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NEWSDESK · 23.06.2026

Marc Bloch wird in den Panthéon aufgenommen: Vier unbekannte Geschichten über den Widerstandskämpfer und Historiker

Paris – 23.06.2026: Heute wird Marc Bloch, der renommierte Historiker und Widerstandskämpfer, posthum in den Panthéon aufgenommen. Diese Ehrung würdigt sowohl sein bedeutendes wissenschaftliches Werk als auch seinen unerschütterlichen Mut im Kampf gegen die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs. Bloch, geboren 1886, gilt als Mitbegründer der einflussreichen Zeitschrift "Annales" und als Pionier der modernen Geschichtsschreibung. Sein Engagement im Widerstand führte im Juni 1944 zu seiner Gefangennahme durch die Gestapo. Nach monatelanger Folter wurde er ermordet. Seine Frau Simonne Vidal, die während seines gesamten Lebens eine wichtige Stütze war, wird symbolisch bei der Ehrung an seiner Seite genannt.

Eine weniger bekannte Episode aus Blochs Leben stammt aus dem Ersten Weltkrieg. Als junger Soldat wurde er 1916 schwer verwundet und verbrachte mehrere Monate im Lazarett. Trotz der schweren Verletzungen kehrte er an die Front zurück und setzte seinen Dienst fort. Diese persönlichen Kriegserfahrungen prägten maßgeblich seine späteren historischen Arbeiten und sein Verständnis für die menschlichen Dimensionen von Kriegen.

Ein weiterer bemerkenswerter Abschnitt seines Lebens war die Rettung des Manuskripts seines berühmtesten Werks "L'Étrange Défaite" ("Die seltsame Niederlage"). Während der deutschen Besatzung versteckte Bloch das Manuskript an einem geheimen Ort, um es vor Zerstörung zu bewahren. Nach Kriegsende gelang es ihm, das Werk zu veröffentlichen, das zu einer grundlegenden Neubewertung der französischen Niederlage von 1940 beitrug.

Bloch war zudem ein leidenschaftlicher Lehrer. An der Universität Straßburg inspirierte er Generationen von Historikern und vermittelte ihnen die Bedeutung einer kritischen, interdisziplinären Herangehensweise an wissenschaftliche Fragestellungen. Seine Vorlesungen zogen Studierende aus ganz Europa an und prägten die europäische Geschichtswissenschaft nachhaltig.

Besonders hervorzuheben ist auch sein Engagement für die Demokratie. Trotz seiner jüdischen Herkunft und der damit verbundenen Gefahr in der Zeit der Besatzung setzte er sich unermüdlich für republikanische Werte ein. Sein Widerstand war sowohl militärisch als auch intellektuell, indem er sich für freie Forschung und kritisches Denken einsetzte.

Die heutige Zeremonie im Panthéon wird von zahlreichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens begleitet. Präsident Emmanuel Macron wird die Ehrung vornehmen und Blochs Beitrag zur französischen Geschichte und Kultur würdigen. Die Familie Bloch bat darum, die Zeremonie "rein zivil" zu gestalten, ohne Beteiligung religiöser oder politischer Gruppen.

Im Anschluss an die Zeremonie findet am 3. Juli 2026 im Panthéon eine öffentliche Lesung von "L'Étrange Défaite" statt, bei der Interessierte tiefer in Blochs Werk eintauchen können.

Die Aufnahme Marc Blochs in den Panthéon ist ein verdienter Tribut an einen Mann, dessen Leben und Werk bis heute einen bedeutenden Einfluss auf die Geschichtswissenschaft und die französische Gesellschaft ausüben.