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Patrice Tiko · 28.05.2026

Raphaël Glucksmann prüft mögliche Präsidentschaftskandidatur 2027

Paris – 28.05.2026: Raphaël Glucksmann, europäischer Abgeordneter und Vorsitzender der politischen Bewegung Place publique, hat angekündigt, bis Ende des Sommers über eine mögliche Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2027 zu entscheiden. In einem Interview mit TF1 erklärte Glucksmann, er wolle die kommenden drei Monate nutzen, um "das Land zu bereisen und einen neuen patriotischen Vertrag" vorzuschlagen.

Er betonte, keine weitere Stimme im demokratisch-linken Spektrum sein zu wollen, sondern seine politische Familie zu vereinen und eine einzige Kandidatur der nicht-mélenchonistischen Linken zu fördern. Diese Strategie sieht sich angesichts der Zersplitterung der linken Parteienlandschaft in Frankreich als große Herausforderung. Jean-Luc Mélenchon, der Vorsitzende der linken Bewegung La France insoumise, führt derzeit in den Umfragen. Zudem zeigen vor allem ehemalige sozialistische Verbündete Glucksmanns Vorhaben gegenüber Skepsis.

Ein kürzlich aufgetauchtes internes Memo, das eine bewusste Ausgrenzung von Arbeiter- und Jugendwählern skizzierte, sorgte für weitere Kontroversen. Glucksmann selbst distanziert sich von dieser Vorgehensweise und will eine breite Basis aus linken und zentristischen Wählern ansprechen. Kern seiner Botschaft ist eine kohärente nationale Identität, die sich sowohl von linken als auch rechten Radikalnarrativen abgrenzt.

Sein politisches Programm fokussiert auf die Stärkung der öffentlichen Bildung, den Klimaschutz, die Reindustrialisierung Frankreichs sowie eine Reform der Einwanderungspolitik. Die Finanzierung sieht er durch eine stärkere Besteuerung der Vermögenden vor, lehnt jedoch die von Wirtschaftsexperten wie Gabriel Zucman vorgeschlagene zwei Prozent Steuer auf Unternehmensvermögen ab. Dabei setzt Glucksmann auf Pragmatismus und Realismus bei der politischen Umsetzung.

Ziel ist es, eine breite Koalition aus Grünen, Sozialisten und Zentristen zu mobilisieren. Der bisherige sozialistische Parteichef Olivier Faure unterstützt Glucksmann noch nicht offen, was vor der für den 13. Juni angesetzten Versammlung eine wichtige Weichenstellung darstellen wird. Diese Zusammenkunft gilt als Test für Glucksmanns Fähigkeit, die fragmentierte Linke für die Präsidentschaftswahl 2027 zu vereinen.

Glucksmann hat klargestellt, dass er kein gemeinsames Kandidatenprojekt mit Jean-Luc Mélenchon und La France insoumise anstrebt, da es fundamentale Differenzen bei Themen wie Europa, Verteidigung, Geopolitik und Energiemix gibt.

Seine bevorstehende Entscheidung fällt in eine Phase, in der das linke politische Feld in Frankreich stark zersplittert ist, wodurch eine geeinte und wirkungsvolle Opposition gegen die amtierende Regierung sowie die politischen Rechtsparteien noch nicht in Sicht ist. Glucksmanns Bemühungen könnten entscheidend sein, ob die Linke bei der Wahl 2027 wieder an Einfluss gewinnt oder weiter an Bedeutung verliert.

Quellen

  • RTL
  • Boursorama
  • Le Monde