Zurück

Nachrichten.fr · May 7, 2025

Morvans blaue Schätze: Die sechs Seen der Bourgogne entdecken

Wer denkt, die Bourgogne bestehe nur aus Weinreben, romanischen Kirchen und charmanten Dörfern, hat den Morvan noch nicht erlebt. Versteckt zwischen den sanften Hügeln dieser urigen Region liegen sechs künstliche Seen, die heute als Naturparadiese gelten – trotz (oder gerade wegen) ihrer technischen Herkunft. Vom Adrenalinkick auf dem Wasser bis zur stillen Morgenstimmung beim Angeln: Jeder See erzählt seine ganz eigene Geschichte. Und mal ehrlich: Wo sonst findet man Wildnis, Kultur und Wasserspaß so nah beieinander?


Lac des Settons – der Alleskönner

Mitten im Herzen des Morvan liegt der Lac des Settons – ein Klassiker. Er wurde Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt, um Holz über die Yonne nach Paris zu transportieren. Heute drehen sich hier keine Baumstämme mehr im Wasser, sondern Windsurfer, Paddler und E-Foil-Fans.

366 Hektar Wasserfläche, umgeben von grünen Wäldern – klingt idyllisch? Ist es auch. Der 14 Kilometer lange Rundweg ums Ufer zieht nicht nur Wanderer an, sondern auch Radfahrer und Naturfotografen. Besonders beliebt ist die „Plage du Midi“, die mit der Blauen Flagge für Sauberkeit und Umweltqualität ausgezeichnet wurde. Im Sommer sorgt dort ein Rettungsteam für sicheres Badevergnügen. Und wer lieber den Nervenkitzel sucht, kann sich auf Jet-Ski, Banana-Rides oder Elektro-Surfbretter schwingen.

Tipp: Bei Sonnenuntergang legt sich ein goldener Schimmer über den See, die Boote schaukeln sanft – und für einen Moment scheint die Zeit stillzustehen.


Lac de Pannecière – Ruhe in XXL

Größer geht’s kaum: Der Lac de Pannecière ist mit seinen 520 Hektar der Gigant unter den Morvan-Seen. Ursprünglich gebaut, um die Seine vor Hochwasser zu schützen, dient er heute eher der Seelenberuhigung.

Hier ist alles ein bisschen langsamer, ein bisschen weiter, ein bisschen tiefer. Der perfekte Ort für Angler, die in aller Ruhe auf Hecht und Zander hoffen, oder für Naturfreunde, die sich auf die Spuren von Fischadlern und Graureihern machen. Die sogenannte „Route des Crêtes“, eine 48 Kilometer lange Panoramastraße, führt über die Höhenzüge rund um den See. Ob mit dem Auto, dem Rad oder zu Fuß – der Blick aufs Wasser ist dabei ständiger Begleiter.

Und wenn du dich fragst: “Was macht diesen See so besonders?” – Dann hör einfach hin. Denn manchmal ist es gerade die Stille, die am lautesten spricht.


Lac de Chaumeçon – Wildwasser und Waldpfade

Der Lac de Chaumeçon versteckt sich ein wenig – und genau das macht seinen Reiz aus. Eingebettet in dichte Wälder, ist dieser See ein echter Abenteuerspielplatz. Besonders bei Wildwassersportlern beliebt, starten hier Touren für Rafting, Kajak und Kanufahrten in Richtung Cure, einem der klarsten Flüsse Frankreichs.

Wer lieber festen Boden unter den Füßen hat, wird sich über die Wanderwege freuen, die sich wie Adern durch die Landschaft ziehen. Die Uferlinie ist wild und ungezähmt – perfekte Bedingungen für Angler, die auf kapitale Hechte oder kampfstarke Karpfen hoffen.

Und ja, manchmal huscht ein Reh durchs Dickicht oder ein Eisvogel zieht seine Bahn über den See – Natur pur, ohne Filter.


