Paris – 18.06.2026: Nach monatelangen Beratungen haben die französische Nationalversammlung und der Senat in der Paritätischen Gemischten Kommission (CMP) eine Einigung über das neue "Anti-Fast-Fashion-Gesetz" erzielt. Dieses Gesetz soll der rapide wachsenden Fast-Fashion-Industrie, vor allem aus außereuropäischen Plattformen wie Shein und Temu, entgegenwirken. Es wurde bereits im März 2024 von der Nationalversammlung und im Juni 2025 vom Senat verabschiedet, nun stellt die Einigung in der CMP den Abschluss der parlamentarischen Hürde dar. Ziel des Gesetzes ist es, ökologische und soziale Missstände durch ultra-schnelle Modeproduktion zu bekämpfen und gleichzeitig die heimische Textilbranche zu schützen.
Das Gesetz implementiert drei zentrale Maßnahmen: Erstens sieht es einen Malus von bis zu 50 Prozent des Produktpreises auf Produkte vor, die als ultra-schnell hergestellte Mode eingestuft werden, insbesondere bei außereuropäischen Unternehmen. Dieser finanzielle Anreiz tritt ab dem 1. September 2026 in Kraft. Zweitens werden die Offenlegungspflichten für Produktionsbedingungen verschärft, um Transparenz über die Herkunft und Herstellung der Produkte zu schaffen. Drittens fördert das Gesetz nachhaltige Produktionsweisen und verlängert die Lebensdauer von Kleidungsstücken durch entsprechende Anreize.
Yann Rivoallan, Präsident der Fédération Française du Prêt-à-Porter Féminin, lobt die erzielte Einigung als einen "entscheidenden Schritt" im Kampf gegen die Herausforderungen der Fast-Fashion-Branche. Zugleich warnt er vor dem erheblichen Einfluss von Unternehmen wie Shein, der das System gefährden könne. Er fordert daher eine fortwährende Wachsamkeit, um sicherzustellen, dass das Gesetz seine Wirkung entfalten kann.
Die französische Modeindustrie steht seit Jahren unter hohem Druck durch die aggressive Expansion von Fast-Fashion-Anbietern, deren günstige Preise und kurze Produktionszyklen vor allem junge Verbraucher ansprechen. Diese Entwicklung hat nicht nur ökologische Probleme mit Umweltverschmutzung und Ressourcenverschwendung, sondern auch soziale Fragestellungen hinsichtlich der Arbeitsbedingungen in Produktionsländern hervorgerufen.
Das "Anti-Fast-Fashion-Gesetz" gilt in Europa als wegweisendes Modell. Es soll anderen Ländern als Beispiel dienen, die vergleichbare Herausforderungen in ihrer Modeindustrie bewältigen wollen. Die Umsetzung des Gesetzes wird in den kommenden Monaten genau zu beobachten sein, insbesondere wie effektiv die neuen Vorschriften deren Ziele erreichen und den Markt nachhaltig verändern.
Insgesamt stellt die parlamentarische Einigung einen bedeutenden Fortschritt dar, um die französische Modebranche zukunftsfähiger und verantwortungsbewusster zu gestalten. Das Gesetz unterstützt Umwelt- und Sozialstandards aktiv und stärkt die Position von Unternehmen, die auf nachhaltige und transparente Produktionsweisen setzen. Die Auswirkungen auf die Marktstruktur und das Verbraucherverhalten werden eine zentrale Rolle spielen, wenn die Regelungen ab Herbst 2026 in Kraft treten.
Quellen
- Ministère de la Transition écologique
- Fédération Française du Prêt-à-Porter Féminin