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NEWSDESK · 19.07.2026

Proteste in der Ukraine nach Entlassung von Verteidigungsminister Fedorov

Kiew – 19.07.2026: Nach der Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorov halten die Proteste gegen Präsident Wolodymyr Selenskyjs Kabinettsumbildung an. In Kiew versammelten sich in den vergangenen Tagen erneut Hunderte Menschen nahe dem Präsidentenamt. Auch aus anderen Städten wurden Kundgebungen gemeldet. Die Demonstranten verlangen vor allem, den als populär geltenden Minister wieder einzusetzen und die Reformen im Verteidigungsressort fortzuführen.

Selenskyj hatte Fedorov am 15. Juli im Zuge einer umfassenden Regierungsumbildung aus dem Amt entfernt. Parallel wechselte auch die Spitze der Regierung. Das Verteidigungsministerium wird vorläufig kommissarisch geführt, während die Suche nach einer dauerhaften Nachfolge politische Schwierigkeiten bereitet. Berichten zufolge zögern Abgeordnete der Werchowna Rada, einen neuen Verteidigungsminister zu bestätigen, solange die Gründe für den Wechsel ungeklärt bleiben.

Fedorov war erst seit Januar 2026 Verteidigungsminister. Zuvor hatte er als Minister für digitale Transformation den Ausbau staatlicher Digitaldienste geprägt. Im Verteidigungsressort verband sich sein Name mit dem Ausbau der heimischen Drohnenproduktion, der stärkeren Einbindung privater Rüstungsunternehmen und neuen Beschaffungswegen für die Streitkräfte. Diese Modernisierung verschaffte ihm Rückhalt bei Teilen des Militärs, bei Freiwilligeninitiativen und in der Zivilgesellschaft.

Im Zentrum der Kontroverse steht ein offenbar grundlegender Konflikt über die Kriegsführung. Fedorov und seine Unterstützer setzen auf technologisch gestützte, dezentral organisierte Fähigkeiten: Drohnen, elektronische Kampfführung, automatisierte Beschaffung und rasche Anpassung an Entwicklungen an der Front. Die militärische Führung um Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj steht demgegenüber für eine stärker hierarchisch geführte Armee. Beide Ansätze müssen sich nicht ausschließen, doch der Personalwechsel hat den Gegensatz sichtbar gemacht.

Selenskyj verteidigte die Umbildung mit der Notwendigkeit, die staatliche Führung auf die nächste Phase des Krieges und einen schwierigen Winter vorzubereiten. Russland setzt seine Angriffe fort, während Kiew zugleich die Versorgung der Truppen, die Luftverteidigung und die wirtschaftliche Stabilität sichern muss. Gerade unter diesen Bedingungen erhält die Frage besonderes Gewicht, ob ein Wechsel an der Spitze des Verteidigungsressorts die Handlungsfähigkeit erhöht oder wichtige Reformen unterbricht.

Politisch ist die Entwicklung ungewöhnlich, weil öffentliche Proteste in einem Land unter Kriegsrecht selten sind. Bereits im Juli 2025 hatte Selenskyj nach Demonstrationen eine geplante Einschränkung der Unabhängigkeit von Antikorruptionsbehörden zurücknehmen müssen. Die aktuellen Kundgebungen sind daher kein unmittelbarer Machtwechsel, aber ein Hinweis auf die Belastungsgrenzen des ukrainischen Konsenses. Entscheidend wird sein, ob Selenskyj den Konflikt institutionell befrieden und zugleich das Vertrauen in die militärische Führung erhalten kann.

Quellen

  • Associated Press
  • Le Monde
  • Radio Free Europe/Radio Liberty
  • Franceinfo