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Nachrichten.fr · July 26, 2025

Val d’Argent – Wo Silberadern, Waldeinsamkeit und Kulturfeuer aufeinandertreffen

Zwischen verwunschenen Wäldern, uralten Bergwerken und Dörfern mit Geschichten auf den Ziegeldächern versteckt sich ein echtes Juwel im Herzen des Elsass: das Val d’Argent. Diese kleine, aber geschichtsträchtige Talregion im Département Haut-Rhin besteht aus fünf Gemeinden – Sainte-Marie-aux-Mines, Sainte-Croix-aux-Mines, Lièpvre, Rombach-le-Franc und Aubure – und bietet mehr als nur eine Postkartenkulisse.

Was macht dieses Tal so besonders?

Eine ganze Menge. Aber vor allem: Es bringt zusammen, was oft getrennt nebeneinander lebt – Industriegeschichte, urwüchsige Natur und eine Kultur, die man schmecken, fühlen und hören kann.


Wo Silber aus dem Fels floss – Sainte-Marie-aux-Mines und das Erbe der Bergleute

Stell dir vor, du steigst hinab in dunkle Stollen, hörst das Tropfen des Wassers auf nacktem Gestein und siehst noch die Spuren derer, die hier über Jahrhunderte Silber förderten. Genau das erwartet Besucher im Parc Minier Tellure – einem Erlebniszentrum, das aus dem Vollen schöpft.

Sainte-Marie-aux-Mines, liebevoll als „Hauptstadt der Mineralogie“ bezeichnet, war einst ein echtes Zentrum des Silberbergbaus. Vom 16. bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde hier unter Tage geschuftet – in harter, schmutziger Arbeit, die ganze Generationen prägte. Der heutige Park bringt diese Geschichte eindrucksvoll zurück: interaktives Museum, 3D-Kino, unterirdische Via Ferrata – hier wird die Vergangenheit nicht erzählt, sondern durchlebt.

Gänsehaut inklusive.


Natur, die dich durchatmen lässt – Col des Bagenelles & Massif du Taennchel

Sobald du die Stollen verlässt, zieht dich die Landschaft in ihren Bann. Oben am Col des Bagenelles, rund 903 Meter über dem Alltag, breitet sich das Tal wie eine grüne Decke unter dir aus. Wanderer kommen hier voll auf ihre Kosten – und wer lieber mit Schneeschuhen durch den Wintersturm stapft, wird ebenso fündig.

Ein ganz anderer Ort ist das Massif du Taennchel. Geheimnisvoll, fast mystisch. Die Felsen dort – mit Namen wie „Rocher des Géants“ – erinnern an schlafende Riesen. Manche sagen, sie spüren dort eine besondere Energie. Wer weiß?

Manchmal genügt ein stiller Blick in die Ferne – und die Welt sortiert sich neu.


Zwischen Amish und Art déco – Kultur, die lebt

Die Kultur des Val d’Argent ist keine steife Museumsangelegenheit. Sie tanzt, sie riecht nach Holzofenbrot, sie erzählt Geschichten von Auswanderern und Industriellen.

Da ist zum Beispiel die Villa Burrus in Sainte-Croix-aux-Mines – ein Prachtstück aus der Zeit des Wohlstands. Heute dient sie als Ort für Ausstellungen und Konzerte, ein echter Hotspot für Kulturfreunde.

Noch spannender: Der kleine Ort Sainte-Croix-aux-Mines ist die Wiege des Amish-Glaubens. Der Reformator Jakob Ammann gründete hier im 17. Jahrhundert jene Bewegung, die später mit Schiff und Mut in die Neue Welt zog – und dort in Pennsylvania eine neue Heimat fand. Ein Ort mit Nachklang, nicht nur für Geschichtsnerds.


Draußen sein, abschalten, genießen – Aktivitäten für Herz und Beine

Du liebst es, dich draußen zu bewegen? Perfekt. Im Val d’Argent geht das in alle Richtungen.

Wandern? Klar. Das Wegenetz ist vorbildlich ausgeschildert und führt durch duftende Wälder, an plätschernden Bächen entlang und immer wieder zu Ausblicken, die kurz sprachlos machen. Ob einfache Familienrouten oder anspruchsvolle Bergpfade – Langeweile kommt nicht auf.

Radfahren? Oh ja. Auf der stillgelegten Bahntrasse zwischen Sélestat und Sainte-Marie-aux-Mines verläuft die Véloroute du Val d’Argent. Flach, sicher, und perfekt für entspannte Familienausflüge mit Picknickkorb und Wind im Gesicht.


Ein Bissen Elsass – und das Herz tanzt

Was wäre das Elsass ohne seine Küche?

Im Val d’Argent wird nicht gekleckert. In der Auberge du Sobach etwa gibt’s deftige Klassiker wie Baeckeoffe oder Munsterkäse mit Kümmel – serviert in einer urigen Stube mit Blick auf den Wald. Dazu ein Glas elsässischer Riesling – und plötzlich wird’s ganz still am Tisch.

Du magst es lieber süß? Kein Problem. In den lokalen Bäckereien gibt’s Streuselkuchen, Mirabellen-Tartes und den besten Kougelhopf, den du je probiert hast.

Na, läuft dir schon das Wasser im Mund zusammen?


Tipps für deinen Besuch – so holst du das Beste aus dem Val d’Argent

  1. Früh starten, tief eintauchen: Wer das Bergwerk besuchen will, sollte gleich morgens los. So bleibt genug Zeit für die Umgebung.
  2. Wanderschuhe einpacken: Die Wege sind gut, aber das Gelände kann rutschig werden – vor allem nach Regen.
  3. Kleiner Umweg, große Wirkung: Die Fahrt über den Col des Bagenelles lohnt sich – gerade im Herbst, wenn die Wälder bunt lodern.
  4. Zeit lassen: Dieses Tal lässt sich nicht im Vorbeigehen erleben. Wer hier nur einen halben Tag bleibt, verpasst das Beste.

Val d’Argent ist kein Ort, den man einfach „besichtigt“. Es ist ein Erlebnis, das dich ein Stück zurück in die Vergangenheit bringt – und gleichzeitig mit offenen Armen in der Gegenwart empfängt. Wer hier war, nimmt mehr mit als schöne Fotos. Nämlich: Ruhe, Staunen, Geschichten. Und ein kleines bisschen Stolz, diesen Ort entdeckt zu haben.

Ein Reisebericht von V.O.Yager