Mailhoc – 16.07.2026: Ermittler haben im Tarn Knochenreste an einer Stelle gefunden, die Cédric Jubillar als Ablageort des Leichnams seiner Ehefrau Delphine Aussaguel bezeichnet haben soll. Der Generalstaatsanwalt am Berufungsgericht Toulouse, Nicolas Jacquet, erklärte am Donnerstag, es könne sich um menschliche Knochen handeln. Die Identität der Überreste ist bislang nicht festgestellt; forensische Analysen stehen noch aus.
Die Suche hatte begonnen, nachdem Jubillar nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Mittwoch erneut angehört worden war. Dabei räumte er ein, für den Tod von Delphine Aussaguel verantwortlich zu sein, und erklärte sich bereit, die Ermittler zum mutmasslichen Fundort zu führen. Die Gendarmerie durchsuchte daraufhin ein Gebiet im Umfeld von Mailhoc, rund zehn Kilometer von Cagnac-les-Mines entfernt.
Der Fund ist für ein Verfahren von erheblicher Bedeutung, dessen zentrale offene Frage über Jahre der Verbleib der Vermissten war. Delphine Aussaguel, damals 33 Jahre alt und von Beruf Krankenpflegerin, verschwand in der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 2020 aus dem gemeinsamen Haus des Ehepaars in Cagnac-les-Mines. Trotz umfangreicher Suchaktionen mit Gendarmerie, Spürhunden, Tauchern und Spezialisten blieb ihr Leichnam unauffindbar.
Cédric Jubillar war im Zusammenhang mit dem Verschwinden seiner Frau angeklagt und befindet sich im Berufungsverfahren. Die nun gemachten Angaben verändern die Beweislage jedoch nicht automatisch. Erst die rechtsmedizinische Bestimmung kann klären, ob die geborgenen Knochen menschlich sind, ob sie Delphine Aussaguel zugeordnet werden können und ob sich daraus Erkenntnisse zu Todeszeitpunkt oder Todesursache gewinnen lassen.
Für die Strafjustiz ist der Unterschied wesentlich: Ein Geständnis ist ein Beweismittel, muss aber auf seine Glaubhaftigkeit geprüft und mit objektiven Befunden abgeglichen werden. Die Ermittler werden deshalb Fundort, Bodenproben und mögliche Spuren sorgfältig sichern. Auch die genaue Rekonstruktion der Angaben Jubillars dürfte entscheidend sein, da sie mit früheren Ermittlungsergebnissen und den Ergebnissen der geplanten Analysen verglichen werden muss.
Die Staatsanwaltschaft vermeidet bislang eine abschliessende Bewertung. Nicolas Jacquet sprach ausdrücklich nur von Knochenresten, die möglicherweise menschlichen Ursprungs seien. Aussagen über eine Identifizierung oder über einen endgültigen Fund des Leichnams wären daher verfrüht. Für die Angehörigen von Delphine Aussaguel könnte die Untersuchung dennoch eine neue Phase in einem Verfahren eröffnen, das seit mehr als fünfeinhalb Jahren von Ungewissheit geprägt ist.
Das Berufungsverfahren gegen Cédric Jubillar ist nach derzeit bekannten Angaben ab dem 21. September 2026 in Toulouse vorgesehen. Ob die neuen Funde Auswirkungen auf Termin, Umfang der Beweisaufnahme oder die Prozessstrategie der Beteiligten haben, ist offen. Zunächst liegt der Schwerpunkt bei den kriminaltechnischen und rechtsmedizinischen Untersuchungen der am Donnerstag sichergestellten Überreste.
Quellen
- Generalstaatsanwaltschaft am Berufungsgericht Toulouse
- AFP via Boursorama
- France Bleu via O Toulouse
- TF1 Info