „Manchmal“, sagte er, „glaubt man, der Turm atmet.“

Und tatsächlich: Wer hier eine Stunde sitzt, ohne zu reden, hört das Rauschen, das Pfeifen des Windes durch die Steine, das ferne Schlagen der Wellen.


Der Wettbewerb – Frankreichs Lieblingsdenkmal 2025

Dieses Jahr kämpft der Phare de Cordouan beim Wettbewerb „Monument préféré des Français“ um den Titel. Er tritt für die Region Nouvelle-Aquitaine an – kein leichtes Feld, wenn man bedenkt, dass Konkurrenten wie das märchenhafte Château de Chenonceau oder die beeindruckende Citadelle de Besançon mit im Rennen sind.

Doch vielleicht hat Cordouan einen Vorteil: Er ist nicht nur schön, er ist ein Abenteuer. Man muss sich den Weg zu ihm erarbeiten. Er ist nicht das Denkmal, an dem man beim Stadtbummel zufällig vorbeiläuft – man plant, fährt, schaukelt übers Wasser. Und wenn man ankommt, weiß man: Das war es wert.


Kulinarische Tipps nach dem Besuch

Nach einem halben Tag Wind, Sonne und Meer knurrt der Magen. Zum Glück ist Soulac-sur-Mer nur eine kurze Fahrt entfernt. Dort reihen sich kleine Lokale mit fangfrischem Fisch und Meeresfrüchten.

Mein Tipp: Austern aus der Gironde, dazu ein Glas Muscadet oder ein kühler Weißwein aus Bordeaux. Wer eher Süßes mag, sollte eine „cannelé bordelais“ probieren – ein kleines Küchlein mit karamellisierter Kruste und weichem Inneren.


Eine kleine Anekdote zum Schluss

Als ich den Phare de Cordouan besuchte, traf ich einen älteren Wärter, der gerade das Messing der Lampen polierte. Ich fragte ihn, ob er hier jemals Angst gehabt habe. Er lächelte und meinte: „Angst? Nein. Respekt – immer.“

Dann erzählte er, wie er einmal bei einem Sturm drei Tage lang von der Welt abgeschnitten war. Kein Funkkontakt, kein Boot, nur er, der Turm und die See. „Und wissen Sie was?“, fügte er hinzu, „Das war einer der schönsten Momente meines Lebens. Da habe ich begriffen, dass dieser Turm mehr ist als nur Arbeit – er ist ein Freund.“


Empfehlung

Wer Frankreichs Atlantikküste bereist, sollte Cordouan nicht nur sehen, sondern erleben. Plant einen halben Tag ein, informiert euch über die Gezeiten, und nehmt euch Zeit für den Aufstieg.

Denn was ist schöner – eine Sehenswürdigkeit zu besichtigen oder sie zu erobern?

Ein Reisebericht von V.O.Yager