Am 7. und 8. Juni 2025 unternimmt der französische Präsident Emmanuel Macron einen historischen Staatsbesuch in Monaco – den ersten eines französischen Staatsoberhaupts seit François Mitterrand im Jahr 1984. Offiziell steht die Zusammenarbeit im Umweltschutz und die gemeinsame Verpflichtung zur Erhaltung der Ozeane im Mittelpunkt. Doch die Reise findet inmitten wachsender internationaler Kritik an Monacos mangelndem Engagement im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung statt.
Umweltengagement als diplomatischer Schwerpunkt
Der Besuch Macrons in dem kleinen Mittelmeerfürstentum ist eng mit der bevorstehenden dritten Konferenz der Vereinten Nationen zum Schutz der Ozeane (Unoc3) in Nizza verbunden. Gemeinsam mit Fürst Albert II. wird Macron am Wochenende mehrere symbolträchtige Orte besuchen, darunter die Anlage „seaWergie“ im Stadtteil Larvotto, die Meeresenergie zur Beheizung und Kühlung von Gebäuden nutzt. Diese Initiative ist Teil von Monacos Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden. Ein Besuch im Ozeanographischen Museum und ein Forum zur „blauen Wirtschaft“ unterstreichen das gemeinsame Engagement beider Länder für den Schutz maritimer Ökosysteme.
Die Wahl Nizzas als Austragungsort der Unoc3 ist kein Zufall: Sie wurde in Absprache zwischen Macron und Fürst Albert getroffen, um auch Monacos Engagement auf internationaler Bühne hervorzuheben.
Finanzielle Transparenz unter internationalem Druck
Parallel zu den umweltpolitischen Themen steht Monaco jedoch unter erheblichem Druck hinsichtlich seiner Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Im Juni 2024 wurde das Fürstentum vom internationalen Finanzaktionsgremium (GAFI) auf die sogenannte „graue Liste“ gesetzt, was bedeutet, dass es unter verstärkter Beobachtung steht und Mängel in seinem Finanzsystem beheben muss. Trotz einiger Fortschritte, wie der Einrichtung einer neuen Finanzaufsichtsbehörde und der Einführung gezielter Finanzsanktionen, bleiben laut GAFI strukturelle Schwächen bestehen, insbesondere bei der Verfolgung von Finanzverbrechen und der Durchsetzung von Sanktionen.
Die Europäische Kommission hat kürzlich angekündigt, Monaco auf ihre Liste der „Drittländer mit hohem Risiko“ setzen zu wollen – eine Maßnahme, die das Fürstentum in eine Reihe mit Ländern wie Afghanistan, Nordkorea und Panama stellen würde. Obwohl diese Entscheidung noch der Zustimmung des Europäischen Parlaments bedarf, könnte sie erhebliche Auswirkungen auf Monacos Finanzsektor haben, einschließlich verstärkter Kontrollen und möglicher Einschränkungen im internationalen Zahlungsverkehr.
Monacos Reaktion und die diplomatische Herausforderung
Die monegassische Regierung weist die Vorwürfe entschieden zurück und betont, dass sie keine offizielle Benachrichtigung aus Brüssel erhalten habe. Finanzminister Pierre-André Chiappori bezeichnete die Berichte als „Fiktion“ und betonte die Fortschritte, die Monaco in Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen erzielt habe. Dennoch bleibt die Unsicherheit bestehen, insbesondere da die Aufnahme auf die EU-Liste eine automatische Folge der GAFI-Einstufung sein könnte.(monacomatin.mc)
Für Präsident Macron stellt der Besuch eine diplomatische Gratwanderung dar. Einerseits möchte er die engen historischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Monaco betonen, andererseits muss er den internationalen Erwartungen an Transparenz und Rechtsstaatlichkeit gerecht werden. Die Unterzeichnung eines neuen Abkommens zur verstärkten Zusammenarbeit im Zollwesen und bei der Bekämpfung von Finanzkriminalität während des Besuchs könnte ein Schritt in diese Richtung sein.
Macrons Besuch in Monaco unterstreicht die komplexe Balance zwischen diplomatischer Freundschaft und der Notwendigkeit, internationale Standards einzuhalten. Während die Umweltkooperation im Vordergrund steht, bleibt die Frage der finanziellen Transparenz ein zentrales Thema, das sowohl für Monaco als auch für die EU von großer Bedeutung ist.
Autor: P.T.