Die Sommerhitze hat Paris fest im Griff – und die Stadt reagiert ungewöhnlich schnell. Angesichts der hohen Temperaturen, die in dieser Woche erwartet werden, dürfen Pariserinnen und Pariser bereits ab Mittwoch im Canal Saint-Martin baden. Eigentlich war die Öffnung des beliebten Badebereichs erst für Anfang Juli vorgesehen. Nun zieht die Hauptstadt den Startschuss vor und schafft damit eine willkommene Abkühlung mitten im Herzen der Metropole.
Freigegeben wird ein rund 100 Meter langer Abschnitt im Bassin des Récollets im 10. Arrondissement. Zwischen 16 und 20 Uhr können Besucher dort kostenlos ins Wasser steigen. Rettungsschwimmer sorgen während der Öffnungszeiten für Sicherheit, während die Stadt die Wasserqualität regelmäßig kontrolliert.
Die Entscheidung kommt nicht von ungefähr. Hitzewellen prägen den Pariser Sommer immer stärker. Asphalt, Beton und dicht bebaute Straßenzüge verwandeln viele Viertel an heißen Tagen in wahre Wärmespeicher. Wer dann nach Erfrischung sucht, hat oft nur wenige Möglichkeiten. Genau hier setzt die Stadtverwaltung an. Der Canal Saint-Martin soll zeigen, dass sich urbane Räume an die Folgen des Klimawandels anpassen lassen.
Die vorgezogene Öffnung gilt allerdings als Ausnahme. Ursprünglich sollte das Badeangebot erst im Rahmen des Sommerprogramms Paris Plages starten. Damit die Freigabe schon jetzt erfolgen konnte, mussten mehrere Behörden kurzfristig grünes Licht geben. Der organisatorische Aufwand war beträchtlich, doch die Verantwortlichen wollten den Bewohnern rasch eine sichere Alternative bieten.
Denn erst vor wenigen Wochen hatten Szenen am Kanal für Diskussionen gesorgt. An warmen Tagen sprangen zahlreiche junge Menschen trotz Verbots ins Wasser. Die Bilder verbreiteten sich schnell in sozialen Netzwerken. Polizei und Ordnungskräfte mussten einschreiten, um gefährliche Sprünge von Brücken und Stegen zu verhindern.
Die Risiken sind nicht zu unterschätzen. Der Canal Saint-Martin ist kein klassisches Freibad. Unterschiedliche Wassertiefen, vorbeifahrende Boote und Hindernisse unter der Wasseroberfläche können schnell zur Gefahr werden. Genau deshalb entstand nun ein klar abgegrenzter Bereich mit professioneller Überwachung.
Für viele Pariser besitzt die Maßnahme auch symbolischen Charakter. Noch vor wenigen Jahren galt das Baden in den innerstädtischen Gewässern als kaum vorstellbar. Verschmutzung und Sicherheitsbedenken standen dem entgegen. Doch umfangreiche Investitionen in die Wasserqualität und die Modernisierung der Infrastruktur haben die Situation grundlegend verändert.
Nicht zuletzt die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele 2024 haben diesen Wandel beschleunigt. Seitdem verfolgt Paris das Ziel, Flüsse und Kanäle wieder stärker für die Bevölkerung nutzbar zu machen. Der Canal Saint-Martin ist dabei nur ein Baustein eines größeren Projekts. Auch an der Seine und am Bassin de la Villette entstehen neue Möglichkeiten für Badegäste.
Für Einheimische und Besucher bietet die frühe Öffnung nun einen kleinen Vorgeschmack auf den Sommer. Wer an einem heißen Nachmittag durch das 10. Arrondissement spaziert, findet dort künftig nicht nur ein beliebtes Postkartenmotiv, sondern auch eine erfrischende Oase. Ein bisschen ungewöhnlich wirkt der Gedanke zwar noch immer – mitten in Paris im Kanal zu schwimmen. Doch genau solche Ideen prägen zunehmend das Gesicht der Hauptstadt im Zeitalter steigender Temperaturen.
Autor: C.H.