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Nachrichten.fr · March 4, 2025

Verstecktes Paradies: Ein Tag im Hinterland von St. Tropez

St. Tropez – ein Name, der nach Luxus, Jachten und Prominenten klingt. Doch kaum jemand ahnt, dass nur wenige Kilometer hinter der glamourösen Küste eine völlig andere Welt wartet: das ländliche Hinterland der Provence. Hier, zwischen sanften Hügeln, alten Dörfern und duftenden Lavendelfeldern, zeigt sich die Côte d’Azur von ihrer ursprünglichsten Seite.

Ein Tagesausflug in diese Region ist wie eine kleine Zeitreise – und genau das habe ich gemacht.


Morgendlicher Start in Grimaud – Mittelalterflair mit Panoramablick

Mein Abenteuer beginnt früh am Morgen in Grimaud, einem der schönsten Dörfer der Region. Das mittelalterliche Städtchen liegt auf einem Hügel und bietet eine fantastische Aussicht auf den Golf von St. Tropez. Enge, verwinkelte Gassen, mit Blumen geschmückte Steinhäuser und kleine Boutiquen lassen mich sofort in den typisch provenzalischen Charme eintauchen.

Der Höhepunkt? Die Ruinen des Château de Grimaud. Die Burg aus dem 11. Jahrhundert thront über dem Dorf und ist das perfekte Fotomotiv. Ein kurzer Aufstieg – nicht allzu anstrengend – belohnt mit einem grandiosen Blick auf das Umland.

Nach einem Bummel durch die Gassen gönne ich mir ein Croissant und einen Café au Lait in der kleinen Boulangerie du Château. Der Duft von frisch gebackenem Brot mischt sich mit dem Aroma von Lavendel – ein olfaktorischer Traumstart in den Tag!


Weiter nach La Garde-Freinet – ein Dorf mit Charakter

Von Grimaud geht es weiter nach La Garde-Freinet, nur etwa 15 Minuten Fahrt durch eine grüne, hügelige Landschaft. Dieses Dorf hat eine ganz andere Atmosphäre: rustikaler, weniger touristisch, fast ein wenig geheimnisvoll.

Hier gibt es kaum schicke Boutiquen, dafür aber eine authentische provenzalische Markthalle. Wer dienstags oder samstags hier ist, kann sich durch regionale Produkte probieren – Oliven, Honig, Lavendelöl und natürlich die berühmte “Fougasse”, ein würziges Fladenbrot.

Ein kleiner Spaziergang führt mich zur Fort Freinet, einer alten Burgruine oberhalb des Dorfes. Der Aufstieg dauert etwa 20 Minuten, aber oben angekommen habe ich das Gefühl, allein auf der Welt zu sein – nur der Wind, die Berge und der Blick bis zum Meer.


Mittagspause in Collobrières – das Herz der Kastanienregion

Mein Magen knurrt – Zeit für das nächste Ziel: Collobrières, etwa 30 Minuten westlich von La Garde-Freinet. Die Fahrt führt durch die dichten Wälder des Massif des Maures, einer der ursprünglichsten Landschaften der Provence.

Collobrières ist berühmt für eine Sache: Kastanien! Ich kehre in das gemütliche Restaurant La Farigoulette ein und bestelle eine Spezialität der Region – Schweinefilet mit Kastaniencreme und gebratenen Feigen. Dazu ein Glas Rosé aus den umliegenden Weinbergen – ein Gedicht.

Nach dem Essen schlendere ich durch die gepflasterten Gassen des Dorfes, vorbei an kleinen Cafés und Läden, die Maronenkonfitüre und Kastanienlikör verkaufen. Natürlich nehme ich eine Kostprobe mit!


Ein Hauch von Abtei-Romantik – Chartreuse de la Verne

Gut gestärkt geht es weiter zur Chartreuse de la Verne, einem ehemaligen Kartäuserkloster inmitten der wilden Natur des Massif des Maures. Die Fahrt dorthin ist ein Erlebnis für sich: eine kurvenreiche Straße durch dichte Kastanien- und Korkeichenwälder, ohne eine Menschenseele.

Dann taucht das Kloster auf – monumental, friedlich, wie aus einer anderen Zeit. Die Steingemäuer, die im 12. Jahrhundert errichtet wurden, sind umgeben von absoluter Stille. Ich verbringe eine Weile im Innenhof und lasse die Atmosphäre auf mich wirken.

Hier stelle ich mir eine Frage: Wie muss es gewesen sein, an diesem abgeschiedenen Ort als Mönch zu leben? Keine Ablenkung, kein Lärm – nur Gebet, Arbeit und die Natur.


Zum Abschluss: Weinprobe in den Hügeln von Cogolin

Langsam neigt sich der Tag dem Ende zu, doch ein Highlight fehlt noch – eine Weinprobe! Ich fahre nach Cogolin, wo sich einige der besten Weingüter der Region befinden.

Ich entscheide mich für das Château Saint-Maur, ein wunderschönes Anwesen mit endlosen Reben und einer eleganten Terrasse. Hier probiere ich verschiedene Roséweine, die für die Provence typisch sind – frisch, fruchtig und perfekt für einen Sommerabend.

Mit einem Glas Wein in der Hand blicke ich auf die sanften Hügel und lasse die Eindrücke des Tages Revue passieren.


Ein perfekter Tagesausflug ins Hinterland von St. Tropez

Was bleibt von diesem Tag? Die Erkenntnis, dass die Provence viel mehr ist als nur St. Tropez, Strandclubs und Jachten.

Hier, im Hinterland, zeigt sich die wahre Seele der Region – mittelalterliche Dörfer, verwunschene Klöster, kulinarische Schätze und eine Natur, die einem den Atem raubt (okay, fast).

Wer St. Tropez besucht, sollte unbedingt einen Abstecher ins Hinterland machen. Wer weiß – vielleicht entdeckt ihr hier sogar euer eigenes kleines Paradies.

Ein Reisebericht von V.O.Yager