Paris – 02.07.2026: Der Journalist Olivier Benkemoun hat nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen die SNCF erstattet, nachdem seine zwölfjährige Katze Gina am Montag an der Pariser Gare de Lyon von einem Zug tödlich erfasst worden sein soll. Benkemoun schilderte den Vorfall am Mittwoch auf X. Demnach sei das Tier am Bahnsteig aus einer Tasche entwischt und auf die Gleise geraten. Seine Frau und sein Sohn seien anwesend gewesen. Unabhängige Ermittlungsangaben liegen bislang nicht vor.
Die SNCF ließ über soziale Medien und in Medienberichten mitteilen, man sei betroffen und Mitarbeitende hätten versucht, das Tier zu retten. Gleichzeitig verweist der Konzern auf strikte Sicherheitsregeln an den Gleisen: Das Betreten des Gleisbereichs sei wegen Stromschienen und herannahender Züge lebensgefährlich; Eingriffe unterlägen klaren Protokollen, um weitere Risiken für Reisende und Personal zu vermeiden. Ob und welche Maßnahmen im konkreten Fall ausgelöst wurden, blieb zunächst unklar.
Tierschutzorganisationen reagierten rasch. Die Fondation 30 Millions d’Amis forderte Aufklärung und verwies auf frühere Streitfälle an Pariser Bahnhöfen. In Erinnerung ist besonders der Fall der Katze Neko an der Gare Montparnasse 2023, der juristische Debatten über Verantwortlichkeiten und Betriebssicherheit nach sich zog. Die nun angekündigte Anzeige könnte diese Fragen erneut aufwerfen: Welche Pflichten treffen Bahnunternehmen bei Tieren im Gleis, und wie sind sie mit der Sicherheit von Menschen und dem Schutz des Fahrbetriebs abzuwägen?
Rechtlich wird voraussichtlich zu prüfen sein, ob betriebliche Sorgfaltspflichten verletzt wurden oder ob das Vorgehen der Bahn den geltenden Sicherheitsvorschriften entsprach. Zuständig für erste Schritte ist die Staatsanwaltschaft; sie entscheidet, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird und welche Beweise – etwa Kameraaufnahmen, interne Protokolle oder Zeugenaussagen – herangezogen werden. Bis zu offiziellen Verlautbarungen gelten Angaben aus sozialen Medien als nicht verifiziert.
Der Vorfall löste in Netzwerken eine breite Resonanz aus. Für Reisende berührt der Fall Grundfragen des Bahnhofsalltags: Wie lassen sich schnelle Reaktionswege mit den Sicherheitsanforderungen stark frequentierter Knotenpunkte vereinbaren? Beobachter plädieren für transparente Abläufe bei Zwischenfällen mit Tieren, eindeutige Informationsketten zwischen Bahnsteig, Leitstelle und Lokführung sowie Hinweise für Fahrgäste zum sicheren Transport von Haustieren. Die SNCF verwies zuletzt allgemein darauf, dass Abläufe bei Vorfällen regelmäßig ausgewertet werden. Konkrete Ergebnisse zur Ereigniskette an der Gare de Lyon stehen noch aus.
Quellen
- franceinfo
- La Depeche
- Fondation 30 Millions d'Amis
- SNCF