Paris – 18.07.2026: Die französische Videospielkette Micromania-Zing ist von einem franco-kanadischen Konsortium aus vier Unternehmern übernommen worden. Das Unternehmen bestätigte die Transaktion am 16. Juli. Käufer sind der kanadische Unternehmer Stephan Tétrault, Jean-François Chenail sowie Sandra und Stephen Callahan. Über den Kaufpreis wurde nichts mitgeteilt. Die Übernahme erfolgt in einer Phase tiefgreifender Veränderungen im Handel mit Videospielen.
Micromania will unter den neuen Eigentümern vor allem den Verkauf von Fanartikeln und Sammelkarten stärken. Damit soll die Marke breiter als bisher zwischen Gaming, Popkultur und Spielwaren positioniert werden. Nach Angaben der Käufer gehören auch Veranstaltungen in den Filialen zum geplanten Ausbau. Die Strategie setzt damit weniger auf das klassische Geschäft mit neuen Spielen in Verpackungen als auf physische Produkte mit Sammlerwert.
Stephan Tétrault ist Mehrheitsgesellschafter von EB Games Canada, das 2025 aus dem kanadischen GameStop-Geschäft hervorging. Jean-François Chenail ist ebenfalls an EB Games beteiligt. Sandra und Stephen Callahan stehen hinter Cobico International und dem Spielwarenunternehmen Gipsy Toys. Die Zusammensetzung des Konsortiums verbindet damit Erfahrungen aus Spielehandel, Lizenzprodukten, Spielwaren und dem Vertrieb von Sammelartikeln.
Für Micromania ist der Eigentümerwechsel auch eine Antwort auf den strukturellen Rückgang des Geschäfts mit Datenträgern. Sony Interactive Entertainment hatte am 1. Juli angekündigt, ab Januar 2028 keine neuen Spiele für PlayStation-Konsolen mehr auf Disc zu produzieren. Bereits veröffentlichte Titel und Spiele, die bis dahin noch auf Disc erscheinen, sind von dieser Ankündigung nicht betroffen. Neue Titel sollen danach nur noch digital erhältlich sein.
Die neuen Eigentümer planen eine genaue Prüfung des Filialnetzes. Dabei stehen mögliche Standortwechsel, Vergrößerungen bestehender Geschäfte und neue Standorte im Raum. Ein erstes besonders groß angelegtes Vorzeigegeschäft soll nach Angaben des Konsortiums im Oktober 2026 nahe Paris eröffnen. Konkrete Schließungen von Filialen wurden bei der Bekanntgabe der Übernahme nicht angekündigt.
Zudem sollen Sammelkarten stärker in Einkaufszentren präsent sein. Vorgesehen ist die Aufstellung entsprechender Verkaufsautomaten in rund 30 Zentren. Das Vorhaben knüpft an Erfahrungen von EB Games Canada an, wo Karten und Lizenzprodukte nach Angaben der neuen Micromania-Eigentümer deutlich an Bedeutung gewonnen haben. Unabhängige Geschäftszahlen zur Übertragung dieses Modells auf Frankreich liegen bislang nicht vor.
Micromania wurde 1983 gegründet und war seit 2008 Teil des US-Konzerns GameStop. GameStop hatte Anfang 2025 angekündigt, seine französischen Aktivitäten abgeben zu wollen. Mit dem nun vollzogenen Verkauf bleibt das Filialnetz zunächst bestehen, erhält aber eine neue strategische Ausrichtung. Entscheidend wird sein, ob sich die stationären Geschäfte als Orte für Sammler, Spielefans und Popkultur dauerhaft behaupten können.
Quellen
- AFP-Meldung bei Boursorama zur Übernahme von Micromania
- Offizielle Mitteilung von PlayStation zur Produktion physischer Spiele
- Frandroid-Bericht zu Käufern und angekündigter Strategie