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Daniel Ivers · 05.06.2026

Martin Ney wegen Mordes an Jonathan Coulom zu lebenslanger Haft verurteilt

Nantes – 04.06.2026: Der 55-jährige deutsche Serienmörder Martin Ney wurde am Donnerstag von der Schwurgerichtskammer von Loire-Atlantique für den Mord an dem zehnjährigen Jonathan Coulom im Jahr 2004 zu lebenslanger Haft verurteilt. Ney, der bereits in Deutschland eine lebenslange Freiheitsstrafe für die Morde an drei Kindern verbüßt, zeigte bei der Urteilsverkündung keine Regung.

Während des zwölf Tage dauernden Prozesses in Nantes beteuerte Ney stets seine Unschuld. Seine Verteidigerinnen plädierten auf Freispruch. Die Staatsanwältin bezeichnete den Mord an Jonathan als "kriminische Handschrift" von Martin Ney und äußerte keinen Zweifel an seiner Schuld.

Die Familie des Opfers war bei der Urteilsverkündung anwesend und zeigte sich emotional. Der Stiefvater von Jonathan erklärte vor der Presse: "Endlich wurde für unseren Sohn Gerechtigkeit geübt. Er kann nun in Frieden ruhen."

Jonathan Coulom war in der Nacht vom 6. auf den 7. April 2004 während einer Klassenfahrt in Saint-Brévin-les-Pins verschwunden. Sein Leichnam wurde 43 Tage später in einem Teich etwa 30 Kilometer vom Ferienzentrum entfernt gefunden, mit einem Betonblock beschwert.

Martin Ney, ein ehemaliger Erzieher aus Bremen, wurde 2012 in Deutschland für die Morde an drei Jungen im Alter von 8, 9 und 13 Jahren sowie für zahlreiche sexuelle Übergriffe auf Minderjährige verurteilt. Er hatte die Taten gestanden, nachdem er sich in Kinderheime eingeschlichen und dort Zugang zu den Opfern gefunden hatte.

Obwohl Ney die Morde in Deutschland gestanden hatte, bestritt er stets, Jonathan Coulom getötet zu haben. Die 163 Bände der Ermittlungsakten enthielten keine materiellen Beweise oder DNA-Spuren, die ihn mit dem Mord in Frankreich direkt in Verbindung bringen könnten. "Ich habe alles offenbart, was ich zu offenbaren hatte, der Fall Jonathan gehört nicht dazu", sagte Ney während des Prozesses.

Ein ehemaliger Mithäftling, der 2020 wegen falscher Anschuldigungen verurteilt wurde, behauptete seit 2017, Ney habe ihm seine Tat gestanden. Ney bestritt diese Aussagen vehement.

Der Fall erregte in Frankreich und Deutschland großes Aufsehen, da er einmal mehr die Herausforderungen internationaler Rechtshilfe und grenzüberschreitender Ermittlungen bei Serienverbrechen zeigt. Die Verurteilung in Nantes wird als bedeutender Schritt für die französische Justiz gewertet, die mit dem Urteil nun auch diesen ungeklärten Mordfall aus dem Jahr 2004 abschließt.

Die Entscheidung des Gerichts bringt der Familie des Opfers nach 22 Jahren endlich Gerechtigkeit. Der Fall hebt zudem die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den europäischen Staaten in Fällen von sexueller Gewalt und Kindermord hervor und setzt ein starkes Zeichen gegen solche Verbrechen.

Die Staatsanwaltschaft kündigte an, das Urteil sorgfältig zu prüfen, während die Verteidigung weitere rechtliche Schritte nicht ausgeschlossen hat. Martin Ney wird nun seine Strafe in Frankreich verbüßen, zusätzlich zu seiner bereits bestehenden lebenslangen Haft in Deutschland.

Quellen

  • AFP
  • TF1 Info
  • La Dépêche du Midi