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Patrice Tiko · 21.06.2026

Marine Le Pen vor Berufungsurteil: Keine Aufrufe zur Auflehnung, betont Thomas Ménagé

Paris – 21.06.2026: Der Berufungsprozess von Marine Le Pen, der am 7. Juli 2026 vor dem Pariser Berufungsgericht stattfinden wird, sorgt weiterhin für politische Spannung in Frankreich. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob das Urteil der ersten Instanz bestätigt wird, das die ehemalige Präsidentschaftskandidatin des Rassemblement National (RN) zu einer fünfjährigen politischen Sperre verurteilte. Diese in erster Instanz ausgesprochene Ineligibilität wird Le Pen daran hindern, bei den Präsidentschaftswahlen 2027 anzutreten – eine entscheidende Weichenstellung für die französische Innenpolitik.

Thomas Ménagé, ein enger Vertrauter von Marine Le Pen und prominenter Vertreter des RN, äußerte sich nun zu den möglichen Folgen einer Bestätigung dieser Strafe. Er stellte klar, dass es in einem solchen Fall keine Aufrufe zu Protesten oder gar Aufständen geben werde. "Wir sind nicht La France Insoumise", sagte er und bezog sich damit auf die linkspopulistische Partei, die in der Vergangenheit zu massiven Demonstrationen aufgerufen hatte. Die Bemerkung unterstreicht die Haltung des RN, sich im Falle einer negativen Entscheidung an den Rechtsstaat zu halten und politische Konflikte nicht gewaltsam auszutragen.

Der Rechtsstreit dreht sich um den Vorwurf der Veruntreuung von EU-Mitteln, die für die Finanzierung parlamentarischer Assistenten vorgesehen waren. Im März 2025 hatte das Gericht Le Pen zu vier Jahren Haft verurteilt, davon zwei Jahre mit elektronischer Fußfessel, sowie zu einer Geldstrafe von 100.000 Euro. Neben der Freiheitsstrafe wurde die fünfjährige Ineligibilität gegen sie verhängt – eine Entscheidung, die weitreichende Auswirkungen auf ihre politische Laufbahn hat.

Die Staatsanwaltschaft strebt in dem Berufungsverfahren die Bestätigung der Strafen an, verzichtet jedoch auf eine sofortige Vollstreckung der Ineligibilität. Das könnte bedeuten, dass Marine Le Pen trotz der Verurteilung theoretisch bis zum endgültigen Urteil ihre politische Tätigkeit fortsetzen oder sogar ihre Kandidatur für 2027 vorbereiten kann.

Die politische Landschaft Frankreichs blickt gespannt auf das Urteil des Pariser Berufungsgerichts. Marine Le Pen hat als ehemalige Führungsfigur des RN großen Einfluss auf die rechte politische Strömung und könnte durch eine bestätigte Ineligibilität erheblich geschwächt werden. Die Entscheidung wird auch für die strategische Ausrichtung des Rassemblement National prägend sein, das sich in den kommenden Monaten auf den Präsidentschaftswahlkampf vorbereiten muss.

Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens steht fest, dass Marine Le Pen und ihr Umfeld die politische Debatte weiterhin maßgeblich mitgestalten werden. Der Umgang mit dem Rechtsstreit und seinen Folgen wird die innenpolitischen Auseinandersetzungen in Frankreich bis zur Wahl 2027 und darüber hinaus entscheidend beeinflussen.

Quellen

  • Euronews
  • Le Monde
  • ElyseeScope