Mexiko-Stadt – 11.07.2026: Die mexikanische Regierung fordert von den US-Behörden strafrechtliche Ermittlungen wegen des Todes von mindestens 17 mexikanischen Staatsangehörigen in Gewahrsam der US-Immigrations- und Zollbehörde (ICE) oder bei Einsätzen ihrer Beamten seit Januar 2025. Präsidentin Claudia Sheinbaum und Außenminister Roberto Velasco Álvarez kündigten an, die Fälle nicht länger nur diplomatisch, sondern auch juristisch zu verfolgen und entsprechende Schritte bei den zuständigen US-Staatsanwaltschaften anzustoßen. Nach Regierungsangaben wird Mexiko dazu formelle Eingaben über seine Konsulate und die Botschaft in Washington vornehmen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Tod des 49-jährigen Lorenzo Salgado Araujo in Houston, der in der vergangenen Woche bei einem Einsatz von ICE-Beamten erschossen wurde. Während US-Stellen auf Notwehr verweisen, verlangen Angehörige, Menschenrechtsanwälte und mexikanische Diplomaten eine unabhängige Aufklärung, einschließlich der Sicherung von Video- und Funkprotokollen sowie einer transparenten Autopsie. Der Fall hat in Mexiko Demonstrationen ausgelöst und den politischen Druck erhöht, strukturelle Mängel bei Festnahmen und Haftbedingungen öffentlich zu adressieren.
Nach übereinstimmenden Medienangaben entfallen 14 der registrierten Todesfälle auf Personen, die in ICE-Einrichtungen untergebracht waren; drei weitere starben im Kontext polizeilicher oder einreisevollzugsrechtlicher Maßnahmen. Die mexikanische Regierung will eine systematische Auswertung dieser Vorgänge vorlegen und fragt neben persönlicher Verantwortlichkeit auch nach institutionellen Standards bei medizinischer Versorgung, Überwachung gefährdeter Inhaftierter und dem Umgang mit psychischen Krisen. Bereits laufende Zivilklagen und Protestnoten sollen durch konsularische Begleitung, Beweissicherung und Akteneinsicht flankiert werden.
In Washington richtet sich der Blick auf das Justizministerium, das potenziell Ermittlungen anstoßen oder Empfehlungen an Aufsichtsstellen geben könnte. Menschenrechtsorganisationen verlangen Zugang zu Haftakten, Transferlisten und Besuchsprotokollen, um mögliche Versäumnisse in Notfallabläufen zu belegen. ICE verweist regelmäßig auf interne Richtlinien, Gesundheitschecks bei Aufnahme und unabhängige Prüfungen nach Todesfällen. Ob daraus strafrechtliche Schritte folgen, ist offen; in vergleichbaren Fällen in den USA dauern Bewertungen von Amtsmissbrauch häufig Monate.
Die Initiative aus Mexiko spiegelt eine wachsende Belastung der bilateralen Beziehungen in Migrationsfragen wider. Beide Regierungen kooperieren an der Grenze operativ eng, stehen jedoch innenpolitisch unter Druck: In Mexiko fordern Zivilgesellschaft und Familien der Betroffenen Gerechtigkeit und Transparenz, in den USA prägen Sicherheitsnarrative und Verfahrenstreue die Debatte. Mexiko stellt klar, dass die geforderten Ermittlungen keine Abkehr von der Zusammenarbeit bedeuten, sondern der rechtsstaatlichen Klärung diente. Ob die US-Justiz Anklagen erhebt oder strukturelle Anpassungen in Haftanstalten und Einsatzregeln folgen, bleibt Gegenstand weiterer formeller Schritte und diplomatischer Gespräche.
Quellen
- Associated Press
- Franceinfo
- Gobierno de México (Secretaría de Relaciones Exteriores)
- CBS News
- AFP/Reuters reporting