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Patrice Tiko · 04.06.2026

Präsidentielle 2027: Raphaël Glucksmann lehnt doppelte Primäre ab und fordert linken Zusammenhalt

Paris – 04.06.2026: Raphaël Glucksmann, Vorsitzender von Place publique und Mitglied des Europäischen Parlaments, hat die von Olivier Faure, dem Generalsekretär der Sozialistischen Partei (PS), vorgeschlagene doppelte Vorwahl bei der Präsidentenwahl 2027 deutlich abgelehnt. Faure sieht zunächst eine interne PS-Primäre vor, gefolgt von einer offenen Primäre aller linken Kräfte ohne La France Insoumise (LFI) vor. Glucksmann erteilte diesem Vorschlag eine klare Absage: Seit einem Jahr spreche er sich gegen Vorwahlen aus und werde keinesfalls zwei von ihnen akzeptieren. Er strebe statt dessen eine Vorgehensweise an, mit der sich die gesamte Linke einen und stärker auftreten könne, ohne sich in fragmentierten innerparteilichen Debatten zu verlieren.

Bis Ende August will Glucksmann entscheiden, ob er sich als Präsidentenkandidat aufstellen lässt. In den kommenden Monaten plant er, ganz Frankreich zu bereisen und einen "neuen patriotischen Vertrag" vorzulegen, der die verschiedenen linken Strömungen miteinander verbinden soll. Dabei betonte er, nicht einfach "eine weitere Kandidatur auf dem linken Flügel" sein zu wollen. „Wir müssen die Egos beiseitelegen“, sagte Glucksmann, „um die richtige Persönlichkeit zu finden, die den Bürgern vorgestellt wird, wenn wir die Präsidentschaftswahl gewinnen wollen."

Die Debatte innerhalb der Sozialistischen Partei ist angespannt: Boris Vallaud, Vorsitzender der sozialistischen Abgeordnetenfraktion, hat sich aus der Parteiführung zurückgezogen, weil er die geplante Primäre für kontraproduktiv hält und vor allem ohne Glucksmanns Beteiligung für zu eng hält. Diese innerparteilichen Reibungen verdeutlichen die Herausforderungen der Linken, vor der Wahl 2027 eine gemeinsame und schlagkräftige Kandidatur aufzustellen.

Glucksmanns Appell zu einem vereinten linken Vorgehen richtet sich gegen eine Zersplitterung der Parteien und Bewegungen auf der Linken. Er sieht darin ein zentrales Hindernis, um im kommenden Wahlkampf erfolgreich zu sein. Die Fähigkeit zur Einigung könnte entscheidend sein, um in Konkurrenz zu rechten und zentristischen Kandidaturen ausreichend Wählerstimmen zu mobilisieren.

Die kommenden Wochen sind entscheidend, um die politische Ausrichtung der Linken zu klären. Ob eine gemeinsame Plattform und ein gemeinsamer Kandidat zustande kommen, wird deren Chancen bestimmen. Die Präsidentschaftswahl 2027 gilt als Schlüsselwahl, bei der die Linke nur dann wieder stärkere Bedeutung erlangen kann, wenn sie sich strategisch neu aufstellt und interne Konflikte überwindet.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Einigung kommt, ist aktuell noch ungewiss. Der Widerstand gegen doppelte Vorwahlen und die Forderung nach Geschlossenheit spiegeln die Dringlichkeit wider, mit der Glucksmann seine politische Richtung formuliert. In den kommenden Monaten werden die Verhandlungen zwischen den verschiedenen linken Strömungen Frankreichs über die beste Vorgehensweise wohl an Dynamik gewinnen und das politische Parkett prägen.

Quellen

  • La Gazette France