Lac du Crescent – Filmkulisse trifft Naturidylle

An der Grenze zwischen Yonne und Nièvre liegt der Lac du Crescent – ein eher ruhiger Geselle unter den Morvan-Seen, aber mit einer spannenden Geschichte. Denn seine Ufer dienten schon mehrfach als Drehort für französische Filme. Kein Wunder: Die Landschaft wirkt fast wie gemalt.

Besonders Wanderfreunde kommen hier auf ihre Kosten. Die Wege führen durch dichte Wälder, vorbei an kleinen Wasserfällen und über alte Steinbrücken. Ein Ort für Entdecker und Träumer. Die Angler freut’s ebenfalls – der See ist fischreich, besonders Zander sind hier keine Seltenheit.

Ach, und wenn du hier auf einem Stein sitzt und in die Weite blickst, wirst du dich vielleicht fragen: “Warum habe ich diesen Ort nicht schon früher entdeckt?”


Lac de Saint-Agnan – Frankreichs kleiner Kanada-Moment

Man nennt ihn liebevoll das „kleine Kanada“ – und das nicht ohne Grund. Der Lac de Saint-Agnan erinnert mit seinen Nadelwäldern, der klaren Luft und den spiegelnden Wasserflächen tatsächlich ein wenig an die Weiten Nordamerikas.

Er ist kleiner als seine Geschwister, aber nicht weniger charmant. Segeln, Kanufahren, Angeln – all das lässt sich hier wunderbar mit einem Picknick am Ufer verbinden. Und wer gerne wandert, findet hier zahlreiche Wege, die sich durch märchenhafte Wälder schlängeln.

Baden ist erlaubt – aber auf eigene Gefahr. Dafür wird man mit einem fast privaten Naturerlebnis belohnt, besonders in den frühen Morgenstunden, wenn Nebel über dem Wasser hängt.


Lac de Chamboux – der Geheimtipp

Der jüngste der sechs Seen ist ein Ort der Stille. Keine Motorboote, kein Lärm – nur Natur und du. Der Lac de Chamboux ist wie gemacht für einen entspannten Nachmittag mit Familie oder einfach nur für sich selbst.

Ein 8 Kilometer langer Weg führt einmal rund ums Ufer – nicht zu kurz, nicht zu lang. Ideal für einen ausgedehnten Spaziergang mit kleinen Picknickpausen oder einer Meditation im Grünen. Die Fischerei ist hier ebenfalls beliebt – Brocken wie Karpfen oder Hecht lassen das Herz jedes Hobbyanglers höherschlagen.

Besonders schön: Wenn die Sonne langsam untergeht und die ersten Frösche zu quaken beginnen, fühlt man sich ein wenig wie in einem Naturfilm – nur eben mittendrin.


Mein Tipp: Kombinieren und entdecken

Jeder dieser Seen hat seinen eigenen Charakter – genau wie die Menschen, die ihnen begegnen. Wer die Region wirklich erleben will, sollte mehrere Tage einplanen und die Seen verbinden. Ob mit dem Fahrrad, dem Auto oder als Wanderreise – die Wege zwischen den Seen führen durch urige Dörfer, vorbei an Burgruinen, durch Kastanienwälder und entlang plätschernder Bäche.

Zwischendurch: Unbedingt einkehren! In der Bourgogne warten kleine Auberges mit hausgemachter Terrine, cremigem Epoisses-Käse oder einem Glas Pinot Noir auf dich. Die regionale Küche ist deftig, ehrlich – und einfach lecker.

Und für die Kulturfans? Die Städte Autun, Avallon oder Vézelay liegen nicht weit und bieten romanische Architektur, geschichtsträchtige Gassen und lebendige Märkte.


Manchmal braucht’s keinen Ozean, keine weiten Fernreisen oder Instagram-Hotspots. Manchmal reicht ein See im Morvan, ein wenig Zeit – und der Wunsch, einfach mal wieder durchzuatmen.

Ein Reisebericht von V.O.Yager