Frankreich erlebt die nächste massive Hitzewelle des Jahres. Innerhalb eines Tages hat sich die Zahl der betroffenen Regionen nahezu vervierfacht: Für Dienstag gelten in 61 Départements Hitzewarnungen der zweithöchsten Warnstufe. Besonders betroffen sind die Île-de-France rund um Paris, weite Teile des Westens und der Landesmitte, der Südwesten sowie das Rhônetal.
Meteorologen rechnen vielerorts mit Höchsttemperaturen zwischen 35 und 38 Grad. Im Südwesten klettert das Thermometer örtlich sogar auf bis zu 41 Grad. Fast noch belastender als die Tageshitze fallen die Nächte aus. In zahlreichen Regionen sinken die Temperaturen kaum noch unter 20 Grad. Diese sogenannten Tropennächte rauben vielen Menschen den erholsamen Schlaf und setzen den Körper dauerhaft unter Stress.
Die Wetterlage gilt als außergewöhnlich stabil. Ein kräftiges Hochdruckgebiet lenkt heiße Luftmassen von der Iberischen Halbinsel nach Frankreich und sorgt dafür, dass sich die Hitze über große Teile des Landes festsetzt. Ein spürbarer Temperaturrückgang zeichnet sich frühestens gegen Ende der Woche ab – zunächst vor allem im Westen.
Für ältere Menschen, kleine Kinder und Personen mit Vorerkrankungen steigt das Gesundheitsrisiko deutlich. Fehlt dem Körper in den warmen Nächten die nötige Abkühlung, fällt die Regeneration schwer. Kreislaufprobleme, Dehydrierung und Hitzeschläge treten unter solchen Bedingungen deutlich häufiger auf. Auch gesunde Menschen spüren die anhaltende Belastung oft schneller als gedacht.
Nicht nur die Bevölkerung leidet unter den extremen Temperaturen. Die ausgetrockneten Böden und zeitweise auffrischender Wind verschärfen zugleich die Waldbrandgefahr. Bereits seit mehreren Tagen kämpfen Einsatzkräfte in verschiedenen südfranzösischen Regionen gegen größere Brände. Unter diesen Bedingungen genügt oft schon ein kleiner Funke, damit sich ein Feuer rasch ausbreitet.
Die Behörden appellieren deshalb an die Bevölkerung, ausreichend Wasser zu trinken, körperliche Anstrengungen während der heißesten Stunden zu vermeiden und Wohnungen möglichst kühl zu halten. Ebenso wichtig bleibt der Blick auf Nachbarn, Angehörige oder alleinlebende ältere Menschen, die während einer Hitzewelle häufig besondere Unterstützung benötigen. Arbeitgeber sind aufgefordert, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen den extremen Temperaturen anzupassen.
Die aktuelle Hitzewelle zeigt einmal mehr, dass außergewöhnliche Sommerhitze in Frankreich längst keine Ausnahme mehr darstellt. Die heißen Phasen beginnen immer früher im Jahr, dauern länger an und erfassen größere Teile des Landes. Damit wachsen auch die Herausforderungen für Gesundheitswesen, Infrastruktur, Landwirtschaft und Natur – ein Trend, der sich in den vergangenen Jahren immer deutlicher abzeichnet.
Von C. Hatty