Zurück

Patrice Tiko · 25.05.2026

Ozonbelastung: “Doppelte Strafe bei Hitzespitzen” für Atemwegserkrankungen, warnt die Vereinigung Santé Respiratoire France

Paris – 25.05.2026: Frédéric Le Guillou, Präsident der Vereinigung Santé Respiratoire France, warnte in einem Interview mit France Inter vor den gesundheitlichen Risiken, die mit hohen Ozonwerten während Hitzewellen verbunden sind. Er betonte, dass solche Bedingungen eine "doppelte Strafe" für Menschen mit Atemwegserkrankungen darstellen.

Ozon ist ein sekundärer Luftschadstoff, der durch chemische Reaktionen zwischen Stickoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen unter dem Einfluss von Wärme und Sonnenlicht entsteht. Diese Reaktionen führen insbesondere während Hitzewellen zu erhöhten Ozonwerten, die für die menschliche Gesundheit schädlich sind. Laut dem Europäischen Klimawandel- und Gesundheit-Observatorium beeinträchtigt bodennahes Ozon die menschliche Gesundheit, indem es die Atem- und Herz-Kreislauf-Funktionen stört, was zu vermehrten Krankenhausaufenthalten und vorzeitigen Todesfällen führen kann.

In Frankreich sind Atemwegserkrankungen wie Asthma und chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) weit verbreitet. Eine Studie von Santé publique France schätzt, dass zwischen 2016 und 2019 jährlich bis zu 40.000 Todesfälle auf die Exposition gegenüber Feinstaub zurückzuführen sind. Zudem verursachte die chronische Exposition gegenüber Feinstaub und Stickstoffdioxid jährlich Dutzende von Tausenden von Fällen chronischer Erkrankungen wie Asthma, Schlaganfällen, Krebs und Diabetes.

Die Auswirkungen von Ozonbelastungen auf die Gesundheit sind besonders besorgniserregend, da sie nicht nur bestehende Atemwegserkrankungen verschlimmern, sondern auch das Risiko für die Entwicklung neuer Erkrankungen erhöhen können. Laut dem Europäischen Klimawandel- und Gesundheit-Observatorium ist die Exposition gegenüber Ozon mit einer Verschlechterung des Asthmas und einer erhöhten Inzidenz von Schlaganfällen verbunden.

Angesichts dieser Risiken betonte Le Guillou die Notwendigkeit, während Hitzewellen besondere Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, insbesondere für Menschen mit bestehenden Atemwegserkrankungen. Er empfahl, den Aufenthalt im Freien während der heißesten Tageszeiten zu vermeiden und auf die Luftqualitätswarnungen der Behörden zu achten. Zudem sollten Menschen mit Asthma oder COPD ihre Medikamente regelmäßig einnehmen und bei Verschlechterung der Symptome umgehend ärztlichen Rat einholen.

Die Vereinigung Santé Respiratoire France ruft die zuständigen Behörden dazu auf, verstärkte Maßnahmen zur Reduzierung der Luftverschmutzung zu ergreifen, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Dazu gehören strengere Emissionsvorschriften für Industrie und Verkehr sowie die Förderung von Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität in städtischen Gebieten.

Insgesamt unterstreicht die aktuelle Situation die dringende Notwendigkeit, den Zusammenhang zwischen Klimawandel, Luftverschmutzung und öffentlichen Gesundheitsrisiken stärker in den Fokus der politischen Agenda zu rücken. Nur durch koordinierte Anstrengungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene kann eine nachhaltige Verbesserung der Luftqualität und somit der Gesundheit der Bevölkerung erreicht werden.

Quellen

  • Santé Respiratoire France
  • Frédéric Le Guillou
  • Europäisches Klimawandel- und Gesundheit-Observatorium
  • Santé publique France