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NEWSDESK · 30.06.2026

Pflegegewerkschaft warnt: Kliniken in Frankreich sind schlecht auf extreme Hitze vorbereitet

Paris – 30.06.2026: Der Sprecher des Syndicat national des professionnels infirmiers (SNPI), Thierry Amouroux, warnt vor gravierenden Luecken beim Hitzeschutz in franzoesischen Krankenhaeusern und Pflegeheimen. Viele Gebaeude stammen aus den 1960er bis 1980er Jahren und seien architektonisch kaum auf wiederkehrende Hitzewellen vorbereitet. Innenliegende Stationen, lange Flure ohne Querlueftung und ausgedehnte Glasflaechen verwandelten Teile der Kliniken in den Sommermonaten in waermestauende Zonen, so Amouroux im Interview mit Franceinfo. Besonders gefaehrdet sind aeltere Menschen in EHPAD und Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen, deren Kreislauf auf grosse Temperaturbelastungen eingeschraenkt reagieren kann.

Nach Angaben aus Krankenhauskreisen und regionalen Gesundheitsdiensten haben Notrufzentralen und Notaufnahmen an Hitzetagen spuerbar mehr Einsaetze gemeldet. Die Assistance publique – Hopitaux de Paris (AP-HP) und mehrere Regionalhaeuser verzeichnen erhoehte Patientenzahlen; elektive Eingriffe werden mancherorts verschoben, um Intensivkapazitaeten und Personal zu buendeln. Pflegeteams berichten von zusaetzlicher Arbeitslast, da die Kuehlmoeglichkeiten in vielen Bestandsbauten begrenzt sind und provisorische Loesungen – etwa mobile Geraete – nur punktuell Entlastung bringen.

Die Regierung hat kurzfristige Unterstuetzung angekuendigt, darunter die Bereitstellung zusaetzlicher mobiler Klimageraete, Beschaffung von Ventilatoren sowie zweckgebundene Mittel fuer energetische Sofortmassnahmen. Berufsverbaende und Fachleute halten jedoch ein laengerfristiges Programm fuer unerlaesslich. Dazu zaehlen verbesserte Daemmungen, Sonnenschutz an Fenstern, angepasste Lueftungs- und Klimasysteme mit Redundanzen, mehr Schattenflaechen im Aussenbereich sowie hitzeangepasste Grundrisse bei Neubauten. Gesundheitsbehoerden erinnern zudem daran, dass die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze zeitverzoegert auftreten: Krankenhausaufnahmen und Komplikationen koennen auch Tage nach einem Hitzegipfel steigen.

Klinikleitungen und regionale Traeger signalisieren grundsaetzliche Zustimmung zu einer Beschleunigung der Sanierungen, verweisen aber auf Planungs- und Lieferzeiten sowie laufende Betriebszwangslaeufe, die Umbauten im Vollbetrieb erschweren. Parallel wird auf Praevention gesetzt: Standardisierte Hitzeplaene, regelmaessige Trink- und Ueberwachungsrunden bei pflegebeduerftigen Personen, reduzierte koerperliche Belastung des Personals in heissen Zeitfenstern und die Nutzung kuehlerer Raeume fuer besonders vulnerable Gruppen gehoeren inzwischen vielerorts zum Alltag.

Aus Sicht des SNPI braucht es klare nationale Vorgaben fuer Mindeststandards in Krankenhaeusern und EHPAD, damit Investitionen priorisiert und vergleichbar umgesetzt werden koennen. Waerend einige Regionen bereits Foerderprogramme aufgelegt haben, fehlen landesweit noch verbindliche Zeitplaene fuer umfassende Renovierungen. Bis dahin duerften Hitzewellen Kliniken weiter an die Belastungsgrenze bringen – mit Folgen fuer Arbeitsablaeufe, Wartezeiten und vor allem fuer die Sicherheit besonders gefaehrdeter Patientinnen und Patienten.

Quellen

  • Franceinfo (Interview Thierry Amouroux)
  • SNPI (Syndicat national des professionnels infirmiers)
  • Info.gouv (Regierungsmitteilung zur Canicule)
  • AP-HP (Berichte zu Notaufnahmen)