Paris – 16.06.2026: Die Mutter von Rosa, einer 12-jährigen Schülerin aus dem Gers, hat den französischen Staat verklagt. Anlass ist die mutmaßliche Vergewaltigung ihrer Tochter durch Jérôme Barella, einen Hausmeister, der in mehreren Schulen der Region tätig war. Die Klage, die am 15. Juni 2026 vor dem Verwaltungsgericht in Paris eingereicht wurde, wirft den Behörden vor, im Umgang mit den schweren Vorwürfen gegen Barella fahrlässig gehandelt zu haben.
Bereits im Jahr 2025 hatte Rosa Anzeige gegen Barella erstattet. Dennoch wurden die Ermittlungen lange Zeit nur unzureichend geführt. Erst nach der Entführung und Ermordung der 11-jährigen Lyhanna im Mai 2026, bei der Barella als Hauptverdächtiger gilt, nahmen die Behörden intensivere Untersuchungen vor.
Die Mutter von Rosa äußerte sich in einer Pressemitteilung tief betroffen über das Verhalten der Justiz und der Polizei. Sie führt aus, dass das Versagen der Behörden nicht nur ihrer Tochter, sondern auch anderen potenziellen Opfern zum Nachteil gereichte. „Wenn damals konsequent gehandelt worden wäre, könnte Lyhanna noch am Leben sein“, erklärte sie.
Im Kern der Klage steht der Vorwurf, der Staat habe seine Pflicht zum Schutz von Minderjährigen verletzt. Die Klägerin fordert eine Entschädigung für den erlittenen Schaden sowie eine öffentliche Entschuldigung der zuständigen Stellen. Zudem verlangt sie eine umfassende Untersuchung der internen Abläufe, um künftige Versäumnisse zu vermeiden.
Die Klage findet breite Unterstützung in der Öffentlichkeit. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger initiierten Spendenaktionen zur Unterstützung der Familie bei den anfallenden Rechtskosten. Ein Unterstützer kommentierte: „Es ist ein Skandal, wenn derartige Verbrechen nicht ernst genug genommen werden.“
Bisher haben sich die Behörden zu der Klage nicht geäußert. Die Familie von Rosa hofft auf eine zügige und gerechte Entscheidung des Gerichts, die nicht nur ihrer Tochter, sondern auch anderen potenziellen Opfern zugutekommen soll.
Der Fall hat erneut eine Debatte über die Handhabung von Fällen sexuellen Missbrauchs in Frankreich ausgelöst. Trotz mehrerer Anzeigen gegen Barella zeigten sich Polizei und Justiz zögerlich. Erst nach der tragischen Tat an Lyhanna wurden umfassende Untersuchungen angestoßen. Zivilgesellschaftliche Organisationen fordern seit längerem Reformen zum besseren Schutz von Minderjährigen und eine konsequentere Strafverfolgung von Tätern.
Die Klägerin hofft, dass mit ihrer Klage auch das Vertrauen in das Justizsystem wiederhergestellt wird und der Schutz von Kindern gestärkt wird. Die Initiative gilt als wichtiger Schritt, um Behörden dazu zu bewegen, künftig sensibler und entschlossener zu handeln.
Quellen
- Le Monde
- La Dépêche du Midi
- Actu Drancy