Ales – 21.07.2026: In der Nacht wurde es für Christophe Rivenq zu gefährlich. Der Bürgermeister von Ales im Departement Gard ist nach neuen Drohungen von Beamten der Polizeieinheit RAID aus seinem Wohnhaus gebracht worden. Vorausgegangen waren mehrere Tage wachsender Anspannung: An seinem Haus waren Drohungen angebracht worden, zudem erhielt der Kommunalpolitiker einen Brief mit zwei Patronen des Kalibers 9 Millimeter.
Die Botschaften trugen nach übereinstimmenden Medienberichten den Namen DZ Mafia. Ob die Drohungen tatsächlich von Mitgliedern dieser kriminellen Gruppierung stammen, müssen die Ermittlungen erst klären. Für Rivenq und seine Familie bedeutete die Lage dennoch einen unmittelbaren Einschnitt. Wenn Einschüchterung den privaten Raum eines gewählten Stadtoberhaupts erreicht, geht es nicht mehr allein um die Sicherheit eines einzelnen Menschen.
Ales kämpft seit Jahren gegen den Handel mit Drogen. Die Stadt liegt nicht im Zentrum von Marseille, dem ursprünglichen Aktionsraum der DZ Mafia, doch gerade diese Ausweitung macht den Behörden Sorgen. Gruppen, die sich unter einem bekannten Namen darstellen, können örtliche Helfer, Verkäufer oder gewaltbereite junge Täter nutzen, ohne dass alle Beteiligten einer festen Befehlskette folgen müssen.
Genau darin liegt eine der Schwierigkeiten für Polizei und Justiz. Die DZ Mafia gilt nach Erkenntnissen aus großen Ermittlungsverfahren nicht als klassische, streng hierarchische Mafia. Ihre Strukturen sind beweglich, ihre Kontakte reichen über Haftanstalten, digitale Kommunikation und wechselnde lokale Netzwerke. Werden mutmaßliche Führungspersonen festgenommen, kann das den Druck erhöhen, aber nicht zwangsläufig die Abläufe an den Verkaufsorten sofort beenden.
Wie umfangreich der Zugriff der Sicherheitsbehörden sein kann, zeigte im März die Operation Octopus. Mehr als 1.000 Gendarmen waren beteiligt; 43 Verdächtige wurden damals festgenommen. Die Ermittler nahmen dabei nicht nur Personen außerhalb von Gefängnissen in den Blick, sondern auch mutmaßliche Unterstützer und wichtige Akteure des Netzwerks. Solche Verfahren sind aufwendig, weil Geldflüsse, Kommunikation, Waffen und einzelne Gewalttaten gerichtsfest miteinander verknüpft werden müssen.
Der aktuelle Fall ist deshalb auch ein Angriff auf das kommunale Amt selbst. Politiker verschiedener Lager bekundeten Rivenq ihre Unterstützung. Die Ermittlungen zu den Drohungen laufen, mögliche Verantwortliche sind öffentlich bislang nicht benannt. Für Ales bleibt die sichtbare Polizeipräsenz wichtig. Langfristig wird entscheidend sein, ob es gelingt, nicht nur einzelne Verdächtige festzunehmen, sondern die wirtschaftlichen und personellen Grundlagen des Drogenhandels dauerhaft zu treffen.
Quellen
- Franceinfo
- Agence France-Presse
- Gendarmerie nationale
- Le Monde
- Ministere de l'Interieur