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Daniel Ivers · 17.07.2026

Marseille setzt auf Alarm-App gegen sexuelle Belaestigung an Straenden

Marseille – 17.07.2026: Zwischen Badetuechern, Sonnenschirmen und dem lauten Wind vom Mittelmeer soll Hilfe mit einem Fingerdruck erreichbar sein. Marseille hat das Schutzprogramm Safer Plage für den Sommer erneut aktiviert. Die kostenlose App richtet sich an Menschen, die an den Straenden Belaestigung oder sexistische und sexuelle Gewalt erleben oder beobachten. Ihr Ziel ist nicht die nachtraegliche Anzeige, sondern moeglichst schnelle Unterstuetzung direkt am Ort.

Wer in der App den Notfallknopf auslöst, kann nach Angaben der Stadt anonym einen Alarm an die eingesetzten Vermittlungsteams senden. Diese Teams sind an den Straenden praesent, suchen das Gespraech, sichern Betroffene ab und koennen bei Bedarf Polizei oder Rettungsdienste einschalten. Ausserhalb des Programms verweist die Stadt bei akuter Gefahr auf den Polizeinotruf 17.

Das System laeuft vom 29. Mai bis zum 30. August 2026 und deckt inzwischen alle bewachten Straende der Stadt ab. Dazu gehoeren die Straende von Corbiere, Catalans, Prado Nord und Prado Sud, Borely, Bonneveine, Vieille Chapelle, Pointe Rouge und Frioul. Im Juli und August sind die Vermittlerinnen und Vermittler dort taeglich unterwegs, auch an Feiertagen.

Safer Plage wurde im August 2022 zunächst am Prado Sud erprobt und danach schrittweise ausgeweitet. Für die laufende Saison hat Marseille zusätzlich einen sogenannten Respektmesser eingefuehrt. Das Instrument arbeitet mit 22 kurzen Fragen und soll Besucherinnen und Besuchern helfen, bedrohliche oder grenzueberschreitende Situationen einzuordnen und gegebenenfalls Hilfe zu suchen.

Die Stadt verbindet die technische Alarmmoeglichkeit mit sichtbarer Ansprache am Strand. QR-Codes auf Hinweisschildern und Fahnen erleichtern den Download der App. Feministische Vereine und Initiativen gegen sexistische und sexuelle Gewalt sollen die Vermittlung punktuell mit Praesenz- und Beratungsangeboten unterstuetzen. Damit wird Praevention nicht allein an ein Smartphone delegiert.

Nach Zahlen der Stadt wurden seit 2022 mehr als 200.000 Menschen für das Thema sensibilisiert; die App wurde demnach rund 4.000 Mal heruntergeladen. Im Jahr 2025 bearbeiteten die Vermittlungsteams nach kommunalen Angaben etwa 200 Situationen im Zusammenhang mit sexistischer und sexueller Gewalt. Was hinter jeder einzelnen Meldung steht, wird nicht weiter spezifiziert.

Der Ansatz bleibt ein kommunales Hilfsangebot und ersetzt weder medizinische Versorgung noch polizeiliche Ermittlungen. Seine Bedeutung liegt gerade in den ersten Minuten einer belastenden Situation: Betroffene sollen nicht erst einen sicheren Ort suchen oder allein erklaeren müssen, was passiert ist. Am Strand, wo viele Menschen dicht beieinander sind, setzt Marseille auf Aufmerksamkeit, geschulte Ansprechpersonen und einen schnellen Weg zur Hilfe.

Quellen

  • Ville de Marseille: Safer Plage an bewachten Straenden
  • Ville de Marseille: Praevention von Kriminalitaet