Hoch über Besançon, wo einst Weinreben die Hügel bedeckten und der Duft nach Trauben in der Luft lag, rückt ein fast vergessenes Kulturgut wieder in den Fokus: die Cabordes. Diese kleinen Steinhütten, Zeugen einer vergangenen Weinkultur, stehen heute sinnbildlich für die Rückbesinnung auf regionale Wurzeln – wortwörtlich Stein für Stein.
🏞️ Was sind Cabordes eigentlich?
Auf den ersten Blick wirken sie unscheinbar: kleine, runde Hütten aus grobem Kalkstein, ganz ohne Mörtel errichtet. Doch hinter diesen trockengemauerten Bauwerken steckt viel mehr. Früher dienten sie den Winzern als Schutz vor Regen und Sonne, als Werkzeuglager oder einfach als Ort zum Durchschnaufen zwischen zwei Reihen Rebstöcken.
Im 18. Jahrhundert zählte man in und um Besançon über 200 solcher Hütten – heute sind es nur noch wenige Dutzend. Und doch: Jede einzelne erzählt vom Alltag der Winzer, von Handwerk, Naturverbundenheit und regionaler Identität.
🌄 Wo du sie findest – und was dich erwartet
Ein Spaziergang durch die Hügel rund um Besançon führt dich direkt zu einigen der schönsten noch erhaltenen Cabordes. Besonders eindrucksvoll ist die Caborde de Montboucons – seit 1982 unter Denkmalschutz. Sie steht da wie ein stiller Wächter, mitten im Grünen, mit Blick auf die Stadt im Tal.
Weiter südlich, in Velotte und Chaudanne, stoßen Wanderer auf weitere Hütten. Auch sie sind restauriert und geschützt – und fügen sich heute wie selbstverständlich in das Landschaftsbild ein. Man kommt vorbei, bleibt stehen, staunt – und fragt sich vielleicht: Warum haben wir so lange nicht hingeschaut?
🤝 Ein Gemeinschaftsprojekt mit Herz
Damit die Cabordes nicht völlig verschwinden, braucht es Hände, die anpacken – und Herzen, die verstehen, was auf dem Spiel steht. Genau deshalb wurde im Mai 2024 die Initiative „Cabordes en héritage“ ins Leben gerufen. Ihr Ziel: alle Hütten kartieren, sichern und, wo möglich, wiederaufbauen.
Das Besondere daran? Jeder kann mitmachen. Ob jung oder alt, mit oder ohne Erfahrung – bei den offenen Baustellenprojekten zählt der Wille. Menschen schleppen Steine, bauen auf, lernen voneinander – und wachsen dabei zusammen.
Was dabei entsteht, ist weit mehr als nur ein Bauwerk. Es ist ein Gefühl von Verbundenheit. Mit der Natur. Mit der Geschichte. Und miteinander.
🥾 Wandern zu den Hütten – Schritt für Schritt durch die Geschichte
Los geht’s zum Beispiel am Rand von Besançon, Richtung Montboucons. Ein schmaler Weg schlängelt sich durch Sträucher, vorbei an alten Trockenmauern. Schon nach wenigen Minuten taucht die erste Hütte auf – fast, als hätte sie nur auf deinen Besuch gewartet.
Von dort aus geht’s weiter nach Velotte. Der Weg wird weiter, der Blick öffnet sich. Hier oben zeigt sich Besançon von seiner schönsten Seite – als wäre die Stadt ein Gemälde aus Licht und Stein.
Noch etwas höher, in Chaudanne, steht eine weitere Caborde. Der Aufstieg lohnt sich, denn das Panorama dort oben ist schlicht grandios. Und plötzlich wird einem klar: Diese Hütten sind nicht nur Relikte – sie sind Aussichtspunkte, Denkorte, kleine Museen unter freiem Himmel.
🏛️ Warum diese Hütten heute wichtiger sind denn je
Manchmal braucht es nur einen einzigen gut platzierten Stein, um etwas ins Rollen zu bringen. Die Restaurierung der Cabordes ist nicht bloß eine nostalgische Spielerei. Sie ist Teil eines größeren Ganzen – einer Rückbesinnung auf Handwerk, Nachhaltigkeit und regionale Kultur.
In Zeiten, in denen vieles schnelllebig und austauschbar erscheint, erinnern uns die Cabordes daran, wie wertvoll das Einfache sein kann. Sie sind Ausdruck eines Lebensstils, der im Einklang mit der Natur stand – und sie zeigen, wie mit Geduld, Wissen und Gemeinschaftsgeist etwas Dauerhaftes entsteht.
Und mal ehrlich – wann hast du zuletzt etwas mit eigenen Händen geschaffen, das Generationen überdauert?
🍷 Kulinarik und Kultur – Genuss mit Ausblick
Rund um Besançon lässt sich das Caborde-Erlebnis wunderbar mit regionalem Genuss verbinden. Ein Stück Comté, ein Glas Crémant du Jura und dazu eine Brotzeit auf einer alten Steinplatte neben der Hütte – mehr braucht’s nicht für einen perfekten Nachmittag.
Viele bringen sich Proviant mit, setzen sich in den Schatten der Hütte und lassen die Landschaft auf sich wirken. Andere kehren zurück in die Stadt, genießen dort in kleinen Lokalen rustikale Gerichte und hören den alten Winzergeschichten zu, die noch immer durch die Gassen wehen.
Die Verbindung von Natur, Kultur und Kulinarik ist hier so direkt spürbar wie selten – ganz ohne Kitsch.
🌱 Nachhaltigkeit zum Anfassen
Die Cabordes stehen auch für eine neue Form des nachhaltigen Tourismus. Keine Selfie-Hotspots, keine Souvenirshops. Stattdessen: gemeinschaftliches Engagement, Umweltbewusstsein und Respekt vor dem, was da ist.
Es geht um mehr als Steine. Es geht um Sinn. Um Verantwortung. Und darum, mit kleinen Schritten große Wirkung zu erzielen.
Wer einmal dabei war – sei es beim Wandern, beim Restaurieren oder einfach beim Schauen – spürt: Diese Hütten geben etwas zurück. Und sie zeigen, wie Zukunft aus Vergangenheit entstehen kann.
📌 Praktische Infos für deinen Besuch
- Beste Jahreszeit: Frühling und Herbst – angenehm kühl, bunte Farben, gute Fernsicht.
- Was du brauchst: Festes Schuhwerk, Wasser, Sonnenhut, vielleicht ein kleines Vesper.
- Wo es losgeht: Startpunkte in Montboucons, Velotte oder Chaudanne – erreichbar mit Bus oder Taxi von Besançon aus.
- Mitmachen erwünscht: Termine für Mitmachaktionen und Führungen findest du auf der Facebook-Seite von „Cabordes en héritage“.
- Extra-Tipp: Nimm dir Zeit – die Hütten erzählen ihre Geschichten nicht in Eile.
Und jetzt mal ehrlich:
Was bleibt mehr im Gedächtnis – ein Foto vom Eiffelturm oder ein Nachmittag, an dem du mit bloßen Händen ein Stück Geschichte mitgestaltet hast?
Ein Reisebericht von V.O.Yager