Fleurance – 07.06.2026: In Fleurance, Département Gers, zogen am 7. Juni 2026 rund 6.000 Menschen zu einem weißen Marsch zusammen, um der getöteten 11-jährigen Lyhanna zu gedenken und auf mögliche Versäumnisse in der Justiz aufmerksam zu machen. Der Marsch, der um 15 Uhr begann, entwickelte sich neben einem Trauerakt auch zu einer Protestaktion gegen die wahrgenommenen Mängel im Umgang mit dem Fall.
Lyhanna war am 29. Mai spurlos verschwunden. Am 4. Juni wurde ihre Leiche in einem verlassenen Getreidesilo nahe Fleurance gefunden. Jérôme B., ein 41 Jahre alter Bekannter des Mädchens, befindet sich seit dem 2. Juni in Untersuchungshaft. Er wird des Entführens und Freiheitsberaubs eines Kindes unter 15 Jahren verdächtigt.
Vor dem Marsch wurde bekannt, dass gegen Jérôme B. bereits im August 2025 eine Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs eines Mädchens in diesem Alter erstattet worden war. Die Anzeige wurde damals jedoch nicht umgehend verfolgt, was die Öffentlichkeit und Betroffene massiv kritisieren und den Eindruck erwecken lässt, dass die Justiz nicht konsequent genug agiert hat.
Die Teilnehmer des Marsches trugen weiße Kleidung und Blumen als Symbol der Trauer und des Friedens. An der Spitze gingen Lyhannas Eltern und ihr Bruder, begleitet von lokalen Politikern, darunter der Abgeordnete David Taupiac, der den Marsch auch als „stille Protestform“ gegen die Defizite der Behörden bezeichnete. Die Mutter des Mädchens zeigte sich tief bewegt: „Es ist tröstlich zu sehen, dass so viele Menschen heute hier zusammenstehen, um Lyhanna zu ehren.“
Mehrere Redner forderten eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Justiz, Polizei und sozialen Diensten, um künftig Kinder besser schützen zu können. Neben Trauer überwog bei vielen Teilnehmern die Empörung über die mangelhafte Aufklärung und die Verzögerungen im Umgang mit der früheren Anzeige gegen den Hauptverdächtigen.
Die Ermittlungen zum Tod von Lyhanna dauern an. Die Autopsieergebnisse stehen noch aus und sollen weitere Details zu den genauen Todesumständen liefern. Die Behörden haben zudem eine Untersuchung eingeleitet, um die mögliche Nachlässigkeit bei der Bearbeitung der Anzeige gegen Jérôme B. zu klären.
Der Fall hat landesweit für Bestürzung gesorgt und die Diskussion über Kinderschutz und die Effizienz der Justiz neu entfacht. Der „weiße Marsch von Fleurance“ symbolisiert sowohl das Gedenken an ein junges Leben als auch einen Appell an Staat und Gesellschaft, den Schutz von Kindern ernster zu nehmen und solche Tragödien in Zukunft zu verhindern.
Quellen
- Euronews
- La Dépêche
- Le Dauphiné Libéré