Inmitten der hügeligen Landschaft des Vaucluse, umgeben von Weinbergen, Lavendelfeldern und knorrigen Olivenbäumen, liegt Roussillon – eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Und nicht nur das: Laut Booking.com wurde es als gastfreundlichste Gemeinde des Landes ausgezeichnet.
Aber was macht diesen Ort so besonders? Ist es die einmalige Landschaft, die herzlichen Bewohner oder die einzigartige Geschichte des Ockerabbaus? Vielleicht ist es die Mischung aus allem – eine Kombination, die Besucher verzaubert und viele nie wieder loslässt.
Eine Liebe auf den ersten Blick
Die Pariser Innenarchitektin Isabelle Wolter ist das beste Beispiel dafür. Vor rund 30 Jahren war sie mit dem Auto unterwegs, verfuhr sich und landete eher zufällig in Roussillon. „Ich bin einfach unten im Dorf angekommen, habe angehalten und war sofort fasziniert – diese Farben, diese Ockerfelsen … Ich konnte nicht anders, als immer wieder zurückzukommen. Und dann bin ich einfach geblieben“, erzählt sie.
Eine Geschichte, die viele Besucher teilen. Wer einmal die verwinkelten Gassen mit ihren rot, orange und gelb leuchtenden Fassaden entlanggeschlendert ist, wer einmal den Sonnenuntergang über den ockerfarbenen Felsen erlebt hat, der versteht, warum Roussillon eine solch magische Anziehungskraft besitzt.
Das „Colorado“ der Provence
Die Landschaft rund um Roussillon ist ein Spektakel für die Sinne. Die Ockerfelsen, die den Ort berühmt gemacht haben, leuchten in unzähligen Schattierungen – von tiefem Rostrot über strahlendes Orange bis hin zu leuchtendem Goldgelb. Kein Wunder, dass dieser Ort oft als „provenzalisches Colorado“ bezeichnet wird.
Aber wie ist diese außergewöhnliche Landschaft eigentlich entstanden? Vor Millionen von Jahren war diese Region vom Meer bedeckt. Die Ablagerungen organischer Stoffe und Eisenoxide führten über die Jahrtausende zur Bildung der Ockerschichten. Später wurde der wertvolle Farbstoff hier abgebaut und in alle Welt exportiert – besonders in die Malerei- und Textilindustrie.
Heute erinnert vor allem der Sentier des Ocres, der Ockerpfad, an diese Geschichte. Diese Rundwanderung führt Besucher durch die spektakulären Schluchten und Klippen der Region. Wer den gut ausgeschilderten Weg entlanggeht, fühlt sich stellenweise, als sei er auf einem anderen Planeten gelandet. Die intensiven Farben, der Kontrast zum tiefblauen Himmel und die warmen Töne, die im Licht der Provence schimmern, sind schlicht atemberaubend.
Ein Dorf, das sich treu geblieben ist
Doch Roussillon ist mehr als nur eine Kulisse für beeindruckende Naturaufnahmen. Es ist ein lebendiges Dorf mit einer engen Gemeinschaft. Viele der hier lebenden Familien sind seit Generationen tief mit der Region verbunden.
Chrystelle Richaud, eine Keramikkünstlerin, bestätigt das. Ihre Familie lebt hier schon lange, und sie kann sich keinen besseren Ort vorstellen. „Viele Besucher sagen uns, dass sie sich sofort wohlfühlen, dass sie die besondere Atmosphäre spüren. Es ist, als ob Roussillon einen sanft umfängt“, erzählt sie mit einem Lächeln in ihrer kleinen Werkstatt.
Und genau dieses Gefühl spürt man überall: beim morgendlichen Café au Lait auf dem Dorfplatz, beim Plausch mit den Händlern auf dem Markt oder bei einem Glas Rosé in einer der kleinen Bars mit Blick auf die untergehende Sonne.
Kulinarische Highlights – ein Fest für den Gaumen
Apropos Genuss: Wer in Roussillon unterwegs ist, sollte unbedingt die provenzalische Küche kosten. Die Region ist bekannt für ihre einfachen, aber aromatischen Gerichte, die von den sonnenverwöhnten Zutaten der Provence leben.
In den kleinen Restaurants des Dorfes finden sich Klassiker wie Ratatouille, das geschmorte Gemüsegericht mit Zucchini, Auberginen und Paprika, oder Daube provençale, ein würziger Rinderschmortopf mit Kräutern und Rotwein. Wer es etwas leichter mag, probiert eine Salade Niçoise oder genießt einfach eine Auswahl lokaler Käsesorten mit frischem Baguette.
Und natürlich darf eines nicht fehlen: ein Glas des berühmten Roséweins aus der Region! Die Weingüter rund um Roussillon produzieren einige der besten Tropfen Südfrankreichs – fruchtig, leicht und perfekt für einen lauen Sommerabend.
Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?
Roussillon hat das ganze Jahr über seinen Charme. Die Touristensaison beginnt meist im Februar, wenn die ersten Wanderer und Naturfreunde die Gegend erkunden. Im Frühjahr und Sommer blühen Lavendelfelder in der Umgebung und tauchen die Landschaft in ein violettes Meer. Die warmen Monate sind perfekt für lange Abende in den gemütlichen Restaurants und Cafés.
Der Herbst bringt angenehmere Temperaturen und weniger Besucher – eine ideale Zeit für alle, die es etwas ruhiger mögen. Und auch im Winter hat Roussillon seinen Reiz: Dann kann man das Dorf fast für sich allein genießen und die Stille der Provence erleben.
Fazit? Nein – ein Versprechen!
Roussillon ist mehr als nur ein hübsches Postkartenmotiv. Es ist ein Ort voller Geschichten, Farben und Lebensfreude. Ein Dorf, das seine Besucher mit offenen Armen empfängt und sie oft nicht mehr loslässt.
Wer einmal hier war, wird verstehen, warum so viele Menschen – ob Reisende oder Einheimische – sagen: Hier fühle ich mich zuhause.
Ein Reisebericht von V.O.Yager