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Patrice Tiko · 13.07.2026

Rajoys Aussage über die Bleus löst in Frankreich und Spanien Empörung aus

Madrid – 12.07.2026: Eine Kolumne des früheren spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy hat wenige Tage vor dem WM-Halbfinale zwischen Frankreich und Spanien eine politische Kontroverse ausgelöst. Rajoy würdigte die hohe sportliche Qualität der französischen Auswahl, behauptete jedoch zugleich, in ihr spiele kein Franzose. Die Bemerkung erschien in einem Beitrag für das Online-Medium El Debate nach Spaniens Viertelfinalsieg gegen Belgien.

Die Aussage richtet sich gegen die Herkunft und damit mittelbar gegen die Zugehörigkeit mehrerer Nationalspieler. Sie ist faktisch unhaltbar: Alle 26 von Nationaltrainer Didier Deschamps für das Turnier nominierten Akteure besitzen die französische Staatsangehörigkeit. Nach Angaben der französischen Botschaft in Madrid wurden 23 von ihnen in Frankreich geboren. Michael Olise, Marcus Thuram und Brice Samba kamen im Ausland zur Welt, sind jedoch ebenfalls Franzosen.

Philippe Diallo, der Präsident des französischen Fußballverbands FFF, sprach von nicht hinnehmbaren rassistischen Untertönen. Frankreichs Spieler hätten von einem ehemaligen spanischen Regierungschef keine Bescheinigung über ihre Staatsangehörigkeit zu erhalten. Auch die französische Botschaft in Madrid stellte klar, dass sämtliche Mitglieder der Auswahl Franzosen seien. Damit reagierten staatliche und sportliche Institutionen ungewöhnlich direkt auf einen publizistischen Beitrag eines früheren Regierungschefs.

Aus Madrid kam ebenfalls Widerspruch. Ministerpräsident Pedro Sanchez bezeichnete Rajoys Äußerungen als fremdenfeindlich. Er verwies darauf, dass nationale Zugehörigkeit nicht über Familiennamen, Geburtsort oder Hautfarbe definiert werden könne. Der sozialistische Regierungschef stellte dem ein Verständnis von Nation gegenüber, das auf Verwurzelung, staatsbürgerlicher Bindung und dem Beitrag zum Gemeinwesen beruht. Rajoy führte Spanien von Dezember 2011 bis Mai 2018 und gehört der konservativen Partido Popular an.

Der Vorgang berührt ein seit Jahrzehnten wiederkehrendes Motiv in der französischen Debatte über Einwanderung, Staatsbürgerschaft und Repräsentation. Bereits nach dem WM-Triumph 1998 waren Spieler mit familiären Wurzeln außerhalb Frankreichs Ziel ähnlicher Angriffe geworden. Die damalige Mannschaft um Zinedine Zidane, Lilian Thuram und Marcel Desailly galt vielen als Ausdruck einer pluralen französischen Gesellschaft; zugleich wurde ihre Zugehörigkeit von rechtsextremer Seite bestritten.

Die Kontroverse fällt in eine Phase erhöhter Aufmerksamkeit für rassistische Angriffe gegen französische Spieler. Zuvor waren Äußerungen der paraguayischen Senatorin Celeste Amarilla gegen Kapitän Kylian Mbappe öffentlich verurteilt worden. In Frankreich leitete die Justiz nach einer Anzeige der FFF wegen mutmaßlich erschwerter öffentlicher Beleidigung Ermittlungen ein. Rajoys Beitrag verlagert die Debatte nun vor dem Spiel am 14. Juli erneut vom Sport in den Bereich nationaler Identität und politischer Symbolik.

Quellen

  • Reuters via Boursorama
  • Euronews
  • Le Monde
  • FIFA