Paris – 10.06.2026: Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Centre national du livre (CNL) belegt einen besorgniserregenden Rückgang der Lesegewohnheiten unter französischen Jugendlichen im Alter von 7 bis 19 Jahren. Die Untersuchung, die in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Ipsos BVA durchgeführt wurde, zeigt, dass die Zeit, die junge Menschen mit dem Lesen verbringen, im Vergleich zur intensiven Nutzung digitaler Medien drastisch abgenommen hat.
Laut der Studie widmen Jugendliche im Durchschnitt nur noch 18 Minuten pro Tag der Freizeitlektüre, während sie täglich mehr als drei Stunden vor Bildschirmen verbringen. Besonders ausgeprägt ist dieser Trend bei den 16- bis 19-Jährigen: Mehr als ein Drittel dieser Altersgruppe liest in ihrer Freizeit gar nicht mehr. Diese Entwicklung steht im Gegensatz zu den ohnehin vorhandenen Angeboten und Initiativen, die darauf abzielen, das Lesen zu fördern.
Auch geschlechtsspezifische Unterschiede zeigen sich deutlich: 86 % der Mädchen im Alter von 7 bis 12 Jahren lesen in ihrer Freizeit, während es bei gleichaltrigen Jungen nur 76 % sind. Mit zunehmendem Alter verstärkt sich diese Kluft, denn bei den 16- bis 19-Jährigen lesen noch 91 % der Mädchen regelmäßig, bei den Jungen allerdings nur 56 %.
Die bevorzugten Genres bei Jugendlichen sind Comics, Mangas und Romane. Trotz eines leichten Rückgangs in der allgemeinen Leseaktivität bleibt die Vielfalt der Leseinteressen eingeschränkt, was möglicherweise auf den Einfluss digitaler Medien und veränderte Freizeitgewohnheiten zurückzuführen ist.
Angesichts dieser alarmierenden Zahlen haben die französischen Ministerien für Kultur und Bildung im Jahr 2025 die "États généraux de la lecture pour la jeunesse" ins Leben gerufen. Diese Initiative soll Konzepte entwickeln, die den Zugang zu Büchern erleichtern und das Lesen bei jungen Menschen wieder attraktiver machen. Dazu gehören Programme in Schulen, Bibliotheken und kulturellen Einrichtungen sowie Aktionen zur Förderung einer positiven Leseatmosphäre.
Die Studie macht zudem deutlich, dass viele Jugendliche beim Lesen parallel digitale Medien nutzen, was sich negativ auf die Konzentration und die Qualität der Leseerfahrungen auswirken kann. Experten warnen, dass dies langfristige Folgen für das Sprachverständnis und die schulischen Leistungen haben könnte.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Förderung der Lesekompetenz in der französischen Gesellschaft an Bedeutung. Es bleibt entscheidend, die Balance zwischen digitalen Angeboten und traditionellen Leseformen zu finden, um das kulturelle Fundament zu stärken und die Jugendlichen zu motivieren, wieder mehr zu lesen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die eingeleiteten Maßnahmen diesen Trend aufhalten können.
Quellen
- Centre national du livre
- Ipsos BVA