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Patrice Tiko · 08.07.2026

Neue EU-Grenzkontrollen: Staus an französischen Flughäfen, Branche drängt auf Entlastung

Paris – 08.07.2026: An mehreren großen Flughäfen in Frankreich haben sich die Wartezeiten an den Passkontrollen seit der Vollinbetriebnahme des europäischen Entry/Exit-Systems (EES) deutlich verlängert. Branchenverbände wie ACI Europe und Airlines for Europe berichten von Engpässen zu Spitzenzeiten, langen Schlangen und verpassten Anschlüssen. In einzelnen Fällen war von Wartezeiten von bis zu fünf Stunden die Rede, was insbesondere an den Knotenpunkten Paris-Charles-de-Gaulle und Orly zu spürbaren Betriebsstörungen führte.

Mit dem EES ersetzt die EU den handgestempelten Ein- und Ausreisestempel für Drittstaatsangehörige durch eine digitale Erfassung von Ein- und Ausreisen samt biometrischer Daten wie Gesichtsbild und Fingerabdrücken. Die Europäische Kommission verweist auf mehr Sicherheit und schnellere Abläufe, räumt aber ein, dass die Umsetzung in einigen Mitgliedstaaten holprig verläuft und zusätzliche Zeit für Personalaufbau, Schulungen und Gerätebeschaffung erfordert. Betroffen sind vor allem Kontrollspuren, an denen erstmals Erstanlagen biometrischer Daten erfolgen müssen – ein Schritt, der mehr Zeit beansprucht als spätere Folgedurchläufe.

In Frankreich drängen Flughafenbetreiber und mehrere Fluggesellschaften auf kurzfristige Entlastungen während der Hauptreisezeit. Genannt werden zusätzliche Kontrollspuren, mehr Einsatzkräfte der Grenzpolizei, mobile Erfassungsstationen und eine verbesserte Flusssteuerung zwischen automatischen und bemannten Schaltern. Zudem verlangen die Verbände eine enge, tagesaktuelle Koordination zwischen Airports, Airlines, Bodenabfertigern und der Police aux frontières, um Spitzenlasten frühzeitig abzﻞrn und Boarding-Prozesse anzupassen.

Das Innenministerium und die Direction nationale de la police aux frontières betonen den Sicherheitsnutzen des Systems und verweisen auf bereits angelaufene Maßnahmen. Dazu zählen Sondereinsätze zur Kapazitätssteigerung, die Umwidmung zusätzlicher Spuren zu Stoßzeiten sowie technische Nachrüstungen an stark frequentierten Standorten. Nach Behördenangaben sollen temporäre Prozessanpassungen helfen, die Ersterfassung zu beschleunigen, ohne die Sicherheitsstandards zu senken. Der zuständige Innenminister Laurent Nuñez wird in Medienberichten mit dem Hinweis zitiert, die Verwaltung arbeite gemeinsam mit den Flughäfen an kurzfristigen Verbesserungen.

Wirtschaftlich fürchtet die Branche Imageschäden für den französischen Luftverkehr und den Tourismus: Längere Abfertigungen könnten Reisende zu Alternativrouten oder anderen Reisezielen bewegen. ACI Europe und Airlines for Europe haben die EU-Kommission deshalb um befristete Erleichterungen oder technische Nachbesserungen gebeten. Im Gespräch sind unter anderem zusätzliche Finanzierung für Kontrollgeräte, pragmatische Übergangsregeln für Vielreisende aus Drittländern und klare Informationskampagnen, damit Passagiere vorab wissen, welche Unterlagen und Abläufe erforderlich sind.

Kurzfristig bleibt entscheidend, ob Personalaufstockungen und zusätzliche Spuren die längsten Schlangen spürbar reduzieren. Mittelfristig wird sich zeigen, ob die versprochenen Effizienzgewinne greifen, sobald die Ersterfassung breiter abgeschlossen ist und die Technik stabil läuft. Flughäfen und Airlines fordern bis dahin verlässliche Zeitfenster für die Grenzkontrolle, um Umläufe, Creweinsatz und Gate-Planung belastbar zu steuern.

Quellen

  • Franceinfo
  • TF1 Info
  • Air Journal
  • Euronews
  • Le Figaro
  • Direction nationale de la police aux frontières (DNPAF)