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Jean-Paul Huber · 05.06.2026

Manuel Bompard kritisiert zahlreiche Verfahrenseinstellungen bei Gewalt gegen Kinder

Illustration Nachrichten.fr

Paris – 05.06.2026: Der Abgeordnete der linken Partei La France insoumise (LFI), Manuel Bompard, hat die französische Justiz scharf kritisiert. Anlass ist der Fall der kleinen Lyhanna, deren Verschwinden für Aufsehen sorgt und auf schwere Mängel bei der Bearbeitung von Gewaltvorwürfen gegen Kinder hinweist. Bompard warnte, dass in den vergangenen acht Jahren mehr als 70 Prozent der Anzeigen wegen Gewalt an Kindern ohne strafrechtliche Konsequenzen eingestellt wurden. Diese hohe Rate zeuge von einem systemischen Problem in der Justiz, das dringend behoben werden müsse.

„Es ist absolut anormal, dass so viele Verfahren ohne weitere Verfolgung eingestellt werden“, betont Bompard. Er fordert daher umfassende administrative Untersuchungen, die die Defizite und Schwachstellen in der Fallbearbeitung aufdecken sollen. Nur so könne nachvollzogen werden, warum die Justiz in vielen Fällen nicht effektiv zum Schutz der Kinder einschreite.

Im Fall des Hauptverdächtigen im Verschwinden der kleinen Lyhanna zeigt sich laut Bompard exemplarisch, welche negativen Folgen diese Justizversäumnisse haben können. Der Abgeordnete aus den Bouches-du-Rhône fordert nicht nur eine gründliche Aufklärung, sondern auch politische Maßnahmen, die über formale Prüfungen hinausgehen. „Es braucht einen politischen Willen, um die bestehenden Missstände zu beheben und den Schutz von Kindern deutlich zu verbessern“, so Bompard.

Er spricht sich für eine Reform der Verfahren bei Vorwürfen von Kindesmisshandlung aus. Diese sollte eine bessere Prävention ermöglichen sowie schnellere und umfassendere Eingriffe bei Verdachtsmomenten sichern. Kinderschutzorganisationen und soziale Dienste kritisieren seit langem die häufigen Verfahrenseinstellungen und fordern verstärkte Kontrollen der Justizpraxis.

Der Fall Lyhanna habe die Dringlichkeit dieser Reformen erneut verdeutlicht. Bompard plädiert zudem für die Einrichtung unabhängiger Kontrollinstanzen, um die Qualität der Justizverfahren zu überwachen. Die Sicherheit von Minderjährigen müsse oberste Priorität haben und dürfe nicht hinter bürokratische Hürden zurückfallen.

Politischer Druck auf die Regierung nimmt zu, konkrete Schritte zur Verbesserung des Opferschutzes und zur Stärkung des Vertrauens in die Justiz vorzulegen. Der Fall Lyhanna könnte ein Wendepunkt sein, von dem wichtige Reformen im Umgang mit Gewalt gegen Kinder ausgehen.

Diese Kritik schließt an eine breite gesellschaftliche Debatte an, die nach Vorfällen ähnlicher Art eine stärkere Einbindung von Sozialdiensten, Polizei und Justiz fordert. Neben der gesetzlichen Reform wird auch eine bessere Schulung der Mitarbeiter im Umgang mit Kindesmisshandlungen als notwendig angesehen. Nur durch ein abgestimmtes und konsequentes Vorgehen könne der Schutz der Schwächsten in der Gesellschaft gewährleistet werden.

Quellen

  • Franceinfo