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Nachrichten.fr · February 20, 2025

Montpellier – Karneval mit südfranzösischem Rhythmus

Wo Geschichte auf ausgelassenes Feiern trifft

Südfrankreich ist bekannt für Sonne, mediterranes Flair und exzellente Weine. Doch einmal im Jahr wird Montpellier zur Hochburg des Karnevals. Hier, wo die Altstadt mit ihren engen Gassen auf moderne Plätze trifft, erlebt man ein farbenfrohes Spektakel, das Tradition und Lebensfreude verbindet. Doch woher kommt dieser Karneval eigentlich?

Ursprung und Entwicklung des Karnevals in Montpellier

Karneval in Montpellier? Nicht unbedingt das Erste, woran man bei Frankreichs berühmten Festen denkt. Doch tatsächlich reichen die Wurzeln bis ins Mittelalter zurück.

Schon im 14. Jahrhundert feierte man hier den „Fête des Fous“ – das Narrenfest. Eine Zeit, in der Hierarchien auf den Kopf gestellt wurden: Diener wurden zu Herren, Geistliche zu Spaßmachern, und die Straßen gehörten den Maskierten. Besonders die Studenten der 1289 gegründeten Universität trugen zum wilden Treiben bei. Später verwandelte sich das Fest in einen farbenfrohen Karneval mit Elementen aus Italien, Spanien und Frankreich – ein echter kultureller Schmelztiegel also.

Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich das Fest, doch die Idee blieb: Für einige Tage steht Montpellier Kopf, die Musik spielt auf den Straßen, und die Einwohner zeigen ihre kreativsten Kostüme.

Einzigartige Bräuche und Traditionen

Jede Stadt hat ihre Eigenheiten – und das gilt auch für den Karneval in Montpellier. Hier vermischt sich französische Lebensart mit einem Hauch mediterraner Leichtigkeit.

Besonders auffällig ist die enge Verbindung zum spanischen Karneval: Tänze, Rhythmen und sogar einige Kostümstile erinnern an die Feierlichkeiten in Barcelona oder Valencia. Doch es gibt auch typische Traditionen, die man so nur in Montpellier findet.

Ein Höhepunkt ist die Wahl des „Roi Carnaval“ (Karnevalskönigs). Dieser wird zu Beginn des Festes ernannt und symbolisch mit einem riesigen, bunten Kostüm ausgestattet. Am Ende des Karnevals wird die Figur – eine überdimensionale Puppe – feierlich verbrannt, um symbolisch die Sünden und Sorgen des vergangenen Jahres zu vertreiben.

Und dann gibt es noch die berühmten „Mascarades“ – große Maskenbälle, bei denen die Teilnehmer anonym bleiben und die verrücktesten Identitäten annehmen können. Eine perfekte Gelegenheit, um für eine Nacht in eine völlig neue Rolle zu schlüpfen!

Die besten Veranstaltungen und Paraden

Wenn Montpellier feiert, dann richtig. Und es gibt einige Events, die man nicht verpassen sollte.

1. Die große Eröffnungsparade
Jedes Jahr startet der Karneval mit einer farbenfrohen Prozession durch die Altstadt. Riesige Figuren, schillernde Kostüme und laute Musik verwandeln die Straßen in eine einzige Bühne. Hier trifft traditionelle französische Blasmusik auf moderne Elektro-Beats – eine Mischung, die zum Tanzen einlädt.

2. Die Kinderparade am Place de la Comédie
Die kleinen Karnevalisten kommen besonders auf ihre Kosten. Verkleidet als Feen, Piraten oder Superhelden ziehen sie durch das Herz der Stadt und sorgen für eine wunderbar familiäre Atmosphäre.

3. Nacht der Masken in der Rue de l’Université
Wer es geheimnisvoll mag, sollte sich diesen Ball nicht entgehen lassen. In den historischen Gebäuden rund um die Universität treffen sich Verkleidete zu einem Maskenfest, das fast ein wenig an die venezianische Tradition erinnert – nur mit einer ordentlichen Portion südfranzösischer Leichtigkeit.

4. Das große Finale – die Verbrennung des „Roi Carnaval“
Zum Abschluss versammelt sich die Menge auf dem Place Royale du Peyrou, um das Ende des Karnevals zu feiern. Mit viel Musik, Feuertänzen und einer spektakulären Inszenierung verabschiedet man den Karnevalskönig – bis zum nächsten Jahr!

Kulinarische Highlights – Ein Fest für den Gaumen

Was wäre ein Fest ohne gutes Essen? Genau – nur halb so schön. Und Montpellier hat so einiges zu bieten, was Genießerherzen höher schlagen lässt.

1. Les Oreillettes
Diese knusprigen, in Öl gebackenen Teigstücke sind der Klassiker zur Karnevalszeit. Bestäubt mit Puderzucker schmecken sie ein bisschen wie eine Mischung aus Krapfen und Churros – nur eben typisch südfranzösisch.

2. La Tielle Sétoise
Diese pikante Fischpastete stammt eigentlich aus dem nahegelegenen Sète, hat sich aber längst auch in Montpellier als beliebter Snack durchgesetzt. Mit würziger Tomaten-Meeresfrüchte-Füllung genau das Richtige für alle, die etwas Herzhaftes brauchen.

3. Vin de Muscat
Darf’s ein Gläschen sein? Die Region um Montpellier ist berühmt für ihren Muskatwein – süß, aromatisch und perfekt für die Karnevalszeit. Besonders beliebt: Der Vin de Muscat de Lunel, der hervorragend zu den süßen Oreillettes passt.

Praktische Reisetipps

Montpellier ist eine der schönsten Städte Südfrankreichs – und während des Karnevals ist sie noch lebendiger als sonst. Doch wann reist man am besten an, und wo schläft es sich gut?

Anreise
Die Stadt ist hervorragend angebunden. Vom Flughafen Montpellier-Méditerranée gibt es Direktflüge aus vielen europäischen Städten. Auch mit dem Zug ist die Anreise entspannt: Der TGV bringt Reisende in gut dreieinhalb Stunden von Paris direkt ins Herz der Stadt. Wer mit dem Auto kommt, kann auf Parkplätze außerhalb der Innenstadt ausweichen – während des Karnevals ist es hier nämlich richtig voll!

Unterkunft
Wer mitten im Geschehen wohnen möchte, findet in der Altstadt charmante Boutique-Hotels und gemütliche B&Bs. Wer es ruhiger mag, wählt eine Unterkunft in Antigone – einem modernen Viertel mit viel Platz und schnellen Tramverbindungen ins Zentrum.

Für Budget-Reisende gibt es Hostels und günstige Pensionen – aber Vorsicht: Während des Karnevals sind die besten Unterkünfte schnell ausgebucht. Früh buchen lohnt sich!

Montpellier im Karnevalsfieber – Ein Erlebnis für alle Sinne

Wer Karneval mal anders erleben möchte, sollte Montpellier auf die Liste setzen. Die Mischung aus mediterraner Gelassenheit, wilden Tänzen und jahrhundertealten Traditionen macht das Fest einzigartig.

Und ganz ehrlich: Wann hat man schon mal die Gelegenheit, in einer der schönsten Städte Südfrankreichs zu feiern, mit Einheimischen zu tanzen und sich von regionalen Leckerbissen verführen zu lassen?

Ein Reisebericht von V.O.Yager