Zurück

Patrice Tiko · 20.07.2026

Mindestens zehn Tote nach Fährunglück vor Guyana

Georgetown – 20.07.2026: Nach dem Kentern der Passagier- und Frachtfähre MV Barima vor der Essequibo-Küste Guyanas sind mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden setzten die Suche nach weiteren Vermissten am Montag mit Schiffen, Hubschraubern und weiteren Luftfahrzeugen fort. Nach Regierungsangaben wurden bislang 67 Menschen gerettet. Wie viele Personen sich tatsächlich an Bord befanden, ist weiterhin ungeklärt.

Die Fähre war am Samstag, dem 18. Juli, von Georgetown nach Port Kaituma im Nordwesten Guyanas unterwegs. Gegen 23 Uhr ging ein Notruf ein. Das Schiff kenterte nahe der Mündung des Pomeroon River, rund sieben Meilen vor der Küste. Die zunächst zugrunde gelegte Passagierliste verzeichnete 116 Reisende und 17 Besatzungsmitglieder, insgesamt also 133 Personen.

Diese Zahl gilt inzwischen jedoch als unsicher. Ministerpräsident Mark Phillips erklärte, unter den 67 Geretteten seien mindestens 32 Personen gewesen, die nicht auf der Passagierliste standen. Damit wächst der Verdacht, dass die Fähre mehr Menschen beförderte als offiziell erfasst. Die tatsächliche Zahl der Vermissten kann daher nicht zuverlässig aus der ursprünglichen Liste abgeleitet werden.

Die Regierung leitete eine umfassende Untersuchung ein. Sie soll die Richtigkeit der Passagierliste, die Beladung, die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften und das Verhalten der Besatzung vor dem Auslaufen klären. Der Kapitän und mindestens ein weiteres Besatzungsmitglied befinden sich laut Behördenangaben in Polizeigewahrsam, nachdem Drogentests positiv ausgefallen waren. Eine strafrechtliche Verantwortung ist damit noch nicht festgestellt.

Verkehrsminister Juan Edghill hatte zunächst berichtet, Überlebende führten das Kentern auf eine große Welle zurück. Später rückten jedoch auch mögliche organisatorische Mängel in den Mittelpunkt. Nach Angaben der Regierung verfügte das Schiff über 250 Rettungswesten sowie mehrere Rettungsflöße. Ob diese Ausrüstung ausreichend eingesetzt werden konnte und ob der Zustand des Schiffes zum Unglück beitrug, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Für Guyana hat das Unglück besondere Bedeutung, weil Fähren in dem dünn besiedelten, waldreichen Land zentrale Verkehrsverbindungen sichern. Gerade die Gemeinden im Nordwesten nahe der venezolanischen Grenze sind auf den Wasserweg angewiesen; Straßenverbindungen sind vielerorts begrenzt. Präsident Irfaan Ali reiste nach Mabaruma, um Überlebende und Angehörige zu treffen. Die Identifizierung der geborgenen Toten soll im Krankenhaus von Charity erfolgen.

Die MV Barima zählt zu den älteren Schiffen des staatlichen Transport- und Hafendienstes und bedient regelmäßig die Route zu den indigen geprägten Gemeinden der Region Barima-Waini. Nach Angaben der Regierung war das Schiff 2024 umfassend überholt worden; weitere größere Arbeiten waren für Oktober vorgesehen. Die Rettungsaktion bleibt vorrangig, während die Ermittlungen klären müssen, ob die Katastrophe auf Wetter, technische Defekte oder Versäumnisse im Betrieb zurückgeht.

Quellen

  • Associated Press
  • News Room Guyana
  • Demerara Waves Online News