Wer hätte gedacht, dass ein kleines Dorf wie Monchy-le-Preux so viel Herz zeigen kann?
Monchy-le-Preux liegt unauffällig im Pas-de-Calais, doch am Wochenende des 20. und 21. Juni 2025 zeigte sich dieser Ort von seiner lebendigsten Seite. Die jährliche Feier „Village Patrimoine en Scène“ – inzwischen fest im Kalender der Region verankert – lockte Einheimische und Besucher mit Kultur, Landwirtschaft, Traditionen und unvergesslichen Momenten unter freiem Himmel.
Aber was macht dieses Fest so besonders?
Vielleicht die Mischung aus herzlicher Dorfgemeinschaft, lebendiger Geschichte und dem Duft von frisch gegrilltem Fleisch, der durch die Gassen zieht.
Sehenswerte Stationen und Wege durch das Dorf
Startpunkt: Das Stadion von Monchy-le-Preux
Am Freitagabend füllte sich das Stadion ab 20 Uhr mit langen Tafeln, prall gefüllten Grills und lachenden Gesichtern. Der Weg dorthin führt vorbei an typischen Backsteinhäusern mit grauen Dächern – jedes Fenster dekoriert mit bunten Geranien. Wer vom nördlichen Dorfeingang herkommt, biegt hinter dem alten Waschhaus rechts ab und sieht schon von weitem die Lichterketten am Stadionrand blinken.
Feux de la Saint-Jean
Gegen 22:30 Uhr sammelten sich alle um das riesige Johannisfeuer. Der Duft von brennendem Holz mischte sich mit der kühlen Abendluft – eine Szene, wie sie seit Jahrhunderten an diesen Sommertagen das Dorf zusammenbringt. Hat man je einen Sternenhimmel gesehen, der von tanzenden Flammen umrahmt wird?
Ein paar Kinder rannten mit Wunderkerzen um das Feuer, während ältere Dorfbewohner Geschichten über frühere Feste erzählten. „Damals haben wir noch Strohpuppen verbrannt, um den Sommer zu begrüßen“, hörte man eine Frau sagen. Ihre Stimme schwang leise zwischen Melancholie und Stolz.
Circuit pédestre – Der Bauernhofrundgang
Am Samstagmorgen ging es nach einem schnellen Kaffee im kleinen Boulangerie-Café an der Hauptstraße direkt los. Ausgangspunkt war die Dorfkirche Saint-Martin, ein massives Gebäude aus hellem Stein, das still und erhaben neben dem Dorfplatz wacht.
Von dort führte der Rundgang etwa eine Stunde lang über Feldwege. Links weite Rübenfelder, rechts zarte Leinblüten in hellem Blau, dazwischen Summen, Zirpen, Blätterrauschen. Die Landwirte hielten an kleinen Stationen, erklärten den Teilnehmern die Unterschiede zwischen den Rübensorten und verrieten Tricks, wie man erkennt, ob Leinsamen reif sind. Ein älterer Bauer lachte: „Wenn du barfuß über das Feld läufst und es piekst, ist’s fertig!“ – Humor auf nordfranzösische Art.
Ausstellung im Festsaal
Der Weg endete an der Salle des Fêtes. Hier standen Schautafeln und Glasvitrinen bereit, um den Gästen die Geschichte der Landwirtschaft zu erklären – von der Flachsverarbeitung bis zur Zuckerrübe. In einer Ecke lief ein Video mit Bildern alter Mähdrescher und verschwitzter Landarbeiter, die ihre Hüte vor der Kamera zogen. Ein kleines Mädchen schaute staunend zu und fragte ihre Mutter: „War Opa damals auch schon da?“ – Geschichte wird hier lebendig.
Rathaus und Kriegerdenkmal
Wer nach dem Rundgang noch Energie hatte, bog rechts zum Rathaus ab. Direkt davor erhebt sich das Kriegerdenkmal, das an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs erinnert. Monchy-le-Preux war 1917 Schauplatz schwerer Kämpfe an der Arras-Front. Heute flattern kleine Trikolore-Fähnchen am Sockel – stille Mahnung und Dorfstolz zugleich.
Kulturelle Highlights
Dieses Fest ist mehr als Grillen und Bauernhofkunde.
Es ist ein Bekenntnis der Dorfgemeinschaft zu ihrem Kulturerbe. Zwischen Musik, traditionellen Tänzen, Geschichten der Älteren und dem Lachen der Kinder entstehen Momente, die Generationen verbinden.
Und mal ehrlich – wann erlebt man heute noch so ein echtes, unverstelltes Miteinander?
Kulinarische Highlights
Am Grill brutzelten dicke Saucisses, marinierte Rindfleischstücke und knuspriges Hähnchen. Dazu gab’s Baguette, gesalzene Butter und ein Glas Côteaux du Pas-de-Calais für die Erwachsenen. Ganz Mutige probierten „Potjevleesch“, einen kalten Fleischsülztopf, der typisch für die Region ist. Wer Süßes bevorzugte, griff zu Waffeln mit Cassonade-Zucker oder Vanilleeis aus der Dorfmolkerei.
Die Mahlzeiten hier schmecken nach Heimat, nach langen Sommertagen und nach Erinnerungen, die bleiben.
Meine Empfehlungen für deinen Besuch
– Komm unbedingt an dem Freitagabend im Juni, dem Auftakt der Fête de la Saint-Jean, zum Barbecue und erlebe das Johannisfeuer – so lernst du die Dorfbewohner auf die herzlichste Weise kennen.
– Mach am Samstagmorgen den Circuit pédestre mit und stell viele Fragen – die Landwirte plaudern gern und erzählen kleine Geheimnisse ihres Handwerks.
– Verpasse nicht die Ausstellung in der Salle des Fêtes, um den kulturellen und historischen Hintergrund der Landwirtschaft der Region zu verstehen.
– Besuche das Kriegerdenkmal und wirf einen Blick in die Kirche Saint-Martin – stille Orte mit viel Geschichte.
– Lass dich treiben. Setz dich auf eine Bank, schau den Kindern zu, riech die Grillkohlen und genieß einfach, wie friedlich das Leben hier ist.
Denn manchmal liegt der Zauber des Reisens nicht in fernen Ländern, sondern in der Tiefe kleiner Dörfer, die ihr Herz weit öffnen.
Ein Reisebericht von V.O.Yager